Posted by herr.filmtanz on Sep 7, 2014

7th Floor | Séptimo | Kritik

[06.09.2014 #1420] 7th Floor – Jede Sekunde zählt (Séptimo, Regie Patxi Amezcua, Thriller, Krimi, Argentinien, Spanien)

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Der Anwalt Sebastián (Ricardo Darín), gerade frisch geschieden von seiner Frau Delia (Belén Rueda) möchte die beiden Kinder Luca und Luna zur Schule bringen. Während er im siebten Stock den Fahrstuhl nimmt, laufen die Kinder über die Treppe nach unten, wer wird der Erste sein, so lautet das Spiel. Das schlimmste auf der Welt passiert, die beiden Kinder sind verschwunden, das Haus hat sie verschluckt oder spielen die Kinder ein nicht sehr lustiges Spiel mit dem Vater ?

Verdächtig ist in diesem Moment jeder zwischen dem 7. Stock und dem Portier unten am Eingang in diesem Haus in Buenos Aires. Als Zuschauer beginnt man augenblicklich sich an das Gehirn von Sebastián zu koppeln und mit ihm, auf der Suche nach den Kindern, seine Angst zu fühlen.

Wie im Gottes Namen können Kinder so einfach verschwinden ? Es handelt sich um eine Entführung und Erpressung, nur für ein Lösegeld kommen die Kinder wieder frei. Ganz naheliegend und einfach, die Entführung hindert den Anwalt daran vor Gericht zu erscheinen, wo er schon vor einer halben Stunde hätte sein müssen.

Dem katalanischen Regisseur Patxi Amezcua ist hier ein richtig spannender Thriller gelungen, welcher jede Sekunde zu fesseln weiß. Patxi Amezcua zeigt in diesem spanisch-argentinischen Thriller sehr eindrucksvoll wie man ohne lautes und sperriges Hollywood Gerumpel und Getöse den Zuschauer fesseln kann. Heraus kommt dabei ein Thriller mit sehr authentischer Wirkung, welches im besonderen auch dem herausragenden argentinischen Schauspieler Ricardo Alberto Darín und der spanischen Schauspielerin Belén Rueda zu verdanken ist. Sehr lobend zu erwähnen ist ebenfalls die wunderbare Art wie der Kameramann den Film fotografiert. Ein leiser und doch kraftvoll authentisch komponierter Thriller und Krimi, bei welchem sich am Ende bei mir auch ein Tränchen den Weg suchte, ganz großes Kino 😀

Wenn Sebastián (Ricardo Darín) seine Kinder in die Schule bringt, spielen sie immer das gleiche Spiel: Wer ist Erster im Erdgeschoss? Sebastián nimmt im 7. Stock den altmodischen Aufzug, Luca und Luna sausen über die Treppe. Doch als der Vater an diesem Morgen als Sieger im Parterre ankommt, bleibt es still im Treppenhaus. Kein Junge stürmt um die Ecke, kein kleines Mädchen stimmt ein enttäuschtes Geheul an. Nichts. Stille. Erst denkt Sebastián, dass die beiden ein neues Spiel erfunden haben und sich verstecken, doch sie bleiben verschwunden. Mit wachsender Sorge durchsucht er das ganze Mietshaus, befragt den Hausmeister und alle Nachbarn. Niemand hat etwas gesehen, niemand weiß etwas. Es ist, als hätte das alte Haus die Kinder verschluckt. Panik ergreift Sebastián…

Wer kennt nicht diese Alptraumvorstellung, dass man ein Kind aus den Augen verliert und nicht wieder findet. Der Kopfkino-Horror beginnt zu spielen und man kann nichts dagegen tun, ist den Bildern ohnmächtig ausgeliefert. Es ist die Hölle. Der katalanische Regisseur und Drehbuchautor Patxi Amezcua macht aus dieser Hölle mit ‘Séptimo’ aka ‘7th Floor’ einen spannenden Thriller. ‘Suspense’ steht über jeder Szene. Patxi scheint bei Altmeister Alfred Hitchcock in die Lehre gegangen zu sein. Genüßlich läßt er die Hauptfigur Sebastián, einen Vater, der seine Kinder nicht finden kann, an den Strippen seines Kopfkinos zappeln. Der Mann ist es gewohnt, den Ton anzugeben, jetzt steht er ohnmächtig einem brutalen Gegner gegenüber – seiner eigenen Furcht. Immer neue Erklärungen und immer mehr mögliche Täter fallen ihm ein, immer neue Verdachtsmomente ergeben sich – aber alles läuft ins Leere. Nackte Angst ergreift immer mehr Besitz von dem Mann – und die Zuschauer zittern mit.
Regie: Patxi Amezcua, Schauspieler: Belén Rueda, Ricardo Darín, Guillermo Arengo, Luis Ziembrowski, Osvaldo Santoro

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