Posted by herr.filmtanz on Jul 19, 2013

Eldorado

eldorado

ÜBER GROSCHENGRAB, WEIBLICHEAUTOBEULE, DEM FRIEDHOFGANG, PUTZNUDISTEN UND DEM INTENSIVHANDWÄRMEN

Am Anfang erleben wir den Autoverkäufer Yvan (Bouli Lanners) wie er, getragen von fantastischer Road-Movie Musik, seinen Weg in seinem USA-Car reitet. Zuhause angekommen ist Yvan aber sofort klar, hier hat jemand eingebrochen in sein Haus, welches echt am Arsch der Welt liegt. Bewaffnet mit einem Stahlrohr macht Yvan sich auf den Weg in sein Haus und findet den Einbrecher, und zwar unter seinem Bett. Aber anstatt die Polizei zu holen, wie man denken könnte, setzt er Elie (Fabrice Adde, den Einbrecher) zuerst mal an einer Kreuzung aus, von hier soll er selber weiterkommen. Elie besitzt dann auch noch die Frechheit Yvan nach etwas Geld zu fragen, für ein Ziel das wir als Zuschauer zu diesem Zeitpunkt noch nicht kennen und gibt ihm das Geld. Kurze Zeit später kommt Yvan wieder bei Elie vorbei, der natürlich immer noch an der Kreuzung steht und nimmt ihn mit. Hier, wie gesagt am Arsch der Welt, wird Elie kompostieren bevor hier auch jemals einer vorbeikommt, ausser Yvan. Wahrscheinlicher erscheint es bei der Szene das gleich ein Raumschiff kommen könnte 😉 Aber so kommt es nicht. Elie erzählt Yvan das er zu seinen Eltern kurz vor der belgisch-französischen Grenze möchte, das ist sein Ziel. Elie sieht sehr krank aus, sehr labil und ängstlich, hier wohnt keine Kraft mehr in ihm, bis eben auf sein intensives Ziel zu seinen Eltern zu wollen.

Zu diesem Zeitpunkt ist der Zuschauer schon mittendrin in diesem fantastischen Arthouse-Road-Movie aus Belgien, zündet der Film doch von der ersten Sekunde bis zur letzten komplett durch :-) Einen Einbrecher auch noch hunderte Kilometer rumkutschen ? Das sind Bilder auf ihrem Tripp mit den beiden im Auto die einfach fantastischer nicht sein könnten. Ein Kommunikation mit einem unglaublichen Humor der einfach echt toll ist, mir hat es Zeitweise vor lachen fast die Schuhe ausgezogen :-)

Das ist bestimmt nicht soviel Sterne Wert könnte man jetzt denken. Yvan und Elie öffnen sich auf ihrem Road-Movie Ausritt einander. Es sind zunächst nur informative Wortaustauschungen die zwar zunächst abgeblockt werden, der Zuschauer dann aber doch ins Bild gesetzt wird, was mit den beiden los ist. Momente die aber nie daran sparen den fantastischen schwarzen Humor in der Grundschwingung durch den Film zu tragen.

Denkt euch nun mal einen Menschen der bei einem eigenen Auto Problem in Bezug auf die Kühlung anhält. Es ist ein Mensch der helfen will und dabei so abgrundtief erschreckend seltsam ist, wie man es besser nicht transportieren kann. Wer in diesem Moment mitbekommt was dieser Mensch sammelt und nach der Handberührung fragt, wird verstehen. Verstehen dann auch ein weiteres mal als die kurze kleine intensive Wärme von Händen eine sehr wichtig Rolle spielt.

Der Arthouse Film ist ein Meisterwerk bei dem die Harmonie von Humor und tiefgründiger Tragik pefekt transportiert wird. Ein Road-Movie der Extraklasse :-)

Als Yvan einen dilettantischen Einbrecher in seiner Wohnung stellt, holt er nicht etwa die Polizei, sondern hat Mitleid mit dem kümmerlichen Burschen, der eigentlich nur Geld für den Bus zu seiner Familie klauen wollte. Yvan beschließt sogar, den jungen Mann persönlich an die belgisch-französische Grenze zu kutschieren. Eine verrückte Reise im klapprigen Chevrolet durch die wallonische Landschaft voller Überraschungen, Annäherungen und skurrilen Begegnungen, die in leiser Wehmut und Enttäuschung endet.

Genre: Tragikomödie
Regie: Bouli Lanners
Schauspieler: Bouli Lanners, Fabrice Adde, Philippe Nahon
Produktionsland: Belgien, Frankreich
Kinostart: 2009
Laufzeit: 81 Minuten
FSK: 12

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