Posted by herr.filmtanz on Dec 14, 2014

Detour | Kritik

Detour (Severin Eskeland, Horror Thriller, Norwegen, 2009)

In Bezug auf Horrorfilme, so langsam kapituliere ich.

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Am intensivsten höre ich meinen FilmHerzschlag bei skandinavischem Kino. Es ist eine Filmwelt, welche mich unglaublich bereichert. Ohne Film aus Skandinavien, würde es diesen Filmblog nicht geben, da bin ich mir sehr sicher. Horror ist ein Genre, welches mich in meiner Kindheit unglaublich geprägt hat. Die immense psychologische Tiefenwirkung von Horrorfilmen, ich kann sie heute noch im ganzen Körper spüren. Horror ist ein Genre, welcher mich auch heute noch sehr fasziniert. Immer wieder unternehme ich Versuche, die Psychologie des Horrors auch in heutigen Filmen fühlen zu können.

Bei Detour handelt es sich um einen Horror-Thriller aus Norwegen. Dieses hat natürlich sofort mein Interesse geweckt. Von einem Horrorfilm erwarte ich, dass er mich psychologisch auffrisst, zerkaut, zermahlt und anschliessend wieder ausspuckt. Mit diesen Gedanken gehe ich immer in einen Horrorfilm, mit der Erinnerung an eine Horrorfilm Prägung in der Kindheit.

Leider zeigt es sich immer wieder, dass aktuelle Horrorfilme, besonders wenn sie aus den USA kommen, in keiner Weise auch nur im Ansatz funktionieren. Hier sage ich dann immer, hier hätte der Regisseur doch besser mal ein zwei Kapitel Sigmund Freud lesen sollen. Es geht um das tiefe Verständnis des Transports der Angst. Ein sehr schwieriges und komplexes Unterfangen, welches nur wenige Regisseure verstanden haben .

Mit Detour haben wir leider – ich hasse das Wort leider-, einen Horror und Thriller aus Norwegen, welcher in keiner Sekunde auch nur im Ansatz funktioniert. Hier ist der Herrscher die absolute und durchhaltende intensive Langeweile. Es findet leider kein Transport zum Zuschauer statt, er ist nicht Teil dieses Films.

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In Bezug auf die psychologische Tiefenwirkung von Horrorfilmen, füge ich immer ganz Gerne den Film The Grudge aus Japan an. Der Film wird von vielen nicht als Meisterwerk empfunden, bei mir hat er aber eine unglaubliche Wirkung, im Bezug auf den Transport von Angst zum Zuschauer. In Erinnerung an Filme, ist sicherlich auch der Film Tanz der Teufel (1981) interessant. Damals hatte ich hierbei das Gefühl des Horrors, heute würde man das bestenfalls als Horror-Kasperletheater mit Kultstatus bezeichnen. Im Weiteren fällt mir dann der Film The Blair Witch Project ein. Ein Meisterwerk in Bezug auf die psychologische Wirkung von Filmen, welche eigentlich nichts zeigen, und der Horror sich nachhaltig sehr intensiv im eigen Kopf abspielt. Hier hat der Transport der Angst eine unglaubliche Tragweite. Eigentlich packe ich ganz gerne die Remake-Keule aus, und bei Evil Dead -Tanz der Teufel (2013) lag diese sicherlich Griffbereit. Evil Dead (2013) ist ein psychologisch, dämonisches unglaublich manipulierendes Meisterwerk. Man fühlt sich nach diesem Film wie von einer Dampfwalze überfahren.

Das sind ein paar Gedanken über mich und Horrorfilme. Offenkundig ist, dass ich kein gutes Händchen für dieses Genre habe, was irgendwie sehr schade ist, würde man sich doch gerne besondere Horrorfilme aus diesem endlosen stinkenden Horror-Sumpf  herrausgelötet sehen.

Wer sich animiert fühlt, seine spektral breitbandigen oder auch punktierten Filmgedanken offenherzig bereichernd auszuatmen – nicht zwingend über Horrorfilme-, ist herzlich als Koautor eingeladen. Wer Lust hat, einfach melden :-)

Auf dieser ‘Detour’ wird großer Schrecken verbreitet: Lina (Marte Christensen) und Martin (Sondre Krogtoft Larsen) befinden sich auf dem Weg aus dem schwedischen Grenzgebiet zurück nach Hause, als eine Straßensperre sie auf eine Umleitung quer durch den dichten Mischwald schickt. Wie es der unglückliche Zufall will, sitzen die zwei bald im absoluten Nirgendwo fest, nicht ahnend, dass eine panische Anhalterin, ein immer wieder mysteriös auftauchender Cop, ein ätzender Tankstellenbesitzer und ein Kofferraum randvoll mit illegaler Schmuggelware ihre kleinsten Probleme sind. Weit schlimmer: Im gesamten Wald sind Kameras verteilt, die das Pärchen zu Stars einer ganz besonderen Live-Übertragung machen sollen.
Regie: Severin Eskeland, Schauspieler: Marte Germaine Cristensen, Sondre Krogtoft Larsen, Jens Hultén, Johan Hedenberg, Malin King


[13.12.2014 #1508]

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2 Responses to “Detour | Kritik”

  1. Duoscope says:

    Horror ist schwierig und, wie Humor, sehr, sehr persönlich und individuell! Horror hängt auch von äußeren Faktoren ab: guckt man den Film allein oder im Kino? in welcher Laune ist man? Wie ist es um die eigene Fantasie bestellt? Ein Horrorfilm, der einen alleine im hellen Wohnzimmer mit der Bassanlage des Nachbarn in der Wand völlig kalt lässt, kann im mitternächtlichen Open Air Kino mitten im Wald verdammt wirkungsvoll sein.
    Horror funktioniert auch dann, wenn er einen überrascht – weshalb die Found Footage Sachen seit THE BLAIR WITCH PROJECT und die japanischen Horrorfilme der frühen Jahrtausendwende so hervorragend funktioniert haben, ebenso wie die US-Horrorwelle der Siebziger. Im Gegenzug verblasst Horror, wenn er zum Klischee und vorhersagbar wird.
    Von daher ist es nicht nur eine Genre-Frage, eine Frage des “guten” oder “schlechten” Horrors, sondern eine Typfrage, und eine Frage der Umstände.
    Ein paar Gedanken dazu haben wir uns übrigens in unserem Rückblick auf RING gemacht! 😀
    http://duoscope.blogspot.com/2014/08/ring-jp-1998.html

  2. herr.filmtanz says:

    Vielen Dank für die umfangreichen Gedanken :-)

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