Posted by herr.filmtanz on Jan 8, 2015

Spuren | Mia Wasikowska | Kritik

Spuren – Tracks (Drama, Biografie, Australien, 2013)

Spuren-Tracks-DE-Poster

Mitte der 70er Jahre ist die 27-jährige Robyn Davidson wahrhaftig, mit vier Kamelen und einem Hund, quer über den australischen Kontinent gewandert (2.700 Kilometer in 8 Monaten) u.a auch durch die extrem trocken Outbacks Australiens. Hier herrschen im Sommer dann auch schon mal Temperaturen von über 50 °C. Ich habe vor solchen Menschen eine absolute Hochachtung, gehe aber mit dem Background der vielen extrem bewegenden Reisen mit z.B. Werner Herzog (Happy People…), Andreas Kieling und auch unzähligen BBC-Earth Natur-Dokumentarfilmern an diesen Film ran.
Man könnte jetzt sagen, Jung, das ist doch ein Film und keine Doku. Ganz richtig, ich entgegne dem dann, begebt euch doch mal mit Clärenore Stinnes (Fräulein Stinnes fährt um die Welt) auf Weltreise oder mit Christopher McCandless (Into the Wild) nach Alaska, bewegende und unvergessen fühlbare Momente sind es in meinem Herzen.

Erwartet hätte ich einen Film über eine sehr starke Frau, welche mich mit fühlbarer und nachvollziehbarer Energie mit in die Wüste nimmt, und ich die Höhen und Tiefen dieser sehr intensiven Reise mit ihr durchleben kann. Gespielt wird Robyn Davidson auf dieser Reise von Mia Wasikowska. Sie schafft es in absolut keinem Moment auch nur einen Hauch dessen zum Zuschauer zu übertragen, was man einen authentischen Transport nennen könnte. Mia Wasikowska trägt hier keine Schuld, warum ? Weil es der Regisseur John Curran komplett verbockt hat und die Produzenten Emile Sherman und Iain Canning offenbar nur die Dollars in den Augen hatten, ganz schlimm.

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Wie kann man so einer unglaublich bewegenden Geschichte nur so etwas schlimmes antun ? Sollen die Zuschauer den wirklich nur noch mit diesem Happy-Feeling aus dem Kino gehen ? Schaut niemand mehr Werner Herzog Filme ? Klar gibt es hier auch Schmerz, da wird z.B. das einzige Känguru in Australien erschossen. Und auch Schmerz wird nur sehr kurz wie das kurze flackern einer Lampe beleuchtet, Stichwort Hund.

Spätestens wenn dann Robyn Davidson, im Körper von Mia Wasikowska, mit einem knappen Hösschen durch die Outbacks wandert, ist es dahin mit der Hochachtung. So etwas sieht gewiss recht hübsch aus, zieht die Story aber komplett ins lächerliche. Klar kann es sein, dass Robyn Davidson dieses auf ihrer Reise gemacht hat, dem Regisseur John Curran steht es aber in keinster Weise zu, zu unvollkommen ist dieses FeelGood Blendwerk. Auf die ebenfalls wirklich sehr lächerlichen Lovestory-Elemente gehe ich mal lieber nicht ein, sonst bekommt der Film direkt noch einen Stern weniger.

Der Film fühlt sich leider an, und dieses ist sehr schade, wie “Wendy und die vier Kamele auf Abenteuer”. Für “Badespass” ist natürlich auch gesorgt.

Die wahre Geschichte eines unglaublichen Roadtrips: Mitte der 70er Jahre brach die junge Robyn Davidson (Mia Wasikowska) nur begleitet von ihrem Hund und von vier Kamelen zu einem Fußmarsch quer durch den australischen Kontinent auf, der insgesamt 2.700 Kilometer lang war und 8 Monate dauerte. Vor Beginn ihrer Reise lernt sie den Fotografen Rick Smolan (Adam Driver) kennen, der ihre Reise für ‘National Geographic’ in atemberaubenden Fotos für die Ewigkeit festhielt.

Regisseur John Curran findet für den Trip faszinierende Bilder des australischen Outbacks und komponiert die beschwerliche Reise voller Hindernisse zu einem dichten Selbstfindungstrip seiner Protagonistin. Sie suchte die Einsamkeit und wurde weltberühmt. Mit ihrem Buch ‘Spuren’ über ihre einzigartige Reise durch die Wüste ihrer Heimat, begeisterte und inspirierte die Australierin Robyn Davidson Millionen von Lesern. In der Hauptrolle dieser auch heute noch bemerkenswerten emotionalen und körperlichen Grenzerfahrung: Shooting-Star Mia Wasikowska (siehe u.a. Tim Burtons ‘Alice im Wunderland’ 2010, ‘The Kids Are All Right’ 2010, ‘Jane Eyre’ 2011, ‘Stoker’ 2013) verkörpert dabei die Entschlossenheit und Verletzbarkeit Davidsons auf unvergleichliche Weise. Unterstützung bekommt sie dabei von Adam Driver (‘Frances Ha’, ‘Inside Llewyn Davis’), einem der derzeit angesagtesten Jungdarsteller Hollywoods. ‘Spuren’ feierte seine Weltpremiere auf dem Filmfestival von Venedig 2013 und entwickelte sich auch auf den Festivals von Toronto und London zum Publikumsliebling. Produziert wurde der Film von den Oscar-Gewinnern Emile Sherman und Iain Canning (‘The King’s Speech – Die Rede des Königs’ 2010), die Regie übernahm John Curran (‘Der bunte Schleier’ 2006, ‘Stone’ 2010).
Regie: John Curran, Schauspieler: Mia Wasikowska, Emma Booth, Rainer Bock, Adam Driver, Jessica Tovey

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[14.10.2014 #1458]

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