Posted by herr.filmtanz on Feb 6, 2015

Les beaux gosses – Jungs bleiben Jungs | Kritik

Jungs bleiben Jungs (Riad Sattouf, Komödie, Frankreich, 2009)

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Zungenkuss und Flummi

Bei den Worten französische Teenager-Komödie kommt einem unweigerlich “La Boum – Die Fete (1980) zuerst in den Sinn. Besonders wenn man bei der Erstsichtung gerade selbst 14-Jahre alt war, hat die bezaubernde Sophie Marceau einen sehr verliebt aus dem Film entlassen. Teenager-Komödien und besonders Coming-of-Age Dramen schaue ich mir immer gerne an, sie versetzen einen in die Zeit als man selbst noch Teenager war, unbeholfen das andere Geschlecht erforscht hat, und man plötzlich Geschichten im Kopf hat, welche zum einen zu peinlich sind um erwähnt zu werden, aber einen unglaublichen Spass machen in der Erinnerung.

Knutschend und mit viel Schwung wird man hier sofort in “Jungs bleiben Jungs” eingesaugt. Die vierzehnjährigen Freunde Hervé (Vincent Lacoste) und Camel (Anthony Sonigo) sind das, was man als Aussenseiter bezeichnen würde. Der Lockenkopf Hervé und sein Vokuhila Freund Camel, eine Welt, welche von unreiner Haut bis zu dem neu entdeckten Lebewesen in der Hose reicht. Die beiden auf ihrem Weg zum Mann, wird hier schonungslos und ohne Filter präsentiert. Wie jeder Junge in dem Alter, erforschen sie zum einen zunächst ihren eigenen Körper, unterstützende Hilfsmittel wie ein “Quelle-Katalog” kommen hier natürlich sehr gelegen, ebenfalls die Nummer mit der Socke.

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Hervé hat eine sehr verständnisvolle Mutter (Noémie Lvovsky) an seine Seite gestellt bekommen, auch wenn ich verstehen kann, dass solche Fragen, man versetze sich selbst mal in die Lage als Vierzehnjähriger, wie “Hast du heute schon onaniert”, man bestimmt nicht von seine Mutter hören möchte. Es zeigt aber, wie offen diese französische Teenager-Komödie mit diesem Thema umgeht, und das ist einfach ganz fantastisch gelungen :-)

Für Hervé wird sich im Folgenden eine der Schulschönheiten Aurore (Alice Trémolière) begeistern. Hervé fühlt sich innerlich bestimmt so, was man am besten als Flummi bezeichnen könnte. Aurore ist aus seiner Klasse und sie hat so ganz andere Ansichten von der ersten Liebe. Hier bleibt natürlich das Folgende nicht aus “Stundenlanges Rumknutschen mit Zungenkuss, und irgendwie ist da immer exakt eine Hand im Weg, auf dem Weg zu den Gipfeln” (Nein, das kommt mir natürlich nicht bekannt vor) :-)

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Der Comic-Künstler und Regisseur Riad Sattouf hat für “Jungs bleiben Jungs” sehr zu Recht viel Begeisterung beim Festival Cannes 2009 geerntet und wurde für sein Debüt mit dem César 2010 ausgezeichnet. Vincent Lacoste und Anthony Sonigo, welche ihre Rolle so authentisch fühlbar spielen, haben für ihre Leistung den Lumiere Award (vielversprechende junge Schauspieler) bekommen. Sie wurden für ihre Rolle direkt vom Schulhof weg gecastet. Perfekt auch, wie Alice Trémolière als Aurore, die Leinwand erstrahlt.

Wer seinen ersten Zungenkuss als Teenager, schonungslos und ganz ohne Filter erneut schmecken möchte, der ist in “Les beaux gosses (Jungs bleiben Jungs)” perfekt aufgehoben. Eine grandios authentische Antwort auf American Pie vom französischen Regisseur Riad Sattouf. Garniert mit speziellem Humor und Dingen die vom Himmel fallen (Bäääh und Erschütterung), welche hier so grandios eingeflochten sind, sehr selten ist dieses in Teenager-Komödien so vollendet zu finden.

Ein Zungenkuss dient nicht der Massage der Mandeln, das wurde mir selbst dann auch irgendwann klar :-)

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Hervé (Vincent Lacoste) ist ein ganz gewöhnlicher Vierzehnjähriger mit mehr Pickeln als Verstand, der von seiner Libido gebeutelt allein mit seiner aufreizend verständnisvollen Mutter lebt. Auf der Schule haben er und sein bester Freund Camel nur ein Ziel: endlich ein Mädel aufreissen! Doch alle ihre Annäherungsversuche scheitern schmählich – bis ausgerechnet Aurore, eine der Schönsten, ohne ersichtlichen Grund Hervé mit ihrer Gunst beglückt. Hervé weiss fortan nicht mehr, wie ihm geschieht. Er wäre wie alle Jungs in seinem Alter gern schon ein Mann, aber der Weg dahin ist mit exquisiten Peinlichkeiten gepflastert, grausam für ihn und unverschämt komisch für jeden, der es hinter sich gebracht hat.
Regie: Riad Sattouf, Schauspieler: Vincent Lacoste, Anthony Sonigo, Alice Trémolière, Julie Scheibling, Robin Nizan-Duverger

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