Posted by herr.filmtanz on Aug 3, 2014

Von Menschen und Göttern | Rating

[31.07.2014 #1384] Von Menschen und Göttern (Des hommes et des dieux, Drama, Frankreich, 2010)

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Ich habe wohl gesagt: Ihr seid Götter und allzumal Kinder des Höchsten; aber ihr werdet sterben wie Menschen und wie ein Tyrann zugrunde gehen (Psalm 82 Vers 6-7)

“Man hat nur Angst, wenn man mit sich selbst nicht einig ist.” (Hermann Hesse)

Hermann Hesse hat sehr recht. Warum mich dieses Meisterwerk in Bezug auf meine eigene Einstellung zu Glaube und Religion mit voller Wucht umgehauen hat, bedarf einer Selbstanalyse und eines Reviews des Films.  Für jemanden der sich selbst als nicht religiös betrachtet, waren die Gedanken und das Erlebte bei dem Film zu intensiv um einfach verdrängt zu werden.

In einem Kloster in den Bergen Algeriens leben neun französische Mönche ein friedliches, asketisches Leben, ihrem Glauben und der Hilfe anderer verpflichtet. Aus den unwegsamen Berghängen vor den Klostermauern haben sie blühende Gärten geschaffen, die Menschen aus den umliegenden Dörfern finden bei ihnen immer Unterstützung, ob bei medizinischen Fragen oder anderen Nöten. Als in der Nähe des Klosters eine Gruppe von Gastarbeitern von islamistischen Rebellen getötet wird, wird den Mönchen jedoch klar, dass der schon lange schwelende Konflikt zwischen algerischen Regierungstruppen und den Rebellen immer näher an sie herankommt. Er wird auch vor den Toren ihres Klosters nicht halt machen, und ihr christlicher Glaube kann sie in große Gefahr bringen.

Man legt ihnen nahe, das Kloster zu verlassen, doch sie zögern. Die gemeinsamen Jahre haben sie zu mehr als einer Glaubens gemeinschaft gemacht, sie sind Freunde, eine Familie geworden, die in der Abgeschiedenheit der Berge ihre Heimat gefunden hat. Die Mönche diskutieren, zweifeln, kämpfen mit sich – und entscheiden, dass sie gerade in dieser Situation bleiben müssen und wollen. Jetzt und hier, an diesem Ort werden sie am meisten gebraucht – ungeachtet der Gefahr, der sie sich persönlich aussetzen…

Auf realen Tatsachen basierend beschreibt Regisseur Xavier Beauvois in ‘Von Menschen und Göttern’ die letzten Monate im Leben der Trappisten-Mönche von Tibhirine, die 1996 auf brutale und nie aufgeklärte Weise ums Leben kamen. In bezwingend schönen Bildern, rhythmisch angepasst an das asketische Klosterleben, offenbart der Film, wie sich die Mönche in einer zunehmend gewalttätigen Welt den Glauben an die eigene Vernunft und die eigenen Überzeugungen bewahren und für das eintreten, was ihnen am wichtigsten ist: die Nächstenliebe. Bei Kritikern stieß der Film auf viel Gegenliebe, so erhielt ‘Von Menschen und Göttern’ 3 ‘Césars’ (als bester Film, für die beste Kamera und den besten Nebendarsteller Michael Lonsdale), dazu den ‘Signis Preis’ als bester europäischer Film 2010 und schließlich den ‘Großen Preis der Jury’ bei den Filmfestspielen in Cannes.
Regie: Xavier Beauvois, Schauspieler: Lambert Wilson, Michael Lonsdale, Philippe Laudenbach, Olivier Rabourdin, Jacques Herlin

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