Posted by herr.filmtanz on Jul 1, 2014

Jack Ketchum’s The Lost [Kritik]

[26.06.2014 #1354] Jack Ketchum’s The Lost – Teenage Serial Killer (Killing Apocalypse, Drama, Horror, Thriller, USA, 2005)

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Schon bei Jack Ketchum’s Evil war es so bei mir, lässt man sich auf einen Film unter der Romanvorlage von Jack Ketchum ein, braucht man sehr starke Nerven. Mir ging es bei Evil so, dass ich auch nach Tagen die sehr erschütternde Filmumsetzung sehr ernst nehmen muss und es mich zum Nachdenken anregt. Man könnte wirklich denken, Jack Ketchum hat komplett den Verstand verloren oder sein Gehirn ist im Suff ertrunken, dem ist aber bestimmt nicht so. Es ist ein Mensch, der in brutalster Weise das Leben reflektiert. Er ist immer ehrlich in Bezug auf seine Protagonisten, und nimmt sich unglaublich viel Zeit, sie fühlen zu können, dieses ist ihm sehr wichtig. Mann schaut in Evil z.B. auf die Hochglanz-Fassade in einem sehr spießiges USA Feinbiotop und der Schwenk der Kamera führt uns in den Keller, den Abründen des Inneren der Menschen, welche sich auch in eurer Nachbarschaft befinden. So ist das Leben, und das zeigt dieser Film Jack Ketchum’s The Lost – Teenage Serial Killer in voller Härte !

In Jack Ketchum’s The Lost – Teenage Serial Killer nimmt sich der Film sehr viel Zeit, die Verhaltenspsychologie der Protagonisten komplett durchzuzeichnen, geradezu wie in einem Profil. Mit sehr viel Liebe in Bezug auf die Personen gelingt dieses dem Film in Perfektion. Es ist die Brutalität des Lebens, und auch ein Film über die Lüge in Bezug auf das Leben, immer Lügen und Ducken, Leise sein, und sich nicht Frei entfalten können, geht irgendwann nach Hinten los. Beim nachdenken über den Film bin ich dann auf Sigmund Freud und den Begriff Narzissmus gestosen. Ich zitiere das mal in Bezug auf den Film.

Mit dem Begriff Narzissmus ist im weitesten Sinne die Selbstliebe als Liebe gemeint, die man dem Bild von sich entgegenbringt. Im engeren Sinn bezeichnet er eine auffällige Selbstbewunderung oder Selbstverliebtheit und übersteigerte Eitelkeit. Der Begriff leitet sich ab von Narkissos/Narziss, einem Jüngling der griechischen Mythologie.

Primärer und sekundärer Narzissmus
Jeder Mensch durchläuft narzisstische Zustände. Nach Sigmund Freud unterscheidet man den primären und sekundären Narzissmus. Beim primären Narzissmus richte das Kleinkind seine sexuelle Energie (Libido) ganz auf sich selbst. Da die Mutter als mit dem eigenen Selbst verbunden erlebt wird, kann hier aus der Perspektive des Kleinkindes auch von einer Fusion von Subjekt und Objekt (symbiotische Phase nach Margaret Mahler) gesprochen werden. – Beim sekundären Narzissmus wird, so Freud, die sexuelle Energie von äußeren Objekten wieder abgezogen und auf sich selbst bezogen (Regression). Dieser Zustand tritt vor allem nach enttäuschter Liebe oder Selbstwertkränkungen auf. Freud selbst hat die Begriffe nicht immer eindeutig gebraucht, doch wenn man sein Werk daraufhin genau untersucht, wird deutlich, dass der primäre Narzissmus ein spekulatives metapsychologisches Konstrukt meint, das als heuristisches Modell nur gedacht, aber nicht beobachtet werden kann. Dagegen ist der sekundäre Narzissmus ein klinischer Begriff, dessen vielfältige Erscheinungsweisen empirisch nachweisbar sind. Wenn der Analytiker heute von Narzissmus spricht, meint er in aller Regel die sekundäre Form, also die von den Objekten abgezogene libidinöse Besetzung (Dahl)

Marc Senter spielt den Ray Pye, der mit Sicherheit charmanteste und liebenswerteste Serienkiller auf dieser Welt, mit solch einer Kraft, wie ich ich sie noch nie erlebt habe in meinem Leben, und so noch nie fühlen konnte. Dieses ist eine Meisterleistung, für die ich Marc Senter einfach unglaublich loben muss, es ist wirklich unfassbar was er hier leistet, und auf der Leinwand ausstrahlt, ich bin über mich selbst sehr erschrocken. Es ist so erschreckend authentisch, dass ich auch nach Tagen noch selbst an meinem Verstand zweifle.

Eine Höchstleistung, ich lobe Jack Ketchum und seine feinchemische Beobachtung der Menschen, die herausragende schauspielerische Meisterleistung von Marc Senter (unvergessen) und die Gedanken in Bezug auf Narzissmus, danke Sigmund Freud, er hat mir echt beim durchdenken geholfen, einen Halt in diesem Film zu finden. Sehr Hart aber auch wirklich mit sehr viel Hirn der Film 😀

Als Ray Pye (Marc Senter) vor einem Toilettenhäuschen im Wald der nackten Lisa (Erin Brown) begegnet, ist er zunächst entzückt. Kurz nachdem er Lisa jedoch eng umschlungen mit ihrer Freundin sieht, wird Lisa erschossen und ihre Freundin Elise fällt durch eine Schussverletzung ins Koma. Vier Jahre später: Elise stirbt, und der Polizei ist längst klar, dass Ray Urheber der brutalen Morde war. Das Problem ist nur, dass die einzigen Augenzeugen eingeschüchtert schweigen. Aber der psychisch labile Ray wird, als er von der hübschen Katherine abgewiesen wird, zu neuen Untaten getrieben…

Nach dem Erfolg der Jack-Ketchum-Verfilmungen ‘Evil’ (2006) und ‘An American Crime’ (2007) folgt nun der nächste Jack-Ketchum-Film, der auch wieder alle Fans in seinen Bann ziehen wird. Independent-Filmer Chris Sivertson liefert mit ‘The Lost – Teenage Serial Killer’ eine wortwörtlich Grauen erregende Verfilmung des bekannten Romans von Jack Ketchum ab, bei der der Zuschauer immer ein bisschen mit stirbt.
Regie: Chris Sivertson, Schauspieler: Marc Senter, Shay Astar, Alex Frost, Michael Bowen, Robin Sydney, Megan Henning

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