Posted by herr.filmtanz on Mar 4, 2015

Lucy (2014) | Scarlett Johansson | Kritik

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Bei 101% der Urknall ? Neuronen-Ping-Pong und Turbolader ?!

Der Zehn-Prozent-Myhthos steht sinngemäß für die Aussage “Der Mensch nutzt nur zehn Prozent seiner Gehirnkapazität”. Das wirft sofort die Frage auf, was machen die restlichen 90% und die damit verbundenen Neuronen. Spielen die Neuronen-Ping-Pong, fliegen die in einer Hängematte durch Raum und Zeit, oder bereiten die schon mal den nächsten Unsinn für die Nacht vor (Traum) ? In diesem Versuchsaufbau nimmt uns der Regisseur Luc Besson (Léon – Der Profi) mit auf die Reise, zu erforschen, was passiert wenn wir den gelangweilten Neuronen mit einem Neuronen-Turbolader mal so richtig Dampf im Netzwerk machen. Nach dieser Theorie, haben wir ja die Phase bis zur Nutzung von 10% der Gehirnkapazität, mehr schlecht als recht überstanden. Denkt man daran, welchen Scheiss wir mit der scheinbaren Nutzung von nur 10% Gehirnkapazität treiben, welche Verbrechen wir diesem Planeten und anderen Menschen antun, wird einem ganz schwindelig. Wenn der Film “Lucy” mit einem Neuronen-Turbolader von 10% auf 100% beschleunigt wird, wird es interessant.

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Als Probant für diesen Versuch dient Lucy (Scarlett Johansson), welche nach einer Partynacht mehr so wirkt, als währe sie selbst noch ein Primat, welcher den aufrechten Gang gerade noch so beherrscht. Sie ist aus Sicht der Natur kein Jäger, sondern ein Opfer, bei dem ein Gepard mit Highspeed gerne zuschlägt – Im Film gezeigt durch kurze galaktische Tieraufnahmen welche wie aus BBCEarth wirken. Sie sollte eigentlich nur einen Koffer in einem Hochhaus in Taipeh abliefern. Ehe sie sich versieht, entpuppen sich die asiatischen Geschäftsleute als Drogenbarohne, und sie bekommt operativ mehrere Päckchen der blauen und kristalinen Droge CPH4 in den Unterbauch eingepflanzt, für den interkontinentalen Transport der Droge. Durch äussere Gewalteinwirkung auf den Unterbauch von Lucy, kommt es zu einer Freisetzung des Neuronen-Turboladers, der Droge, in ihrem Körper – die Party kann losgehen.

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Lucy lernt innerhalb einer Stunde Chinesisch, beherrscht Telepathie und Telekinese, kann mit der Kraft ihrer Gedanken Gegner in Ohnmacht versetzen, sie an der Decke schweben lassen, sie entwickelt sich zu einem Überprimaten und einer Kampfmaschine. Eines ist Lucy klar, wenn sie bei 100% angelangt ist, wird etwas nie dagewesenes mit ihr passieren. Der einzige Mensch, welcher ihr am ehesten Helfen kann, ist der Neurologe Samuel Norman (Morgan Freeman) – er begleitet den Film, mit Einblendungen aus einer Vorlesung, bei dem er die Phasen von Lucy bis zu 100% der Nutzung des Gehirns doziert, ihn wird sie Hilfesuchend aufsuchen.

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Der Film Lucy ist ein magisches Neuronen-Katapult, mit welchem man 3,2 Millionen Jahre durch die Zeit zurück reisen wird, um die Primatin “Lucy” am Wasserloch zu treffen, um sich von ihr zu verabschieden – das Fossil “Lucy” wurde benannt nach dem Song “Lucy in the Sky with Diamonds” nach dem Beatles-Song. Sieht man einen Diamanten als ein Stück Kohle, welche dem Druck standgehalten hat, erscheint einem die Welt in einem neuen Licht.
Das Schwarz als Ursprung allen Lebens, erinnert mich dann auch an den Monolith in Stanley Kubricks 2001. In “Under the Skin”, mit Starlett Johansonn, spielt das Schwarz ebenfalls eine zentrale Rolle. Lars von Trier entwickelt seinen Film Nymph()maniac schliesslich auch aus einem schwarzen Loch heraus (Anfangsszene), welches neues Leben schaffen könnte.

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Ich habe in dem Film “Lucy” einen Endzeitfilm gesehen, einen Abschied von der wunderbaren Erde wie wir sie kennen. Man möchte fast sagen, Lucy (Scarlett Johansson) wird hier die dankbare Aufgabe zu Teil, den Planeten Erde, mit all seinen Atomen ganz neu zu komponieren, und aus einem sehr magischen Schwarz heraus neu zu erschaffen. Auf diesem Planet Erde gibt es einen gewaltigen und widerlichen Parasiten und Störfaktor, es ist der Mensch selbst. In vielen vielen Millionen Jahren wird man dann denken – das Wort gibt es dann nicht mehr, was waren diese Menschen destruktiv, selbstsüchtig und arrogant, damals, zu diesem Planeten, dass sie ausgestorben und transformiert werden mussten, durch Lucy, was ein Geschenk an das Universum.

Was passiert bei 101% ? “Lucy” ist ein interessantes Gedankenexperiment. Springt die Nutzung der Gehirnkapazität des Menschen auf 101%, ein Urknall, ein Neuanfang, aus einem lichten Schwarz heraus? Scarlett Johansson macht auch hier einen unglaublichen Spass. Bei der intergalaktischen visuellen und rauschartigen Verkostung durch die eigenen Neuronen, bevor sie assimiliert werden 😀

Wenn  Scarlett Johansson die Atome von 3,2 Millionen Jahren Evolution neu komponiert, macht es einen unglaublichen Spass im Gehirn, ganz großartig :-) Hier geht es der Menschheit an den Kragen, und dieses sehr zu Recht. Schaut mal aus dem Fenster. Ist dieses echt die Wirklichkeit oder einfach nur eine Interpretation einer eingeschränkten Lebensform, des Menschen ? Was ein Rausch :-) Wir schauen nur, aber wir sehen nicht !

Regisseur und Produzent Luc Besson realisiert nach Actionthrillern wie ‘Léon – Der Profi’ (1994), ‘The Transporter’ (2002), ’96 Hours’ (2008) oder ‘Colombiana’ (2011) endlich ein neues Projekt: ‘Lucy’, mit Scarlett Johansson in der Hauptrolle, die gezwungen wird, ihren Körper als Depot zum Drogenschmuggel einzusetzen. Eines Tages gelangt die heikle Ware in ihren Blutkreislauf und Lucy mutiert zu einer wahren Kampfmaschine mit telekinetischen Fähigkeiten. Denn als durch Gewalteinwirkung das heruntergeschluckte Päckchen in ihren Organismus entweicht, setzt das – statt dem von Menschen angeblich nur 10 Prozent genutzten Gehirnpotential – die vollen 100 Prozent frei. Die Folgen sind weitreichend, nicht nur für Lucy!
Regie: Luc Besson, Schauspieler: Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Choi Min-sik, Amr Waked, Pilou Asbaek
Drama, Action, Sci-Fi, Wiedergeburt, Frankreich, USA, 2014)

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