Posted by herr.filmtanz on Aug 4, 2015

A Most Violent Year | Oscar Isaac | Jessica Chastain | Kritik

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Die Zauberkraft des Independent-Kanninchens

New York, 1981. Seit Mitte der 70er Jahre hat die Anzahl schwerer Verbrechen um 40 Prozent zugenommen. Alleine in dem Jahr 1981 wurden 1826 Menschen ermordet und 120.000 Raubüberfälle verübt.
Der immigrierte Geschäftsmann Abel Morales (Oscar Isaac) und seine Frau Anna (Jessica Chastain) stehen vor ihrem größten Coup und Wagnis, mit ihrem Heizöl-Unternehmen. Mit einer hohen Anzahlung erwerben sie die Option auf ein Industriegelände am Hudson River – ein Gelände von logistisch und strategisch größter Wichtigkeit. Einen Monat haben sie Zeit, die restlichen anderthalb Millionen zu beschaffen, andernfalls verlieren sie alles.

Der alteingesessenen Konkurrenz ist der ehrgeizige und wie eine Rakete aufsteigende Abel ein großer Dorn im Auge. Während das Geschäft brummt, kommt es vermehrt zu Überfällen auf seine Tanklaster. Menschen werden verletzt und Zehntausende Liter Heizöl verschwinden. Der Leiter der Fahrergewerkschaft rät Abel dazu, dass die Fahrer eine Waffe tragen sollten, damit sie sich bei einem Angriff verteidigen können. Abel lehnt den Gebrauch von Waffen zwar zunächst ab, stimmt dem dann aber doch zu, sonst hat er in Windeseile die gesamten verunsicherten Fahrer gegen sich, was auch sein sofortiges Ende bedeuten würde.
Als es bei einem Überfall auf einen seiner Tanklaster zu einer tödlichen Schiesserei kommt, zieht die Bank ganz überraschend den Kredit zurück. Und die Staatsanwaltschaft ermittelt, mit einem ganzen Bündel an Anklagepunkten, auch wegen Steuerhinterziehung.

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Abel lehnt den Einsatz von Waffen ab und möchte ganz legal sein Ziel ohne Gewalt erreichen. Ein Vorhaben, welches in dieser Konstellation 1981, in New York, unerreichbar klingt. Es geht bei Abel im Kern darum, was ist moralisch vertretbar, und wie kann ich morgen noch in den Spiegel schauen. Er möchte ganz nach oben mit seinem Heizöl-Imperium. Mit einem unglaublichen Feingefühl werden hier die Elemente Überfälle, Korruption, Verfolgungsjagden und Gewalt eingearbeitet, wie es sehr selten geworden ist auf der Leinwand. Was ich mit “Das Kaninchen aus dem Hut” meine, werde ich euch nicht verraten. Der Regisseur J. C. Chandor zaubert es grandios aus dem Hut, ihr werdet die Stelle lieben. An dieser Stelle sitzt man im Kinosessel und denkt sich nur, mit offenem Mund, OMG, wie genial ist das jetzt bitte 😀

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Der amerikanische Regisseur und Drehbuchautor J. C. Chandor liefert hier seinen dritten Film ab – nach ‘Der große Crash – Margin Call’ und ‘All Is Lost’. Virtuos komponiert er sein Kunstwerk ‘A Most Violent Year’ und lässt Independent-Kino mit grandioser Kraft erklingen. J. C. Chandor versteht es, Szenen von seinen Schauspielern auserzählen zu lassen, ohne schnelle Schnitte und dieses unendliche Gerumpel, welches Hollywood sonst liefert.
Die hypnotische Fotografie des Kameramanns Bradford Young sind von solch einer unaufdringlichen Schönheit, dass man sich in Hochachtung verneigen muss. Finanziert wurde ‘A Most Violent Year’ von kleinen Produktionsfirmen und – wie ich gelesen habe – mit Geldern aus den Vereinten Arabischen Emiraten. Intensiver kann man die kreative Starre der großen Studios wirklich nicht im Herzen fühlen.

‘A Most Violent Year’ ist hypnotisches Independent-Kino für anspruchsvolle Zuschauer, welche das Tempo, an präziser Stelle komponiert, lieben. Leise und doch mit bebender Vibration im Herzen, so fühlt sich dieser Film an, denkt man an die Filme der 70er und 80er in diesem Genre.

Sir Oscar Isaac (“Inside Llewyn Davis”) ist überwältigend und atemberaubend, mit welcher unglaublichen Aura er die Leinwand erstrahlt. J. C. Chandor komponiert virtuos fotografiert ein grandios dirigiertes Kunstwerk. Man kann diesen Film anfassen und fühlen, ein Meisterwerk ist es. Die Leinwand so zu lieben, ist eine Wohltat :-) Die Schauspieler Jessica Chastain und Sir Oscar Isaac haben Zauberkraft. Danke für diese Zeitreise :-)

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Regie: J. C. Chandor
Drehbuch: J. C. Chandor
Kamera: Bradford Young
Hauptdarsteller: Alessandro Nivola, Oscar Isaac, David Oyelowo, Jessica Chastain, Ashley Williams, Christopher Abbott, Catalina Sandino Moreno, Albert Brooks, Elyes Gabel, Peter Gerety

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