Posted by herr.filmtanz on Jan 3, 2015

Elle s’en va – Madame empfiehlt sich | Catherine Deneuve | Kritik

Madame empfiehlt sich (Emmanuelle Bercot, Drama, Frankreich, 2013)

Catherine Deneuve steht rauchend am Straßenrand und denkt über das Leben nach.

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“Ich bin dann mal weg” oder nur mal eben Zigaretten holen, so könnte man dieses Lebens-Roadmovie bezeichnen. Bettie (Catherine Deneuve) ist jetzt 60 Jahre alt, und die guten Zeiten, als sie Miss Bretagne 1969 war,  sind längst vorbei. Ihr Liebesleben liegt brach, ihr Restaurant liegt kurz vor dem Konkurs, und dazu muss sie ihre sehr unerträgliche Mutter ertragen. Selbst mit 60 Jahren bleibt man für die Mutter immer das Kind. Bettie ist von ihrem Leben sehr genervt, es ist die Zeit gekommen einfach mal eine Fahrt ins unbekannte zu wagen. Ein Roadtrip mit Blick ins Unbekannte und Zukünftige, aber auch eine Reflexion ihres bisherigen Lebens. Wenn das Nervenkostüm Tango tanzt, ist nichts entspannender, als eine entspannte Zigarette, mit einem Blick in die Ferne. Ganz überraschend bekommt Bettie dann ihren Enkelsohn Charly (Nemo Schiffman) zur Seite gestellt. Die Beziehung von Marie zu ihrer Tochter Muriel (Camille Dalmais), ein Rundlauf im Einklang sieht echt anders aus.

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Als filmische Hommage an die französische Schauspiel-Ikone Catherine Deneuve, als welchen sich dieser Film bezeichnet, kommt “Madame empfiehlt sich” doch etwas sehr kurzweilig über die Bühne. Die Regisseurin Emmanuelle Bercot möchte hier frisch komponieren, verpasst aber leider eine Komposition mit ausreichend Nachklang. Catherine Deneuve bekommt nicht genügend Raum, ihr Potential entfalten zu dürfen. Dafür bekommen junge und unbekannte Schauspieler einen Raum zum atmen, dieses ist dann doch spannend.

Madame empfiehlt sich”  wird Catherine Deneuve nicht perfekt gerecht, dafür ist der Film zu holprig komponiert. Wer auf französischen Rotwein, ausgedehntes Essen,  und “Hasenjagd” im hohen Alter steht, geht zumindest nicht unglücklich aus dem Kino. Weniger ist mehr, so hätte man den kräftig schmeckenden Momenten viel mehr Raum zum atmen geben können, sie hätten es verdient gehabt.

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Unglaublich stark sind die Momente in “Madame empfiehlt sich”, als Catherine Deneuve auf Augenhöhe mit der Nachwuchsschauspielerin Camille Dalmais spielt, dafür hat es sich doch sehr gelohnt. Hier könnte man den Film dann auch “Madame empfiehlt” nennen, sie empfiehlt, behaltet die Nachwuchsschauspieler im Auge 😀 Camille Dalmais muss ich definitiv im Auge behalten und das gilt im besonderen auch für Nemo Schiffman (dem Enkelsohn) 😀

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Bettie (Catherine Deneuve), Anfang 60, lässt ihre Mutter mit den Gästen ihres bretonischen Restaurants einfach allein – ihr sind die Zigaretten ausgegangen, also steigt sie ins Auto und fährt los. Doch alle Läden scheinen geschlossen und plötzlich merkt Bettie, dass sie ihr altes Leben nicht mehr will. Ihr Geliebter hat sich kürzlich eine Jüngere gesucht, das Restaurant läuft nicht gut und ihre dominante Mutter raubt ihr den letzten Nerv. So beschließt sie spontan, einfach weiterzufahren und begegnet auf ihrer abenteuerlichen Reise ungewöhnlichen Menschen, romantischen Geschichten, früheren Schönheitsköniginnen und frechen Jungs – darunter auch ganz unerwartet ihr Enkel Charly (Nemo Schiffman).

Bon anniversaire, Catherine Deneuve! Zu ihrem 70. Geburtstag kam mit Emmanuelle Bercots ‘Madame empfiehlt sich’ eine filmische Hommage an die französische Schauspiel-Ikone ins Kino. In Emmanuelle Bercots Porträt einer Frau im sogenannten ‘besten Alter’ spielt die Deneuve erneut alle Facetten aus, für die sie seit über 50 Jahren berühmt ist. Gleichzeitig sensibel und unnahbar verkörpert sie die Restaurantchefin Bettie, die sich nach dem Motto ‘Besser spät als nie!’ aus der emotionalen Abhängigkeit von Familie und Geliebtem befreit. Eine Reise mitten in eine geheimnisvolle Seele. ‘Madame empfiehlt sich’ lief im Wettbewerb der Berlinale 2013.
Regie: Emmanuelle Bercot, Schauspieler: Catherine Deneuve, Hafsia Herzi, Mylène Demongeot, Nemo Schiffman, Gérard Garouste, Claude Gensac, Paul Hamy, Camille Dalmais


[02.01.2015 #1521]

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