Posted by herr.filmtanz on May 16, 2016

Einer nach dem anderen | Stellan Skarsgård | Bruno Ganz | Kritik

Einer-nach-dem-anderen-1

In Norwegen liegt wirklich richtig viel Schnee. Was liegt da näher, als mal einen Film über einen Menschen zu machen, welcher den “Schnee” sehr gründlich beseitigt ? 😀

Nils (Stellan Skarsgård) – er ist eigentlich ein Schwede – er ist ein Einwanderer in Norwegen. Als Kind hat er die Pfadfinder bewundert, wie er zu Anfang sagt. Er selbst hat in der norwegischen Stadt die verantwortungsvolle Aufgabe der Schneeräumung übernommen, und wurde durch seine Zuverlässigkeit zum Bürger des Jahres gewählt und dafür ausgezeichnet. Nils bedient diese tonnenschweren und beeindruckenden Schneefräsen und Schneeflüge mit Liebe und höchster Präzession. Sehr stolz ist Nils auf seine Lebensaufgabe. Dieses kann man ihm von den Augen sofort ablesen.

Einer-nach-dem-anderen-2

Eines Tages wird der Sohn von Nils, und seiner Frau Gudrun (Hildegard Riise), tot an einem Bahnsteig mit einer Überdosis Heroin aufgefunden. Die Polizei sagt, viele Eltern wollen dieses nicht war haben, dass ihr Sohn ein Junkie war. Nils will das auch nicht war haben. Er wird sich mit der gleichen Präzision, und mit der gleichen Gewalt, mit welchem seine Maschinen diese Tonnen von Schnee beseitigen, sich auf den Weg machen, und immer Tiefer bis zum Kern der Drogen-Mafia vordringen. Nils hatte schon den Lauf des großkalibrigen Gewehrs im Mund, er wollte verzweifelt aufgeben. Aber eines ist auch klar, wir sind hier in einem skandinavischen Film, und nicht im USA-Kuschelkino. Wenn Nils die Fährte aufgenommen hat, fliegt einer nach dem andren leblos in den Fluss. Jede Schneeflocke, welche den Menschen in Norwegen viel Leid und den Tod beschert, wird er mit akribischer Präzision aus dem Weg räumen.

Einer-nach-dem-anderen-3

Den Tod des Sohnes von Nils hat der Gangsterboss Greven (Pål Sverre Hagen) – bekannt aus Kon-Tiki, zu verantworten. Greven ist die Art von Mensch, welchen man als komplett der Realität entrückt bezeichnen kann. Freud hätte wirklich seine helle Freude an diesem Individuum, welcher ganz zum Entsetzen, auch noch einen Sohn gezeugt hat. Kaum auszudenken, wenn dieses Kind dann auch noch in die blutigen Fußspuren seines Vaters treten wird.
Territorial aufgeteilt wird das exklusivrecht der Drogenkontrolle zwischen Greven und dem serbischen Gangsterboss Papa (Bruno Ganz), dessen Sohn ebenfalls zu Tode kommt. Sehr gekonnt hat Nils die beiden Gangster Parteien gegeneinander aufgespielt, bis es zu einem Showdown der Extraklasse kommt :-)

Einer-nach-dem-anderen-4

Skandinavischen schwarzen und sehr rauen Humor, man kann ihn nicht verfälschen, dieses ist wirklich einzigartig auf diesem Planeten. Der Film wirkt vom Humor her wie “Flickering Lights” oder “Adams Äpfel”, von dem überragenden und von mir über alles geliebten dänischen Regisseur “Anders Thomas Jensen”. Nur liegt hier einfach viel mehr Schnee. Da wären wir dann bei dem großartigen skandinavischen Film “Nord”, von Rune Denstad Langlo. Skandinavische Filmmomente, welche ich im Herzen unglaublich liebe 😀

Steht der serbische Gangsterboss Papa (Bruno Ganz) auf einer Skipiste, bewundert die Präzision, mit der die junge Generation einen Slalom auf Schnee bestreitet, fühlt man diesen wunderbaren Moment bis ins eigene Mark. Am Ende wird kein Ton gesprochen, ein magischer Moment. Hat man die Worte von Papa im Kopf, schaut sich die beiden schweigenden Gesichter an, wenn es auf einmal Wupp macht, kommt man aus dem Lachen nicht mehr raus. Großartiger kann man, mit diesem unglaublichen skandinavischen Humor, einen Film nicht beenden :-) Ja, die letzte Szene ist sehr böse. Sie hat mir einen 10 Minuten Dauer-Lachflash auf dem Balkon beschert, überragender skandinavischer Humor.

Aus tiefstem Herzen möchte ich den Kameramann Philip Øgaard (Nord) für seine Fotografie loben. Es ist eine unglaublich überwältigende Zeichnung dieses wunderschönen Norwegens. Der Regisseur Hans Petter Moland hat es ganz großartig gemacht. Ich verneige mich vor dem Schauspieler Stellan Skarsgård, welcher hier den Nils jede Sekunde fühlbar so überragend spielt, und auch vor Bruno Ganz, welcher hier mit seiner Lässigkeit, so wundervoll, mit seinem doch nicht so kaltem Herzen, einen grandiosen Gegenpol in diesem rauen Norwegen spielt.

Tipp: Kino-Zeit hatte den Regisseur Hans Petter Moland, mit seinem schelmischen Grinsen, im Interview.
“DER FILM IST EIN MÄRCHEN” – EIN INTERVIEW MIT HANS PETTER MOLAND

Regie: Hans Petter Moland
Schauspieler: Bruno Ganz, Stellan Skarsgård, Gard Eidsvold, Anders Baasmo Christiansen, Peter Andersson, Jon Øigarden, Brigitte Hjort Sørensen, Jakob Oftebro, Pål Sverre Hagen, Hildegun Riise
Komödie, Dänemark, Schweden, Norwegen, 2013
OT: Kraftidioten

APTOPIX_Germany_Ber_821739a

Einer-nach-dem-anderen-DE-Poster

Print Friendly
Post Rating
Post a Comment

One Response to “Einer nach dem anderen | Stellan Skarsgård | Bruno Ganz | Kritik”

  1. franziska-t says:

    Hans Petter Moland liefert eine tarantinoeske Komödie, die wirklich Laune macht und das komplette Einsamer-Rächer-Genre, dass in den letzten Jahren seit Liam Neeson und TAKEN ein Revival erfahren hat, auf die Schippe nimmt. Der Gangsterboss “Der Graf” legt großen Wert auf gute Ernährung und Bruno Ganz sorgt als serbischer Drogenbaron mit unnatürlich hoher Kopfstimme für weitere Lacher.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *