Posted by herr.filmtanz on Jul 16, 2014

Das Mädchen und der Künstler | Kritik | Kunstfilm

[12.07.2014 #1369] Das Mädchen und der Künstler (El artista y la modelo, Drama, Spanien, 2012)

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Während ich hier auf den Balkon auf die grossen und kleinen Bäume schaue, ihren Blättern beim leisen Tanzen im Wind zuschaue und über den Film nachdenke, möchte ich die bewegenden Worte des Bildhauers Marc Cros zitieren.

So ein Licht, das kann man nicht erfinden, wenn es da ist, muss man es nutzen. Draussen im Freien ist alles in Bewegung, sogar das Licht, wie soll man das einfangen. Die Blätter, die Pflanzen, das sind Milliarden und keines davon sieht wie das andere aus. Man könnte 150 Leben leben und hätte doch nur einen winzigen Bruchteil gesehen. Und weil das so ist, kommt es auf die eigene Idee an, deine ganz eigene Idee, sonst verschwendet man hier nur seine Zeit, das ist alles.

Das sind die wunderbarsten Sätze die ich je gehört habe und sie bewegen mich zutiefst im Herzen. Weiterhin sagt der Bildhauer Marc Cros auch, die Menschen sind nichts als Wilde Tiere. Bezogen auf das Sehverhalten und die Wahrnehmung unserer Natur und dem bewundern der Sprache Licht, hat er in Bezug auf die meisten Menschen unglaublich recht, welche vollkommen blind durch das Leben trampeln.

Ich war schon immer ein kleiner Rebell im Inneren, und beim Nachdenken über den Film ist mir dann auch eingefallen, wie sehr mir der Kunstunterricht und auch die Musik in der Waldorfschule für mein weiteres Leben gut getan haben. Wie sehr ich die Bilder von Caspar David Friedrich liebe, kann ich nicht in Worte fassen, dieses muss man fühlen können. Mit diesen Gedanken und einer Verliebtheit in Bezug auf Schwarzweißfotografie, bin ich dann mit sehr grossen Erwartungen in den Film gestartet. Ich möchte aber noch hinzufügen, flimb hat mich gelehrt die Welt, die Details mit anderen Augen zu sehen und zu fühlen, dafür bin ich flimb für immer sehr dankbar :-)

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Bereits nach den ersten Schwarzweiß-Bildern welche mir von der Leinwand zum inhalieren präsentiert wurden, war mir eines klar, hier darfst du gleich bewegte Kunst in Form eines Filmes mit allen Sinnen atmen. Das fühlte sich auf einmal an, als würde man in einer Weltklasse-Kunstausstellung ganz ruhig und inhalierend, plötzlich erleben, wie sich die ganzen Kunstwerke zu bewegen beginnen. Was ich hier in Bezug auf Bildkomposition, Bildgestaltung, die Sprache von Licht von Schatten, Schwarz und Weiss, der Blick auf Details erlebt habe, ist ein wunderschönes Geschenk, für dieses ich sehr sehr dankbar bin im Herzen.

Vollendete Schwarzweißfotografie, bei welcher man intensiv die Reflexion des Lichts auf dem ganzen Körper fühlen kann. Es werden die eigenen Gedanken auf einmal in wunderbare Gemälde und Skulpturen im Gehirn gezeichnet. Mehr Kunstwerk kann ein Film nicht sein, und dafür gibt es von mir alle Sterne vom Himmel, danke für diesen unglaublich wunderbaren Film, Danke Danke Danke 😀 Wie eine Meditation des Lebens und der Natur, so fühlt sich dieses Meisterwerk an 😀

Nachsatz: Wer die Möglichkeit hat dieses Kunstwerk in Grossbild zu schauen, ganz unbedingt, die Wirkung ist enorm 😀

1943 im besetzten Frankreich. In einem kleinen Dorf unweit der spanischen Grenze lebt der alte Bildhauer Marc Cros (Jean Rochefort) mit seiner Frau Léa (Claudia Cardinale). Der 80-jährige Künstler hat schon lange keine Skulptur mehr geschaffen. Er hat zwei Kriege erlebt und erwartet nicht mehr viel vom Leben und der Menschheit. Eines Tages aber trifft seine Frau Léa die junge Katalanin Mercè (Aida Folch), die auf der Flucht vor den Truppen Francos ist, und nimmt sie kurzerhand mit nach Hause. Das Ehepaar bietet Mercè an, in der Werkstatt des Bildhauers zu wohnen und im Gegenzug Modell für das letzte Werk des alten Cros Modell zu stehen. Langsam entwickelt sich eine wundervolle Freundschaft zwischen der jungen Frau, deren Leben gerade erst begonnen hat, und dem Künstler, der das Ende seines Lebens nahen sieht.

Regisseur Fernando Trueba, der 1993 den ‘Oscar’ für seinen Film ‘Belle Epoque’ erhielt, ist mit ‘Das Mädchen und der Künstler’ ein Meisterwerk gelungen. Der in Schwarzweiß gedrehte Film ist eine Meditation über Beharrlichkeit, den Sinn des Lebens und dem unausweichlichen Weg zum Tod. Jean Rochefort in einer seiner besten Rollen.
Regie: Fernando Trueba, Schauspieler: Claudia Cardinale, Jean Rochefort, Götz Otto, Chus Lampreave, Christian Sinniger, Aida Folch

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