Posted by herr.filmtanz on Jul 17, 2017

UNDER THE SKIN | Scarlett Johansson | Jonathan Glazer

Film Review Under the Skin

Eröffnet wird der Film “Under the Skin” mit einer in absolutes Schwarz getauchten Leinwand. Begleitet von  schwirrend sphärischen Klängen fliegt ein kleiner weisser Punkt aus dem Schwarzen auf den Zuschauer zu und vergrößert sich unaufhörlich, um sich nach einer Transformation, zunächst aus nicht Organischem zusammengesetzt wirkend, als leinwandfüllendes, menschliches Auge zu entpuppen. Ein unheimlicher Auge-in-Auge Blickkontakt.

In “Under the Skin” fährt Scarlett Johansson in ihrem weissen Lieferwagen durch Schottland und die Städte, immer die Menschen auf der Straße sehr genau konzentriert beobachtend. Mit ihren blutroten Lippen, ihrer blassen Haut und ihren schwarzen Haaren ist sie durch ihre äussere Schicht, dem Pelzmantel, flauschig umhüllt. Ziel ihrer konzentrierten Suche und die Beute sind einsame Männer, welche auf schnellen Sex mit dieser überirdischen Schönheit hoffen. Ehe sich die Männer versehen haben, ist es auch schon um sie geschehen. Johansson wird für sie unerreichbar bleiben und von ihnen bleibt nur die Aussenhülle zurück, die Haut der Männer. Damit ist der Auftrag abgeschlossen. Während Johansson mit ihrer intensiven Kühle und Starre in ihrem Lieferwagen weiter Ausschau nach frischer Beute hält, spielt hier der, ich nenne ihn “Den rasenden Tatortreiniger”, eine wichtige Rolle. Ausgestattet mit einem schweren Motorrad rast der “Tatortreiniger” durch Schottland, um die Spuren verschwinden zu lassen, welche Johansson hinterlassen hat.

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Ein Spiegel wird es sein in den Johansson blickt, eine Reflexion ihres eigenen Äusseren, ein intensiver Blick in die eigenen Augen als Spiegel der Seele. Was hat sie bei dem Blick in den Spiegel und in sich selbst gesehen? Ist es ein Blick in ein tiefschwarzes Inneres oder gibt es dort doch ein ganz kleines und einsames Licht, welches um Hilfe ruft ?

Was passiert mit dem menschlichen Gehirn des Zuschauers, wenn man ihm die Grenze des Denkens nimmt, indem man seine audiovisuelle Wahrnehmung in einen schwarzen Klang-Raum mit unendlicher Tiefe einsperrt, als einzige fassbare Verräumlichung nur noch die Reflexion von Johansson und ihrer Opfer mit ihren Spiegelbildern sieht und darin gerade noch Halt findet?
Eine unfassbare Erfahrung, bei denen sich die Sinne im Gehirn scheinbar auf eine neue Wahrnehmungsebene transformieren, was wirklich sehr schwer zu beschreiben ist.
Die Konzentration auf einen schwarzen Raum mit nur zwei Personen, Johansson und das Opfer, welches dann, die Schönheit unerreicht, mit erigiertem Geschlecht in dem unendlichen Schwarz verschwindet, wirkt wie eine Schärfung der Sinne bei einer Kunstinstallation eines Ausnahmekünstlers.

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Geht man nach der Kunstinstallation wieder auf die Straße, in diesem Fall mit Johansson auf die Jagd, wird die Welt nicht die gleiche sein wie zuvor. Erschrocken von der überwältigenden Mehrdimensionalität der Welt aus Bild und Ton, welche man sonst niemals so intensiv wahrnimmt wie nach dem Film, fühlt es sich an wie eine Hypnose. Besonders ist hier die sensibilisierende Veränderung des Hörens der Umwelt und die Wirkung aufs Gehirn hervorzuheben. Durch die verschiedenen Sinneseinflüsse wie dem Sehen, dem Hören, und dem Fühlen, werden hier in der Essenz dem eigenen Gehirn sich wiederholende Gedanken manifestiert und ganz unterbewusst verknüpft. Eine meisterhafte Manipulation der Sinne und Gedanken des Zuschauers welches hier der Regisseur Jonathan Glazer betreibt, und auf der anderen Seite auch unglaublich beängstigend und furchteinflößend.

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Eine hypnotisierende Ma­t­ro­sch­ka für den Geist ist “Under the Skin”.
Im tiefsten Inneren und in der unendlichen tiefe des Raums ein Licht der Einsamkeit. Gesehen aus einer anderen Galaxie, verbirgt sich in jedem noch so unendlich schwarzen Raum ein Leben und ein Lebewesen auf der Suche nach Berührung und Liebe. Ein fesselndes Kunstwerk, welches im wahrsten Sinne des Wortes wirklich unter die Haut geht, und einen nach dem Anschauen nie wieder loslässt.

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DVD/Bluray-Start: 10.10.2014
Genre: Sci-Fi
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2013
Regie: Jonathan Glazer
Drehbuch: Walter Campbell, Jonathan Glazer
Schauspieler: Scarlett Johansson, Krystof Hádek, Paul Brannigan, Jessica Mance, Scott Dymond
[20.09.2014 #1432]

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