Posted by herr.filmtanz on Apr 11, 2015

Hin und Weg | Florian David Fitz | Kritik

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“Ich wusste nicht, wie leise 8000 Menschen sein können”
(Zitat, Florian David Fitz, Open-Air-Vorstellung)

Mit Wehmut schauen wir zusammen mit Hannes (Florian David Fitz) über die Skyline von Frankfurt, es wirkt wie ein letztes inhalieren dieser Bilder. Hannes hat verbissen auf seinem Hometrainer für die jährliche Fahrradtour trainiert, ihm ist die Last, mit welchem er um jeden Kilometer kämpfen muss, sehr deutlich anzumerken. Zu Anfang der Tour fragen ihn seine Freunde wie es ihm geht, ihm ging es in letzter zeit offenbar nicht gut.

Hannes (Florian David Fitz) und seine Frau Kiki (Julia Koschitz) haben es entschieden, zusammen mit weiteren drei Freunden und seinem Bruder Finn (Volker Bruch) soll die Radtour nach Belgien gehen. Es wird ein Road-Movie werden, welches niemand mehr vergessen wird im Herzen. Mit von der Partie ist das Ehepaar Dominik (Johannes Allmayer) und Mareike (Victoria Mayer) auf ihrem Tandem-Fahrrad und Michael (Jürgen Vogel) welcher hier, mit einen Anhänger an seinem Hightech-Rad, eine schwere Last zu schleppen hat. Und los geht die Reise. Kiki bemerkt schon kurz hinter Frankfurt, dass Hannes bereits ausser Atem ist. Eine gute Gelegenheit für eine Zwangspause, bei der, wie schon die letzen 15 Jahre, jeder seinem Sitznachbarn eine geheime Pflichtaufgabe auf einen Bierdeckel schreibt, welche auf der Tour erfüllt werden muss. Am Abend erfährt Mareike von Dominik das ihr Finn einen Gang Bang aufgeschrieben hat. Nachdem man zu Anfang die Menschen dieser Tour kurz kennengelernt hat, und auch gesehen hat das Mareike ihren Mann Dominik beim onanieren zu einem Porno erwischt hat, ist hier eine Grabstimmung zwischen den Beiden mehr als verständlich. Ihr Liebesleben ist im Alltagstrott komplett zum erliegen gekommen. Freunde reden eben mit Freunden über ihre Probleme, und so hat es Finn ja im Grunde nur gut gemeint.

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Auf ihrer ersten Station besuchen sie ihren Freund Jens, welcher dieses Jahr nicht mit von der Partie ist, da er sich das Bein gebrochen hat. Gans überraschend ist hier Hannes und Fing’s Mutter Irene (Hannelore Elsner) zu Besuch. Voller Freude ist man auf diese Tour gestartet, Party machen, mit Freunden über alte Zeiten reden, es müssen wunderbare 15 Jahre gewesen sein, so lange machen sie schon diese Tour.

Als Zuschauer sitzt man mit an dem Tisch, als Irene plötzlich in Tränen ausbricht. Habe ich etwas verpasst, so ist es in den ratlosen Gesichtern zu sehen. Ich weiß nicht wie sich Hannes das vorgestellt hat, seine Frau Kiki drängt ihn reinen Tisch zu machen, zu erklären warum die Tour nach Belgien geht. Hannes hat ALS, eine unheilbare Krankheit des motorischen Nervensystems, welche irgendwann zum Ersticken führt. Die Ärzte geben Hannes noch 3-5 Jahre, mit dem Ziel eines qualvollen Todes. Hannes hat für das Ende der Reise einen Termin in Belgien gemacht, er wird Sterbehilfe in Anspruch nehmen. Der Vater von Hannes ist an ALS verstorben, sein Tod, sein Leiden, die Erinnerung sitzt tief.

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Diesen Donnerschlag zu verarbeiten, die Lebensenergie zum Stillstand gebracht, es dauert einen Moment bis die Freunde von Hannes ihn mit ganzer Kraft unterstützen und ihn auf seiner letzten Reise begleiten werden. Hannes ist unglaublich glücklich und erleichtert, fast wäre die Tour an der ersten Zwischenstation beendet gewesen.

Michael sagt es in diesem Moment sehr treffend: “Wir hauen noch mal richtig auf die Kacke, das verspreche ich Dir.”

Ich habe mich im Zuge der eigenen Trauerbewältigung, und dem Nachdenken über Leben und Tod, sehr intensiv mit dem Thema Sterben und Krankheit befasst. Filme welche mir dabei unglaublich wichtig waren sind “Blaubeerblau” (Devid Striesow), “Halt auf freier Strecke” (Andreas Dresen, Milan Peschel) und “Der letze schöne Tag”, überragend gespielt von Wotan Wilke Möhring. Ebenfalls ein Meisterwerk, welches mir mit seiner unglaublich ehrlichen Handschrift über das Leben unglaublich viel bedeutet ist “The Broken Circle Breakdown” von meinem belgischen Lieblingsregisseur Felix Van Groeningen. Eines ist und wird immer so bleiben. “Nothing Personal” ist, hat man sich im besonderen mit der Regisseurin Urszula Antoniak und ihrem Leben befasst, der wichtigste Film in meinem Leben, er hat mir unglaublich viel gegeben. Mit dazu gehört auch der Film “Code Blue”, ebenfalls von Urszula Antoniak. Bei “Und morgen mittag bin ich tot” habe ich mich irgendwann sehr alleine in dem Film gefühlt. Es ist aber ebenfalls ein sehr wichtiger Film, ohne Frage. Ich schweife ab, die Gedanken passen aber zu der Thematik.

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Ich hatte ganz offen gesagt echt Angst vor dem Film “Hin und weg”. Dieses in Deutschland totgeschwiegene sehr wichtige Thema Sterbehilfe aus deutscher Hand komponiert, da hätte wirklich alles schief gehen können, ist es aber zum Glück nicht. Vielmehr ist es ein starker Film über Freundschaft, welcher so unglaublich tief das eigene Herz berührt. Die Szene in dem Film, als Hannes (Florian David Fitz) an einem Lagerfeuer sein Herz ausschüttet, ich werde sie nie vergessen in meinem Leben.

Dem deutschen Regisseur Christian Zübert ist hier ein Beitrag zum Thema Freundschaft und die Selbstbestimmung des eigenen Lebens und auch des Todes gelungen, wie es ehrlicher nicht sein könnte. So etwas ist im Deutschen Kino wirklich sehr selten so gut gelungen. Mit welcher Kraft, Lebensenergie und Ehrlichkeit das umwerfend harmonisierende Schauspieler-Ensemble die Leinwand mit Freude und auch Trauer erstrahlt, es ist so grandios komponiert, ich habe so etwas wirklich sehr selten so gut gesehen. Florian David Fitz als Hannes, es ist umwerfend mit welcher Energie er seine Rolle spielt, einfach überwältigend.

Ich verneige mich vor dem Regisseur und dem Schauspieler-Ensemble aus tiefstem Herzen.

Kleiner Tipp, dass Bonus-Material auf der Bluray/DVD kann ich jedem wärmstens ans Herz legen,

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Ausgerechnet Belgien. Was soll es dort schon geben, außer Pommes und Pralinen? Doch Hannes (Florian David Fitz) und seine Frau Kiki (Julia Koschitz) bestimmen in diesem Jahr, wohin die jährliche Radtour mit ihren engsten Freunden gehen soll. Also startet die Gruppe voller Abenteuerlust, denn alles was zählt, ist schließlich die Zeit miteinander. Erst unterwegs erfahren die Freunde, dass Hannes an einer unheilbaren Nervenkrankheit leidet. Diese Reise soll seine letzte sein. Die Gruppe reagiert zunächst geschockt und ratlos, doch dann beginnt eine wilde, einzigartige Tour; denn durch Hannes erkennen die Freunde, wie kostbar das Leben wirklich ist. Mit einer Liste von Dingen, die noch erlebt werden wollen, und dem Gefühl, dass nach dieser Reise nichts mehr so sein wird wie es einmal war, feiern sie das Leben wie nie zuvor.
Regie: Christian Zübert, Schauspieler: Jürgen Vogel, Hannelore Elsner, Victoria Mayer, Volker Bruch, Johannes Allmayer, Florian David Fitz, Miriam Stein, Julia Koschitz
(Drama, Komödie, Roadmovie, Deutschland, 2014)

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