Posted by herr.filmtanz on Dec 7, 2014

Monsieur Claude und seine Töchter | Kritik

Monsieur Claude und seine Töchter (Komödie, Frankreich, 2014)

monsieurclaude_plakat

Die Angst vor fremden Kulturen

“Die Familienkomödie “Monsieur Claude und seine Töchter” stellt die Xenophobie der französischen Bourgeoisie ins Zentrum. Doch der Film hat selbst ein Rassismusproblem … Der Zuschauer muss die Ausgangssituation einer durch ‘fremde’ Schwiegersöhne vom Schicksal gebeutelten Familie als Problemlage akzeptieren, um im Folgenden mitzulachen und mitzufiebern. Alltagsrassismus wird als Identifikationsbasis vorausgesetzt. Der Film macht sich nämlich nicht über Vorurteile lustig, er basiert auf ihnen.” (Zeit.de)

Monsieur Claude und seine Töchter” wirkt wie ein sehr poröses Rassismus-Gummiband, welches hier thematisch einer Zerreißprobe unterzogen wird, bis zum Fremdschämen (in der Abschlusszene). Die letzen beiden Sätze aus dem Zitat aus derZeit, treffen den Nagel auf den Kopf. Alltagsrassismus ist für mich keine Identifikationsbasis. Ich empfinde den Kontakt zu mir fremden Kulturen, als eine unglaubliche Bereicherung, welche das Leben erst lebenswert macht, auf diesem wunderbaren Planeten Erde. Wenn sich der französische Spießer Monsieur Claude (Christian Clavier), in seiner hochnäsig, verlogenen, abartigen Hochzeitsrede am Ende freikauft, gehe ich nicht glücklich aus dem Kino, wie so viele Franzosen, sondern es würgt mich im Hals. Um die Existenz des großen Erfolgs von “Monsieur Claude und seine Töchter” in Frankreich, macht man sich nach dem Film große Sorgen. Ein beschämendes und beklemmendes Gefühl.

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“Monsieur Claude und seine Töchter” regt hoffentlich viele Spießer zum Nach- und Umdenken in Bezug auf die Achtung und den Umgang mit fremden Kulturen an. Ich habe den Film als sexistisch, diskriminierend und rassistisch empfunden. Die Angst von Menschen, gegenüber fremden Kulturen, und der Umgang damit, es lässt mich verzweifeln.

Monsieur Claude (Christian Clavier) und seine Frau Marie (Chantal Lauby) sind ein zufriedenes Ehepaar in der französischen Provinz und haben vier ziemlich schöne Töchter. Am glücklichsten sind sie, wenn die Familientraditionen genau so bleiben wie sie sind. Erst als sich drei ihrer Töchter mit einem Muslim, einem Juden und einem Chinesen verheiraten, geraten sie unter Anpassungsdruck. In die französische Lebensart weht der rauhe Wind der Globalisierung und jedes gemütliche Familienfest gerät zum interkulturellen Minenfeld. Musik in den Elternohren ist da die Ankündigung der jüngsten Tochter, einen – Hallelujah! – französischen Katholiken zu heiraten. Doch als sie ihrem vierten Schwiegersohn, dem schwarzen Charles Koffi (Noom Diawara), gegenüberstehen, reißt Claude und Marie der Geduldsfaden. Geschwächt durch Beschneidungsrituale, Hühnchen halal und koscheres Dim Sum ist ihr Toleranzvorrat restlos aufgebraucht. Doch auch Charles’ Familie knirscht über diese Partie mächtig mit den Zähnen. Weniger um bei den Hochzeitsvorbereitungen zu helfen, als sie zu sabotieren, lassen sich die Eltern auf ein Kennenlernen ein. Was folgt ist ein Gemetzel der nationalen Ressentiments und kulturellen Vorurteile – bis das familiäre Federnrupfen dem Brautpaar die Lust an der Hochzeit zu verderben droht.
Regie: Philippe de Chauveron, Schauspieler: Frédérique Bel, Christian Clavier, Elodie Fontan, Emilie Caen, Yvonne Gradelet


[05.12.2014 #1504]

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