Posted by herr.filmtanz on Jan 22, 2015

The Last Station – Ein russischer Sommer | Tolstoi | Christopher Plummer | KurzKritik

Ein russischer Sommer (Michael Hoffmann, Drama, Biographie, Deutschland, 2009)

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Die Filmreise entführt uns in das Jahr 1910 auf das wunderschöne Landgut von Lew Nikolajewitsch Tolstoi (Leo Tolstoi) und seiner Frau Sofia, nach Jasnaja Poljana in Russland. Auf Basis des Romans “Tolstois letztes Jahr” von Jay Parini rekonstruiert der Film die letzen Monate von Tolstoi.
Leo Tolstoi ist 48 Jahre mit seiner Frau Sofia verheiratet, sie haben 13 Kinder, und sechsmal hat seine Ehefrau “Krieg und Frieden” abgeschrieben. Im Focus wird der Film getragen von der komplexen Beziehung zwischen Leo Tolstoi und Sofia, die sich in seinem letzen Lebensjahr einen hässlichen Streit um sein Vermächtnis liefern. Irgendwann wird es dem über 80 Jahre alten Tolstoi zu bunt mit den Streitereien, und er nimmt in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Reißaus vom Landgut.

Fast wachgerüttelt wird man von der Reise, man war zwei Stunden im Jahr 1910, als der Pressemob einen direkt in die Neuzeit katapultiert. Ein seltsames Gefühl. Das Wachgerüttelt werden könnte man dann auch so deuten “Die Lust was ganz analoges zu tun, ein Buch lesen” :-) Und dann wäre dann noch die wunderschöne Frau, in die man sich schon ganz zu Anfang verliebt hatte, als man das Landgut betreten hat, und sie eine Lektion im Holzhacken erteilte :-)

“Ein russischer Sommer” ist eine Reise in das letzte Lebensjahr von Lew Nikolajewitsch Tolstoi, voller Lebendigkeit komponiert, mit wundervoll fotografierten Bildern und schwungvollen Dialogen. Christopher Plummer umgibt als Tolstoi eine LeinwandAura, die durch den gesamten Film einen ganz großen Spass macht.

Leo Tolstois Frau Sofia (Helen Mirren), seit 48 Jahren mit dem weltberühmten Autor verheiratet, ist außer sich. Tolstois (Christopher Plummer) engster Vertrauter Chertkov (Paul Giamatti) hat ihren geliebten Mann hinter ihrem Rücken dazu überredet, die wertvollen Rechte an seinen Werken nicht ihr und den gemeinsamen Kindern, sondern dem russischen Volk zu vermachen. Und das, obwohl sie ihm ihr Leben gewidmet hat. Ja sogar, eigenhändig, das Manuskript von Krieg und Frieden sechs Mal abgeschrieben hat! Voller Leidenschaft nimmt sie den Kampf um ihr gutes Recht auf – doch an den Idealen (und dem Ego) ihres Mannes ist nicht zu rütteln. Je mehr Sofia wie eine Furie durch den herrschaftlichen Familiensitz fegt, desto leichter wird es für Chertkov, Tolstoi von der Richtigkeit seiner Entscheidung zu überzeugen.

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Genau zwischen die Fronten dieses Minenfelds gerät Valentin (James McAvoy), Tolstois junger neuer Sekretär. Als glühender Verehrer bewundert er vor allem Tolstois Ansichten über die bedingungslose Liebe – auch wenn sich seine eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiet bisher noch in Grenzen halten. Ganz im Gegensatz zur schönen und geistreichen Lehrerin Masha (Kerry Condon), die ihre Gedanken über freie Liebe und Sex zum Erstaunen Valentins offen und unbekümmert äußert. Während der Konflikt zwischen Tolstoi und Sofia epische Ausmaße annimmt und eine wunderbare, lebenslange Liebe nach Jahren des Glücks zum Scheitern zu bringen scheint, lernt Valentin selbst in diesem Sommer die Liebe endlich kennen.
Regie: Michael Hoffmann, Schauspieler: Christopher Plummer, Paul Giamatti, Helen Mirren, James McAvoy, Anne-Marie Duff

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