Posted by herr.filmtanz on Aug 20, 2014

Bergfest | Florian Eichinger | Kritik

[18.08.2014 #1404] Bergfest (Drama, Deutschland, 2008)

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Florian Eichinger (Baujahr 1971) ist ein deutscher Regisseur, Autor und Filmproduzent. Ich wurde die Tage auf diesen sehr spannenden Regisseur durch seinen zweiten programmfüllenden Film Nordstrand (2014) aufmerksam, hier geht es aber um seinen ersten Film als Regisseur und Drehbuchautor Bergfest (2008). 

Ohne Gelder der Filmförderung und mit einem privat finanzierten Budget von 50.000 Euro hat er hier auf einer eingeschneiten Berghütte – 10 Tage Drehzeit-, vier Personen zu einem psychologischen Kammerspiel gebeten, um einen verdrängten Vater-Sohn Konflikt zu beleuchten. Wir haben hier zum einen Hannes (Martin Schleiß) mit seiner Freundin Ann (Anna Brüggemann), welche in der Abgeschiedenheit auf der Berghütte ihre Beziehungsprobleme in den Griff bekommen wollen, strahlt doch eine schwere Last auf den Schultern von Hannes in ihre Beziehung. Zum anderen haben wir den Vater Hans-Gert (Peter Kurth) mit seiner sehr jungen Freundin Lavinia (Rosalie Thomass), welche bei der Ankunft von Hannes und Ann auch in der Hütte sind. Hannes und Hans-Gert haben sich seit 8 Jahren nicht gesehen. In diesem quasi Gefängnis der eigenen Seele muss es hier auf engstem Raum irgendwann zu einer intelligenten Konfrontation zwischen Vater und Sohn kommen, alle werden hier ihre verborgenes Inneres zeigen müssen und auskotzen.

Ich habe mich bei mir gefragt, wie währe es, wenn ich einer Person aus meiner Familie, welche mir  psychologischen Schaden zugefügt hat,  in dieser Berghütte begegne ? Anfänglich währe ich bestimmt umgänglich, aber irgendwann muss sich dieser innere seelische Schmerz entladen. Kann man sich wie in diesem Vater-Sohn Konflikt nicht aus dem Weg gehen, kommt es irgendwann zu einer Explosion. Der Film zeigt dieses sehr eindrucksvoll, und er erinnert auch wirklich an das Meisterwerk Festen von Thomas Vinterberg. Eine Verdrängung von dem Erlebten Schmerz in der Kindheit kann sich vehement negativ und zerstörend auf das ganze Leben und die Liebe auswirken.

Florian Eichinger koppelt direkt an mein Gehirn an, und ich bin sehr Stolz auf ihn, dass er seine Reife gefunden hat, sich an einen eigenen Film mit Drehbuch und Regie gewagt zu haben – geplant ist eine Trilogie-. Meine Empfehlung, schaut zuerst Bergfest und dann Nordstrand von Florian Eichinger. Die Entwicklung dieses Regisseurs raubt einem fast den Atem.

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Ein Wochenende in den Alpen. Der 25-jährige Schauspieler Hannes (Martin Schleiß) trifft in der familieneigenen Berghütte unerwartet auf seinen Vater Hans-Gert (Peter Kurth), mit dem er seit 8 Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Aber der alternde Theaterregisseur scheint sich unter dem Einfluss seiner jugendlichen Freundin Lavinia (Rosalie Thomass) verändert zu haben und Hannes lernt den Vater aus einem neuen Blickwinkel kennen. Auch Hannes’ Freundin Ann (Anna Brüggemann) versucht hinter die Oberfläche des belasteten Vater-Sohn-Verhältnisses zu dringen, wo sie hofft, den Schlüssel für ihre eigenen Beziehungsprobleme mit Hannes zu finden. Doch der Weg zu einer neuen, vorsichtigen Nähe führt alle vier an ihre Grenzen und konfrontiert sie schon bald mit ihren inneren Abgründen…

Florian Eichingers ‘Bergfest’ spielt zum großen Teil auf einer eingeschneiten Berghütte und zeichnet eine präzise Studie der Figuren bei ihrem Ringen um eine Aussöhnung nach tiefen Verletzungen. In feinen Zwischentönen wird dabei auch die Trennlinie zwischen körperlicher und seelischer Gewalt hinterfragt. Denn so allgegenwärtig das Thema körperlicher Missbrauch ist – sein seelisches Pendant taucht in der öffentlichen Diskussion kaum auf, obwohl die Folgen oft ebenso verheerend sind.

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