Posted by herr.filmtanz on Sep 4, 2015

Big Eyes | Amy Adams | Christoph Waltz | Tim Burton | Kritik

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Warum lügst du?

Die Künsterlin Margaret Keane ist heute 88 Jahre alt, und sie malt noch immer diese Bilder von Frauen, Kindern und Tieren mit diesen riesigen Augen. Der Film “Big Eyes” nimmt uns mit in die 1960er Jahre, wo ihr Ehemann Walter Keane prominent damit wurde, daß er ihre Bilder verkaufte und vorgab, selbst der Maler zu sein.

Anfänglich sehen wir, dass sich Margaret (Amy Adams) von ihrem Mann getrennt hat, und mit ihrer Tochter zusammen nach San Francisco zieht. Dort lernt sie auf einem Trödelmarkt den Künstler Walter Keane (Christoph Waltz) kennen. Walter, mit seinem selbstverliebten Grinsen, diesem unwiderstehlichen treuen Blick, bietet Margaret seine Hilfe an, sie bei dem Verkauf ihrer Bilder zu unterstützen. Lange dauert es nicht, bis Margaret dem Filou Walter verfällt, und sie heiraten.

Niemand möchte in den 1960er Jahren Bilder mit riesigen und unheimlichen Augen von einer Hausfrau kaufen, das wird Walter schnell klar. Walter beschliesst, die Bilder unter seinem Namen zu verkaufen. Das Geschäft brummt und die Bilder gehen weg wie warme Semmel. Der Wiederstand von Margaret ist hier nur als sehr schwach zu bezeichnen, sie lässt sich auf den Deal ein, und malt im stillen Kämmerchen, wärend Walter mit dem Verkauf von Postkarten, Postern und Drucken Millionen macht.

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Ich spüre beim Anblick dieser Bilder, mit den riesigen Augen, ein starkes innerliches Unbehagen. Es fühlt sich an, als wollten diese schwarzen großen Augen mir meine eigene Seele aus dem Leib reißen. Die zentrale Frage, welche sich bei dem Film stellt, ist aber sicherlich, was hat die Menschen in den 1960er Jahren dazu bewogen, sich diese unheimlichen großen Augen in ihre Wohnung zu hängen ? Darauf weiß der Film leider keine Antwort zu geben.

Eine Schlüsselszene in einer Kneipe, in der die Bilder ausgestellt sind, werde ich aber so schnell nicht vergessen. Ich nenne sie für mich “Der Schrei der zu tiefst verzweifelten Seele der Margaret Keane”. Während Walter in der Kneipe Bilder verkauft, kommt Margaret mit einem neuen Bild dazu, und erlebt hautnah wenn Walter auf die Frage eines potenziellen Käufers “Wer hat das Bild gemalt?”, mit “Ich habe das Bild gemalt”, antwortet.

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“Warum lügst du?”, sagt Margaret in diesem Moment zu Walter. Es sind drei Worte, welche sie aus ihrer zu tiefst verzweifelten und verletzten Künsterseele heraus sagt. Ein sehr intensiver Moment mit einer gewaltigen Schwingung, bei dem es mich fast zerissen hätte. Sich emotional in die Rolle von Margaret hineinzudenken ist mir in diesem Moment ausgesprochen leicht gefallen. Ich stelle mir in diesem Moment vor, ich würde gezwugen wunderbare und magische Tieraufnahmen zu machen, und jemand anderes verkauft sie als sein eigenes. Das ist ein Moment, in dem sich die eigene Seele anfühlt, als würde sie aus purem Nitroglycerin bestehen.

Christoph Waltz spielt hier den Filou gewohnt großartig, auch wenn er hier sein geniales Können quasi nur als Leckerbissen in einer genialen Gerichtsszene zeigen darf – davon hätte ich mir mehr gewünscht. Amy Adams vermag es in intensiven Momenten, einen kleinen Einblick in die vergewaltigte und eingesperrte Künsterseele der Margaret Keane zu geben – leider zu selten.

Was bleibt nach “Big Eyes” ist, mit einem wohligen Gefühl unterhalten worden zu sein. Dafür das die Bilder mit den großen Augen, beim Anblick durch den Betrachter, im Stande sind, einem die eigene Seele aus dem Leib zu reißen, fehlt es dem Film aber an Virtuosität.

Die Künstlerin Margaret Keane soll glücklich über den Film “Big Eyes” gewesen sein. Ich hätte ihr wirklich eine tiefergehende Ausarbeitung gewünscht, welches den anspruchsvolleren Zuschauer mehr vordert.

San Francisco in den 60er Jahren. Margaret (Amy Adams), geschieden und alleinerziehend, lernt bei einer Kunstausstellung Walter Keane (Christoph Waltz) kennen und lieben. Mit dem charmanten, eloquenten Mann erhofft sie sich endlich das schöne Leben, von dem sie bislang nur geträumt hat. Überzeugt vom künstlerischen Talent seiner Frau, versucht Walter ihre Bilder zu Geld zu machen. Nur leider will keine Galerie die Gemälde von Kindern mit großen, traurigen Augen ausstellen. Kurzerhand verkauft Walter die Bilder selbst und gibt sich als Urheber der ‘Big Eyes’ aus. Schon bald macht der brillante Geschäftsmann mit dem Verkauf von Postkarten, Postern und Drucken Millionen – zu tausenden finden die ‘Big Eyes’ ihren Weg in die Wohnzimmer Amerikas. Unter der führenden Hand von Walter hütet auch Margaret das Geheimnis, wer die Bilder erschaffen hat. Doch bald kann sie nicht länger mit der Lüge leben.

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Die Künstlerin Margaret Keane, 88 Jahre alt, und die Schauspielerin Amy Adams, welche Margaret in dem Film “Big Eyes” verkörpert.

Regie: Tim Burton
Schauspieler: Danny Huston, Jason Schwartzman, Christoph Waltz, Amy Adams, Terence Stamp, Krysten Ritter
Genre: Drama, Biographie
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2014

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