Posted by herr.filmtanz on Jul 31, 2015

Grizzly Man | Timothy Treadwell | Werner Herzog | Kritik

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Einsamkeit ist Freiheit, und Freiheit ist das höchste Gut auf Erden.

Macht man eine Reise mit Werner Herzog oder Andreas Kieling, bis ans Ende der Welt, um Menschen und Natur zu erforschen, wird es für mich im Herzen beklemmend eng. Der ich muss hier weg Schrei, am liebsten würde man selbst sofort die Koffer packen, die gewaltige und auch brutale Schönheit der Natur selbst erleben, auch wenn es das eigene Leben fordert.

“Into the Wild”, es ist zwar ein Film, es trifft mein Verlangen, welches dieser Film unter der Regie des von mir sehr geliebten Sean Penn ausatmet, bis in meine tiefste Seele. Die Regisseurin Urszula Antoniak hat mit “Nothing Personal” ihr eigenes Leben und ihren Schmerz des Verlustes verarbeitet. Wie unendlich dankbar ich ihr bin, und im ganz ganz besonderen der Schauspielerin Lotte Verbeek, ich kann es nicht in Worte fassen.
Der Satz “Einsamkeit ist Freiheit, und Freiheit ist das höchste Gut auf Erden” entstammt eigentlich aus dem Film “Nothing Personal”, lässt sich aber universell auch auf den Menschen Timothy Treadwell anwenden.

Werner Herzog hat mir schon mit “Happy People – Ein Jahr in der Taiga” quasi den einzigen Grund geliefert, warum es sich überhaupt noch lohnt, diesen wunderbaren Planeten Erde zu bewohnen. Die Einzigartigkeit, das Überleben in der Natur hautnah, das sind hier die zentralen Themen. Überlebt man solch eine Erfahrung als europäischer Couch-Wassersack, das eigene Leben wird nie wieder das gleiche sein, das ist sehr sicher. Ich schrieb dazu …

“… Happy People … Ich kann diese einzigartige Dokumentation nur jedem Menschen wärmstens empfehlen. Auch wenn ich den unbändigen Drang nach solch einer Einsamkeit in mir habe, bin ich sicher, hier würde ich selbst mit einem Trapper keine 4 Wochen überleben. Könnte ich aber für ein Jahr so eine Reise versuchen, ich bin mir sicher, ich würde es einfach machen :-)  “Werner Herzog hat diese einzigartige Gabe den Zuschauer mit auf eine Reise zu nehmen, und dabei mit seinem konzentrierten Scharfsinn und seiner Analyse, ohne Diktat, eine facettenreiche Grundlage für jeden Zuschauer fühlbar zu transportieren.

In “Grizzly Man” geht es um den sehr interessanten Menschen Timothy Treadwell, welcher 13 Jahre im Sommer unter Kodiaks gelebt hat. Er hat dabei ein zum Teil sehr wertvolles und reichhaltiges Filmmaterial geliefert, über “Den Sinn des Lebens und das Über!Leben in der Natur”. Dafür muss man ihm unendlich dankbar sein.

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Timothy Treadwell ist für mich eine gescheiterte Seele, welche im falschen Lebe!Wesen zur Welt gekommen ist. Ich kann ihn bis in mein tiefstes Inneres so unglaublich verstehen. Zugegeben, seine Video-Dokumentation mit und über sich selbst, es reicht von wahnwitzig wie ein Entertainer, bis zu scharfsinnig wie ein BBC-Earth Naturfilmer, und dessen unglaubliche Begeisterung für Leben und Natur. Er fängt sein neues Leben unter den Kodiaks mit einer kindlichen Leichtigkeit ein, welches unvergessen sein solches sucht. Werden wir erwachsen, verschwindet diese kindliche Leichtigkeit und die Neugier auf die Erforschung des Lebens und der Natur leider viel zu schnell. Auch hierzu hören wir scharfe Stimmen, welche Timothy Treadwell sehr scharf angreifen. Zum Glück überwiegen aber die Interviews mit Menschen, bei welchem man die Hochachtung zu seiner Person fühlen kann. Worte von Menschen über ihn, die ich nie wieder vergessen werde.

Nur der einzigartige Regisseur Werner Herzog war im Stande, diesen die Freiheit liebenden Menschen Timothy Treadwell und dessen Einzigartigkeit beleuchten zu dürfen. Er bringt an der richtigen Stelle Kritik an die Handlung von ihm an, und findet auch sehr scharfe Worte, welche zum nachdenken über das eigene Leben anregen.
Als Werner Herzog, mit seinem der Kamera abgewandtem Gesicht, die Live-Tonaufnahmen des Todes von Timothy Treadwell im Beisein einer Wegbegleiterin hören darf, sagt er zu ihr “Weil es für ihr Leben lang der weiße Elefant in ihrem Zimmer sein wird, vernichten sie bitte das Band”.
Ein unglaublicher intimer Moment, ich werde diese Szene niemals vergessen in meinem Leben :-(

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Timothy Treadwell hat in den 13 Jahren seines Lebens mit den Kodiaks mehr mit der Natur erlebt, als wir Menschen in zehn Leben nicht mal erleben werden. Er hat sein Leben mit einem Maximum an Symbiose mit der Natur gelebt, mit seinem treuen Begleiter, einem Fuchs an seiner Seite.
Timothy Treadwell wollte ein anerkannter Kodiak-Mensch unter echten Kodiaks sein, dieses war er 😀 Nach der Auswertung der Video-Aufzeichnungen kurz vor dem Tod von Timothy Treadwell, durch Werner Herzog, wird einiges klar. Timothy ist eines der wenigen Menschen, welcher die Aura der Natur fühlen und die Sprache der Natur sprechen konnte, er hat sich verabschiedet von dieser Welt, in einer seiner letzen Aufzeichnungen.

Werner Herzog: “Treadwell lebt nicht mehr. Die Frage, wie recht oder unrecht er hatte, verschwindet in der Ferne in einem Nebel. Was bleibt sind seine Aufnahmen. Während wir wilde Tiere in ihrer Freude am Leben, in ihrer Grazie und Wildheit beobachten, drängt sich ein Gedanke auf, dass dies nicht so sehr ein Film über wilde Tiere ist, als vielmehr ein tiefer Blick in uns selbst, in unsere Natur, und das gibt weit über seine Mission hinaus seinem Leben und seinem Tod einen dauerhaften Sinn.”

Danke Werner Herzog für diese intensive Reise in die eigene Seele ! Timothy Treadwell hat in seiner Symbiose mit der Natur mehr über die Kodiaks  gelernt, als je ein Mensch zuvor. Werner Herzog sagte “Treadwell lebt nicht mehr”. Das ist die Wahrheit. Die Wahrheit ist aber auch, Timothy Treadwell lebt in vielen Seelen weiter, so wie in meiner. Er hat keine Grenze überschritten ! Timothy Treadwell, er ist eines der wenigen Menschen, welcher sein Leben lebenswert gemacht und gelebt hat. Dafür meine Hochachtung !

Live long and prosper!

Der Katmai-Nationalpark in Alaska ist scheinbar ein friedliches Idyll. Doch hier leben die Kodiaks, Grizzlybären, die zu den größten und gefährlichsten Raubtieren der Welt zählen. Ein Mann allerdings hatte vor ihnen keine Furcht. Er glaubte sogar, sie wären seine Freunde. 13 Jahre lebte Timothy Treadwell unter Grizzlybären – bis er von einem getötet wurde. Werner Herzog hat einen Dokumentarfilm über den ‘Grizzly Man’ gedreht. Es ist die Geschichte eines selbsternannten Bären-Beschützers. Treadwell, ein Ex-Junkie mit blonder Prinz-Eisenherz-Frisur, will die Tiere vor Wilderern retten. Mit dieser fixen Idee zieht er 13 Jahre lang jeden Sommer mit den vermeintlich harmlosen 500-Kilo-Teddys durch die Wildnis. Waffen für den Notfall hat er nicht dabei. Nur ein Zelt und seine Videokamera. Immer wieder nähert er sich den gefährlichen Giganten auf ein paar Schritte Entfernung. Jahrelang lebt Treadwell seinen aberwitzigen Selbsterfahrungstrip. Er steigt zum Umwelt-Promi auf, hält Vorträge an Schulen, wird in Talkshows eingeladen. Und jeden Sommer zieht es ihn wieder in die Wildnis, zu seinen geliebten Bären. Bis zum Herbst 2003.
Von Werner Herzog über Timothy Treadwell.


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Grizzly Man (Werner Herzog, Dokumentation, USA, 2005)

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