Posted by herr.filmtanz on Aug 15, 2015

Als wir träumten | Andreas Dresen | BlitzKritik

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Wenn der Zuschauer die Leinwand sehen kann, hat der Film verloren!

Als wir träumten war der Stadtrand von Leipzig die Welt. Die DDR war weg und wir waren noch da. Pitbull (Marcel Heupermann) war noch kein Dealer. Mark (Joel Basman) war noch nicht tot. Rico (Julius Nitschkoff) war der größte Boxer und Sternchen (Ruby O. Fee) war das schönste Mädchen, doch sie hat mich nicht so geliebt, wie ich sie. Alles kam anders. Aber es war unsere schönste Zeit. Dani, Mark, Rico, Pitbull und Paul leben im Rausch einer besonderen Zeit. Jahre, in denen Gesellschaften und Systeme aufeinander prallen und alles, wirklich alles möglich scheint. Die Jungs sind dreizehn, als die Geschichte in der DDR beginnt, siebzehn, als sie im neuen Deutschland endet…

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Der Regisseur Andreas Dresen (u.a. ‘Halbe Treppe’, ‘Halt auf freier Strecke’) verfilmt mit ‘Als wir träumten’ den gleichnamigen Erfolgsroman von Clemens Meyer. Das Drehbuch schrieb Wolfgang Kohlhaase. Nach ‘Sommer vorm Balkon’ (2005) und ‘Whisky mit Wodka’ (2009) ist es die dritte Zusammenarbeit mit Andreas Dresen. ‘Als wir träumten’ war offizieller Wettbewerbsbeitrag der 65. Internationalen Filmfestspiele in Berlin 2015.


Es tut mir in der Seele weh, hier hilft nur ehrlich sein.

Ich habe nach dem Film ‘Als wir träumten’ zu mir selbst gesagt: ‘Ja, Andreas Dresen hat dir in schweren Stunden, mit seinem Film ‘Halt auf freier Strecke’, sehr geholfen. Dafür empfindest du gegenüber Andreas Dresen Hochachtung und Dankbarkeit. In Bezug auf ‘Als wir träumten’ musst du aber auch ehrlich zu dir selbst sein.”

Gestern wie auch heute, durchdringt mich immer noch das Gefühl, sehr enttäuscht aus meinem Kino gekommen zu sein. Egal welcher Thematik ein Film unterliegt, er braucht Aura, damit er bei mir funktioniert. Das klingt für viele bestimmt sehr esoterisch, ich meine damit diese unsichtbare Energie welche sich vor der Leinwand aufspannt und mich als Zuschauer einsaugt. In diesem Moment gibt es keine Leinwand mehr.
Die zweidimensionale Leinwand spannt in diesem Moment einen dreidimensionalen unsichtbaren Gedanken- und Gefühlsraum auf, in welchem ich mitten drin sitze. Es ist dieses unglaublich magische Gefühl, welches ich weit ab vom Mainstream Kino, so intensiv in mir fühlen kann. In Filmen aus Deutschland ist dieses Gefühl leider immer weniger präsent. Zum Glück gibt es die sehr spannende Entwicklung des neuen deutschen Kinos 😀 Mein Filmseele ist ein hungriger Reisender, hier wäre sie fast verhungert.

Andreas Dresen projiziert nur bemühte Bilder auf die Leinwand, ohne sie mit einer magischen Aura, für den Zuschauer fühlbar zu machen. Das ist gerade bei dieser spannenden Coming-of-Age Thematik sehr sehr schade und enttäuschend.

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Regie: Andreas Dresen
Schauspieler: Henning Peker, Dorothea Walda, Pit Bukowski, Peter Schneider, Gerdy Zint, Joel Basman, Ruby O. Fee, Merlin Rose, David Berton
Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase
Genre: Drama
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2015
Lautzeit: 117 Minuten

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