Posted by herr.filmtanz on May 3, 2015

Blue Ruin | Jeremy Saulnier | Kritik

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Zu Anfang gönnt sich Dwight Evans (Macon Blair) genüsslich ein Vollbad. Im nächsten Moment hören wir ein Auto auf den Hof fahren. Er flüchtet, nackt wir er ist, aus dem Haus. Dwight ist ein Obdachloser, welcher in einem alten verrosteten Auto auf einem Strandparkplatz lebt. Als die Polizei in mit auf das Revier nimmt, macht sie das nicht etwa, weil er was verbrochen hat, sondern sie eröffnet ihm: Der Mörder, welcher deine Eltern umgebracht hat, wurde aus dem Knast entlassen und befindet sich auf freiem Fuss.
Zu allem Erstaunen scheint das rostige und völlig runterbekommene Auto noch zu fahren. Dwight macht sich auf den Weg, den Mörder seiner Eltern zu richten. Dieses wird ihm im folgenden, mit mehr Glück als Verstand, auch gelingen.

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Dwight ist alles andere als ein abgewichster Killer, welcher routiniert einen Racheakt verübt. Ganz dumm gelaufen ist dann aber, dass der aus dem Knast entlassene nicht der Mörder seiner Eltern war. Wie es – an einen Western erinnernd üblich ist – wird die Situation nicht unter Zuhilfenahme vom Sheriff beigelegt, sondern untereinander ausgetragen. Man muss hier kein Prophet sein, wenn man auf den Showdown am Ende wartet.

Dwight ist das, was man einen Anti-Helden nennt, im Grunde wirkt er mehr wie ein ganz normaler Durchschnittstyp, bei dem der Antrieb für seinen Racheakt mehr Trauer und Verbitterung als Blutdurst ist. Seinen Vergeltungsmord hat er, wie eine Abfolge in Pleiten-Pech-und-Pannen wirkend, gerade so überlebt. Durch seine unbedarftes und nicht routiniertes Vorgehen, bleibt der Humor auch nicht auf der Strecke. Besonders in ruhigen Momenten, in denen sich Dwight auf die nächste Begegnung mit dem Familienclan seines Opfers vorbereitet, funktioniert der Thriller ganz wunderprächtig. Auch die Tatsache, dass Dwight mit Waffen noch nie Kontakt hatte, unterstreichen ihn als Anti-Helden. Sicherlich klar ist auch, Dwight wird eine Waffe und eine Einweisung brauchen. Lange muss man, bis man einen Waffenfanatiker in den USA findet, nicht suchen. Dieser Aspekt regt dann auch zum Nachdenken an.

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Dem jungen Regisseur Jeremy Saulnier ist mit “Blue Ruin” ein feiner Indie-Film gelungen, welcher sich sehr erfrischend anschaut. Ein Anti-Helden-Film, bei dem das Blut in kaltem, dreckigen und staubigem Blau gezeichnet wird. Weit weg vom Blockbuster-Gerumpel, schaut man dem Treiben des Anti-Helden Dwight, gespielt von Macon Blair, ermüdungsfrei und gerne zu, und verlässt das Kino mit einer Indie-Erfrischung.

Regie: Jeremy Saulnier
Schauspieler: Macon Blair, Amy Hargreaves, Kevin Kolack, Eve Plumb, David W. Thompson, Brent Werzner, Stacy Rock, Sidné Anderson
Triller, USA, 2013
DVD-Start: 14.03.2015

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