Posted by herr.filmtanz on May 17, 2015

Die Sprache des Herzens | Marie Heurtin | Kritik

Die-Sprache-des-Herzens-2

Marie Heurtin, sie ist taubstumm und blind, und wurde 1885 in Vertou (Frankreich) geboren. Als Zehnjährige wird Marie (Ariana Rivoire) von ihrem Vater in ein Kloster gebracht, damit sich die Nonnen dem Mädchen annehmen. Das Kloster beherbergt bereits andere taubstumme Kinder, welche mit Hilfe der Schwestern, die Taubstummensprache erlernt haben, und damit mit der Aussenwelt kommunizieren können. Marie ist bei ihrer Ankunft im Kloster hoffnungslos verwahrlost und zu tiefst verängstigt. Die Oberin (Brigitte Catillon) lehnt es zunächst ab, die Verantwortung für Marie zu übernehmen. Nur dank der jungen Schwester Marguerite (Isabelle Carré), ihrem unablässigen Vordern, sich Marie annehmen zu dürfen, erlaubt die Oberin das Vorhaben von Schwester Marguerite.
Für die Schwester Marguerite (Isabelle Carré) wird es eine Aufgabe in ihrem Leben sein, welche sie weit bis über ihr körperliches Limit vordern wird. Mit einer bedingungslosen und unglaublich aufopfernden Geduld zum einen, aber auch in Szenen, welche wirken, als wolle sie Marie mit Gewalt brechen, wird es eine sehr lange Zeit dauern, bis ein gegenseitiges Vertrauen aufgebaut ist. Marie wird, dank der Energie von Schwester Marguerite, ihr erstes Wort in der Gebärdensprache erlernen, und im Folgenden auch weitere Worte und die Grammatik.

Die-Sprache-des-Herzens-3

Marie Heurtin wird hier verkörpert von der Schauspielerin Ariana Rivoire, welche gehörlos zur Welt gekommen ist. Das Zusammenspiel mit Schwester Isabelle Carré und Ariana Rivoire, man darf es als großartig und das Herz sehr berührend bezeichnen. Ehe man sich versieht, und die letze Klappe fällt, wird dem Zuschauer am Ende des Films, die letzte Träne aus dem Körper gerungen.

Mir tut es in der Seele weh, weil man fortwährend fühlt, in der gehörlosen Schauspielerin Ariana Rivoire – im ganz Besonderen, wie auch in der Schauspielerin Isabelle Carré, liegt umausgeschöpftes Potential. Der französische Regisseur Jean-Pierre Améris schafft es leider nur, oberflächlich bleibend, mit kontinuierlicher Schwingung der Tränen des Zuschauers, komponiert mit Schmerz und Freude, zu spielen.

Die-Sprache-des-Herzens-4

Was haben die Eltern von Marie ihr in den ersten zehn Lebensjahren angetan ? Warum endet der Film mit oberflächlichen Einblendungen welche besagen: “Marie spielte gerne Domino und war für andere taubenlinde Kinder ein Vorbild ?” Warum ist Marie schon mit 36 Jahren verstorben ? Auf diese Fragen bekommt man vom Regisseur Jean-Pierre Améris leider nur ausgedehntes Schweigen.

Die reale Person Marie Heurtin (Ariana Rivoire), welche im stillen schwarzen Raum lebend, nur noch riechen und tasten konnte, welche von Schwester Marguerite (Isabelle Carré) ein Werkzeug zum Überleben bekommen hat, hätte wahrlich eine tiefer gehende filmische Aufarbeitung verdient gehabt, sehr schade.

Mir ist es ausgesprochen schwer gefallen, diesen Film zu bewerten. Eine Schelte hat sich der Regisseur Jean-Pierre Améris leider verdient. Fühle ich ein paar Tage nach “Marie Heurtin” in mein Herz, fühle die Tränen erneut, haben sich Ariana Rivoire (als Marie Heurtin) und Isabelle Carré (als Schwester Marguerite)  eine Auszeichnung für ihr intensives Schauspiel verdient.

Die doch noch sehr gute Bewertung haben sich ausschließlich die beiden Scheuspielerinnen verdient.

(Christian)

Ende des 19. Jahrhunderts wird die blind und taub geborene Marie Heurtin als Zehnjährige von ihrem Vater in ein Kloster gebracht, damit sich die Nonnen um das Mädchen kümmern, das als ‘wildes kleines Tier’ gilt. Die junge Ordensschwester Marguerite kümmert sich um das verstörte Kind, das erst sehr langsam Vertrauen zu ihr fasst und gegen alle Voraussagen die Gebärdensprache und später die Blindenschrift lernt, Zugang zur Außenwelt findet. Zwischen fürsorglicher Lehrerin (Isabelle Carré) und widerspenstigem Zögling (Ariana Rivoire) entwickelt sich eine innige Freundschaft.

Jean-Pierre Améris erzählt die wahre Geschichte der 1885 geborenen Marie Heurtin und rührt zu Tränen mit der sensiblen Zeichnung der Beziehung zwischen ihr und ihrer Lehrerin. Ariana Rivoire, die selbst gehörlos zur Welt kam, spielt das Mädchen mit fast erschreckender Überzeugungskraft, wie auch Isabelle Carré die fragile und kränkelnde Mutterfigur perfekt verkörpert. Dem Film ‘Die Sprache des Herzens’ gelingt es, durch eine sehr zurückhaltende Kamera in großer Sinnlichkeit die fehlenden Sinne darzustellen. Ein bewegendes Plädoyer, die Hoffnung nie aufzugeben und Behinderung nicht als Makel zu empfinden.

Die-Sprache-des-Herzens-1

Regisseur: Jean-Pierre Améris
Schauspieler: Brigitte Catillon, Isabelle Carré, Laure Duthilleul, Martine Gautier, Sonia Laroze, Patricia Legrand, Ariana Rivoire, Christophe Tourrette
Produktionsland: Frankreich
Produktionsjahr: 2014
Genre: Drama, Biographie

Print Friendly
Post Rating
Post a Comment

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *