Posted by herr.filmtanz on Apr 14, 2018

NIGHTCRAWLER – Jede Nacht hat ihren Preis | Jake Gyllenhaal | Kritik | Film-Tipp

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Lou Bloom (Jake Gyllenhaal) hat in seinem Leben bisher nicht den großen Durchbruch geschafft. Mit kleineren Diebstählen hält er sich über Wasser. Eines Tages findet er seine Berufung als Nightcrawler, mit der Kamera durch die Nacht zu fahren, immer den Polizeifunk mithörend, auf der Jagd nach Bildern von Verkehrsunfällen, Schießereien, Mord und Überfällen. Die Aufnahmen verkauft Lou dann an Nachrichtensender, welche diese dann zur besten Sendezeit dem Zuschauer präsentieren. Je schrecklicher die Bilder, desto mehr Einschaltquoten. Den ganz großen Wurf hat man, wenn man als erstes am Ort des Geschehens ist. Hier wird die Szenerie von Lou auch gerne mal umgebaut, und dann heisst es, mit der Kamera auf das blutende Opfer drauf halten, je näher man dran ist um so besser. Lou steigt durch Skrupellosigkeit und Rücksichtslosigkeit schnell ganz nach oben auf. Mit der Redakteurin Nina (Rene Russo) des Nachrichtensenders entwickelt sich eine abartige Abhängigkeit. Nina beschreibt die Philosophie ihres Nachrichtensenders wie folgt.

“Stell’ Dir eine schreiende Frau vor, die eine Straße entlangrennt – mit durchschnittener Kehle.”

Während die Mittelschicht nach jedem Brotkrümel schnappen muss, um zu überleben, gehen Menschen wie Lou, welche ganz nach oben aufsteigen wollen, im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen. Denkt man dann weiter und nicht nur über die Entwicklung an die Presse, auch hier in Deutschland nach, wird einem kotzübel. Wer formt solche Soziopathen wie Lou, und wie viele Soziopathen gibt es in der Chefetage der ganz großen Weltkonzerne ? “Nightcrawler” zeigt universell gedacht eine Entwicklung der Gesellschaft, welche ein absoluter Alptraum ist. Wer ganz nach Oben will, schöpft seine Banknoten auch aus dem Blut und den Tränen der Unter- und Mittelschicht. Sei es der Leid-Voyeurismus der Presse, Ärzte welche den letzen Tropfen Geld aus einem schon längst toten Körper herauspressen, es ist immer das gleiche Thema, Geld ist Macht.

Ich hatte nach NIGHTCRAWLER eine scheiss Wut im Bauch. Bei dem Weltbiotop Menschheit wurde in Bezug auf eine gesunde Symbiose aller Lebewesen längst der Stöpsel gezogen, wir vernichten uns zusehends selbst. Lou Bloom, überragend gespielt von Jake Gyllenhaal (Donnie Darko, Brokeback Mountain) – ich verneige mich vor ihm. Als Zuschauer ist man diesem abartigen Menschen in “Nightcrawler” so unangenehm nah, dass man sich nach dem Film die Widerwärtigkeit unter der Dusche abwaschen muss. Man schwimmt nach “Nightcrawler” im eigenen Erbrochenen des verzweifelten Nachdenkens über die Menschheit und ihrer Entwicklung.

Lou Bloom, er hat dich durchs Fenster längst gefilmt. Morgen zur besten Sendezeit auf ihrem Lieblings-Leid-Voyeurismus-TV-Sender. Ein intensiver und sehr wichtiger Film zum nachdenken.

Lou Bloom (Jake Gyllenhaal) lebt zurückgezogen in Los Angeles und hält sich mehr schlecht als recht mit kleineren Diebstählen über Wasser. Nach erfolglosem Bemühen um einen anständigen Job, beginnt Lou als freier Kameramann für einen TV-Nachrichtensender zu arbeiten. Sein Spezialgebiet: lokale Verbrechen und Unfälle. Dabei muss er nicht nur möglichst als erster am Tatort sein, je näher und schonungsloser er mit seiner Kamera das Geschehene dokumentiert, desto besser kann er die Bilder verkaufen. Der äußerst ehrgeizige Lou lernt schnell und findet zusehends Gefallen an dem skrupellosen Geschäft der ‘Nightcrawler’, bei dem jedes gefilmte Verbrechen bares Geld bedeutet und Opfer Mittel zum Zweck werden. Die Nachrichtenchefin Nina (Rene Russo) ist begeistert von dem Einsatz des neuen Freelancers. Doch sie ahnt nicht, wie weit Lou – in seinem Drang nach Anerkennung – bereit ist zu gehen.
Regie: Dan Gilroy, Schauspieler: Jake Gyllenhaal, Bill Paxton, Anne McDaniels, Rene Russo, Ann Cusack
Drama, USA, 2014

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