Gepostet von herr.filmtanz am Jun 26, 2013

Der letzte schöne Tag

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Ein Film über Trauerbewältigung. Der Blogeintrag enthält Parallelen zu meinem eigenen Leben.

Lars (Wotan Wilke Möhring) und Sybille (Julia Koschitz) sind seit 15 Jahren verheiratet und haben zwei Kinder, Tochter Maike 14 Jahre (Matilda Merkel) und Sohn Piet 7 Jahre alt (Nick Julius Schuck).

Von einem auf die andere Minute wird ein Mensch aus dem Leben gerissen. In diesem Fall hat die Mutter Sybille den Freitod gewählt. Sie ist auf einmal einfach weg. Das ist eine Situation die ein Mensch in diesem Moment nicht begreifen kann, wo doch alles in der Wohnung so aussieht, als währe Sybille nur mal auf dem Markt gewesen und gleich kommt sie mit dem Auto um die Ecke. Den Tod bestätigt und sicher, schaut man sich um, und alles ist wie immer. Die erste Phase in solch einem Moment ist erst mal das funktionieren. Es steht eine Beerdigung an mit all den 1000 Dingen die geregelt werden müssen. Sowas ist unglaublich anstrengend, eine Situation vor der nächsten Phase, die Trauerbewältigung und das Begreifen, für die in diesem Moment kein Platz ist. Einfach nur nicht nachdenken und erst mal die Beerdigung überstehen. Man will sich ja vor allen den Menschen nicht die Blöße geben. In solch einem Moment hat man im Grunde keinen Bock auf die ganzen Menschen die einem was Gutes sagen wollen, was dann aber auch sehr oft den Schmerz nur noch vertieft. Für Lars den Vater ist die Situation sehr viel schwerer, er hatt ein Sohn, 7, der zu jung ist es zu begreifen, weiterhin eine Tochter, 14, die viel zu früh mit solch einer Situation konfrontiert wird. Ich war 22 Jahre alt als mein Vater mit 51 gestorben ist. Den Verlust zu begreifen hat Jahre gedauert. Der Blogeintrag reflektiert  aber meine Mutter.

Nach der Beerdigung beginnt die Phase der Ruhe und der Selbstfindung,  eine Zeit, die Zeit zum reflektieren lässt. Es ist eine Zeit des Nachdenkens. Irgendwie scheint man es erst dann zu begreifen was passiert ist. Eine Zeit in der tiefste Trauer ausbricht und man auch selbst leicht in Zorn ausbrechen kann. Zorn auch gepaart mit Agressionen, eine Verzweiflung, ein Weg ohne das Ziel zu kennen, bei dem man sich selbst fremd ist.  Ohne Abschied einen Menschen zu verlieren ist unendlich schwer und grausam. Es gibt einfach keine Möglichkeit mehr noch ein Wort zu wechseln. Das letzte Telefonat war die letze Möglichkeit.

Der preisgekrönte Film zeigt genau diese Situation unglaublich authentisch. Für den Zuschaur gibt es bei diesem Film kein entrinnen, keine Nebenschauplätze oder eine Szene zum Durchatmen. Das macht den Film so besonders und ist für mich, der vergleichbares erlebt hat, kaum zum aushalten. Intensiver kann Trauerarbeit ausgelöst durch einen Film nicht sein. Eine Art Therapie in der ich alle Gedanken und Bilder noch einmal erleben und verarbeiten konnte.

Der Film ist unglaublich wichtig für mich, ich war sehr dankbar ihn gesehen zu haben. Besonders dankbar bin ich Wotan Wilke Möhring für seine Leistung sich so in die Rolle reinzudenken und sie zu fühlen.

Von den vielen vielen europäischen Filmen die ich in der 4-5/5 Sterne Liga gesehen habe, ist es der beste Film zu dem Thema.

Die Stimme von Sybille klingt am Telefon eigentlich wie immer. Ihr Mann Lars und die beiden Kinder können nicht ahnen, dass ihr Anruf ein endgültiger Abschied und dieser sonnige Tag im Herbst der letzte unbeschwerte Tag für lange Zeit ist. Denn am selben Abend nimmt Sybille sich das Leben. Sie habe nicht länger gegen den Wunsch zu sterben ankämpfen können, hinterlässt sie in ihrem Abschiedsbrief.
Lars und die Kinder sind wie paralysiert. Doch das Leben muss weiter gehen – die Schule, der Job, der Haushalt, die ganz profanen Dinge. Trauer, Selbstvorwürfe, aber auch Wut auf Sybille sorgen für ein emotionales Wechselbad, auf das niemand vorbereitet ist. Für Lars und die Kinder wird das Leben nie mehr so sein, wie es einmal war.

Genre: Drama
Regie: Johannes Fabrick
Schauspieler: Wotan Wilke Möhring, Matilda Merkel, Nick Julius Schuck, Julia Koschitz
Produktionsland: Deutschland
Kinostart: 2013
Laufzeit: 92 Minuten
FSK: 12

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