Posted by herr.filmtanz on May 2, 2015

Mr. Turner – Meister des Lichts | Mike Leigh | Kritik

2014, MR. TURNER

Wie porträtiert man den Maler J.M.W. Turner, welcher in England des 19. Jahrhunderts ein gefeierter Künstler war ? Der Regisseur Mike Leigh vermag dieses. Ich selbst liebe die Fotografie, was, wie die Malerei, im Schwerpunkt auch nichts anderes ist, als die Sprache des Lichts und des Moments verstehen zu wollen.

Mike Leigh konzentriert sich in seinem Biopic auf die letzen 25 Jahre des Lebens von Turner, und verzichtet dabei auf ermüdende Details wie Jahreszahlen oder etwa eine Erzählerstimme aus dem Off. Als Zuschauer taucht man ganz in diese Zeit und die wundervollen Landschaftsaufnahmen von Turner ein. Mit größter Sorgfalt zeichnet der Kameramann Dick Pope, mit einer Farbpalette welche sich an die von Turner hält, seine wundervollen Aufnahmen. Es muss eine enorme Anstrengung und Konzentration gewesen sein, diese Aufnahmen mit solch einer Geduld, mit dem Moment des richtigen Lichts, zu fotografieren.

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Gespielt wird der wortkarge, mürrische und kauzige Misanthrop Turner herausragend vom Charakterdarsteller Timothy Spall. Mir ist es ausgesprochen leicht gefallen, mich in diese kunstvolle Fotografie dieses Biopic einzufühlen. Auch wenn eine Antipathie gegenüber Turner nicht von der Hand zu weisen ist, ist es doch eine “abartig” großartige Sympathie für ihn, welche überwiegt.

Um einen Meister in kunstvollen Porträtlicht zu fotografieren, braucht es einen Meister wie Mike Leigh. Vor Timothy Spall muss man sich wirklich verneigen nach dem Film “Mr. Turner”, überwältigend.

Bringt man die nötige Geduld und Ruhe auf, erlebt man ein wundervoll gezeichnetes Biopic vom Regisseur Mike Leigh (Another Year, Happy-Go-Lucky, Nackt) über den Künstler und Menschen J.M.W. Turner. Er hat es wirklich großartig gemacht :-)

“Mr. Turner” sollte man sich unbedingt im Originalton anschauen, auch wenn das Grunzen und besonders das Nuscheln von Turner, in der Sprache des 19. Jahrhunderts, teilweise bestimmt nicht einfach zu verstehen ist. Das herausragende Schauspiel von Timothy Spall, als Turner, verliert unglaublich viel durch die Synchronisierung.

1826. Der englische Maler William Turner (Timothy Spall) ist ein ebenso renommiertes wie exzentrisches Mitglied der Royal Academy. Er lebt mit seinem Vater William (Paul Jesson), den er innig liebt, und seiner Haushälterin Hannah Danby (Dorothy Atkinson) in London. Hannah verehrt den genialen Maler, der jedoch stillt an ihr nur sein sexuelles Verlangen. Denn Turner ist ein Egomane, ein wortkarger Einzelgänger und doch zugleich ein Mann von enormer Sensibilität. Das Künstlergenie hat sich keiner Autorität, sondern der Vielfalt des Lebens verschrieben. Er genießt die Gastfreundschaft des Landadels oder besucht Bordelle, um junge Prostituierte zu zeichnen. Er ist stetig auf Reisen und lässt nichts aus, um dem Phänomen der Wahrnehmung auf die Spur zu kommen. Er lässt sich sogar inmitten eines eisigen Schneesturms an einen Schiffsmast binden, um das Unwetter so authentisch wie nur möglich malen zu können. Turner ist fasziniert von den Errungenschaften der Industrialisierung wie der Fotografie und der Eisenbahn. Aber ganz besonders in den Bann schlagen ihn die Spielarten des Lichts, weshalb es ihn immer wieder in die Küstenstadt Margate zieht. Dort steigt er unter falschem Namen bei Sophia Booth (Marion Bailey) ab, mit der er heimlich eine innige und zärtliche Liebesbeziehung beginnt. Mehr und mehr scheiden sich an dem ruhelosen und anarchischen Künstler die Geister: Leidenschaftlich verteidigt ihn Kunstkritiker John Ruskin (Joshua McGuire) gegen kritische Stimmen, die Turners zunehmend abstrakter werdende Bilder als Klecksereien verspotten. Als ihm ein Millionär 100.000 Pfund für sein Gesamtwerk bietet, schlägt Turner das Angebot aus. Ungebrochen radikal bleibt Turner bis ins hohe Alter. Künstlerisch wie privat. Denn Haushälterin Hannah erfährt erst spät von Turners anderem Leben, das er an der Seite von Mrs. Booth führt.
Regie: Mike Leigh
Schauspieler: Timothy Spall, Lesley Manville, Paul Jesson, Dorothy Atkinson, Sandy Foster
Drama, Großbritannien, 2014

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