Posted by herr.filmtanz on Dec 25, 2014

Hannas Reise | Kritik

Hannas Reise (Julia von Heinz, Drama, Deutschland, 2013)

Hannas-Reise-1

“Jetzt, wo euch langsam die Überlebenden ausgehen, stürzt ihr euch auf die Behinderten?”

Ein Zitat aus “Hannas Reise”, bei dem mir augenblicklich der Atem für einen Moment stillsteht. Die BWL-Studentin Hanna Eggert (Karoline Schuch) findet sich kurzer Hand in einem Behindertendorf in Tel Aviv zu einem sozialen Praktikum wieder. Nach dem Motto, Juden machen sich gut in einer Bewerbung, und behinderte Juden punkten da Extra.

Darf man über Holocaust Witze machen ? Ich kann die junge Regisseurin Julia von Heinz auf der einen Seite verstehen, einen Film aus deutscher Hand über die deutsch-jüdische Beziehung machen zu wollen, welcher mal ohne die Melancholische-Brechstange auskommt. Der Ansatz der Regisseurin war, sich an einer Komödie zu versuchen, um dem Thema Holocaust die Schwerlast zu nehmen.

Ich möchte da ganz ehrlich sein, denke ich an sechs Millionen von den Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg ermordete Juden, empfinde ich “Hannas Reise” als eine unglaubliche Zumutung und Belastungsprobe. Die Regisseurin Julia von Heinz stellt die deutsch-jüdische Beziehung hier auf eine weitere sehr harte Probe, versucht zu viel, und bringt dann nichts zu Ende. Ich empfinde die deutsch-jüdische Annäherung und Verständigung zu dem Thema Holocaust als ein sehr wichtiges und sehr sensibles Thema.

Hanna's Journey
Wir sind nicht in der Position, einen Film zu machen, bei dem man die Worte Holocaust und Witz in einem Satz verwendet, niemals. “Hannas Reise” hat mich unglaublich aufgeregt. Mir ist klar, dass junge Menschen dieses Thema anders verarbeiten und angehen, ich habe aber absolut kein Verständnis für eine derartige Oberflächlichkeit, dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Hannas's Journey

Als Push für ihre berufliche Karriere braucht die ehrgeizige Hanna Eggert (Karoline Schuch) den Nachweis, dass sie sich ehrenamtlich engagiert hat. Soziale Kompetenz ist gefragt. Etwas, was in ihrem Leben bisher keine große Rolle spielte. Und so versucht sie sich durchzuschummeln. Aber ihre Mutter Uta (Suzanne von Borsody), Leiterin von ‘Aktion Friedensdienste’ für Israel, lässt das nicht zu und sorgt dafür, dass Hanna tatsächlich ein soziales Praktikum antritt, indem sie ihr eine Stelle in einem Behindertendorf in Tel Aviv vermittelt. Hanna bleibt keine Wahl. Wütend, widerwillig und voller Vorurteile macht sie sich auf die Reise. In Israel angekommen, stößt Hanna mit ihrer überheblichen Art bei allen auf Unverständnis. Ob in ihrer vollgemüllten WG mit dem ‘Wiedergutmachungsdeutschen’ Carsten (Max Mauff) und der Politaktivistin Maja (Lore Richter), ob im Umgang mit den Behinderten bei der Arbeit oder auch bei den Treffen mit ihrer Holocaustüberlebenden Gertraud (Lia König). Auch Itay (Doron Amit), der Betreuer, dem sie zugeteilt wurde, lässt sie zunächst mit Holocaustwitzen und zynischen Sprüchen auflaufen. Und zugleich beginnt er eine Flirtoffensive, der Hanna sich immer weniger entziehen kann. Nach und nach lernt Hanna, die Welt durch Itays Augen zu sehen. Doch die Gegensätze ihrer Herkunft stehen immer wieder zwischen den beiden. Unüberwindlich scheinen die Schatten der Vergangenheit und der gefährlichen Gegenwart Israels, einem Land, in dem Krieg zum Alltag gehört – bis die beiden erkennen, dass allein ihr Zusammensein zählt.
Regie: Julia von Heinz, Schauspieler: Max Mauff, Karoline Schuch, Lore Richter, Trystan Pütter, Doron Amit


[13.12.2014 #1509]

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