Posted by herr.filmtanz on Oct 5, 2015

Every Thing Will Be Fine | Charlotte Gainsbourg | James Franco | Wim Wenders | BlitzKritik

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Wim Wenders ist eines meiner geliebtesten Regisseure. Viel wunderbares hat er mir auf der Leinwand geschenkt. Hier muss man aber leider zu ihm sagen: Alles wird wieder gut!

Die Verarbeitung eines tragischen Verlustes extrem langsam zu beleuchten, mit eindringlich fotografierten Bildern, muss man bei all den Verbrechen des Mainstream-Kinos, als einen lobenswerten Ansatz bezeichnen. Was ein Film mit dieser Thematik aber benötig sind Darsteller, welche im Stande sind, wortlos mit dem Zuschauer zu kommunizieren. Ein Blick in die Sprache ihrer Augen und ihrer Mimik welcher bewirkt, dass der gesamte Raum vor der Leinwand in eine magische Schwingung versetz wird.

Charlotte Gainsbourg, welche hier eine trauernde Mutter darstellt, verehre ich seit über 23 Jahren aus tiefstem Herzen. Im ersten Drittel von “Every Thing Will Be Fine”, wenn man in ihr Gesicht blickt, sie kein Wort sagt, man sie bis tief in die eigene Seele fühlen kann, beginnen die eigenen Tränen zu schwingen. Es fühlt sich an, als würde der ganze Gefühlsraum von einer elektrisierenden Aura ausgefüllt.

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Sekunden später, wenn James Franco dann auf der Leinwand erscheint, erlebt man einem emotionalen Stromausfall. James Franco war für mich, mit seinem von jeglicher Mimik befreitem Schauspiel, in keinem Moment emotional greifbar. Es herrscht hier bei dem Blick in dieses glattgebügelte Gesicht nur Schweigen, kein Transport findet statt, nicht ein Moment bei dem man sagen könnte, jetzt kann meine Seele etwas fühlen.

Irgenwann verhallt dann die innere Stimme mit ihrem Ruf “Hol mich doch endlich mal ab, du Film” und mündet in kompletter schläfriger Stille. Es tut mir in der Seele weh, leider hat sich mit “Every Thing Will Be Fine” so angefühlt.

Ein Winterabend. Eine Landstraße. Es schneit, die Sicht ist schlecht. Aus dem Nichts kommt ein Schlitten einen Hügel herunter geglitten. Eine Vollbremsung, der Wagen kommt zum Stand. Stille. Den Schriftsteller Tomas Eldan (James Franco) trifft keine Schuld an diesem tragischen Unfall, ebenso wie den kleinen Christopher (Robert Naylor), der besser auf seinen Bruder hätte aufpassen können, oder Kate (Charlotte Gainsbourg), die Mutter der beiden, die die Kinder früher hätte ins Haus rufen sollen. Tomas fällt in ein tiefes Loch. Die Beziehung zu seiner Freundin Sara (Rachel McAdams) zerbricht an der Belastung. Tomas rettet sich in sein Schreiben. Aber darf er dazu Erfahrungen verarbeiten, die das Leiden anderer einbeziehen?

Der Film ‘Every Thing Will Be Fine’ von Regisseur Wim Wenders folgt seinem Versuch, dem Leben wieder einen Sinn zu geben und eine eigene Familie aufzubauen. Genau so folgt er auch Kate und Christopher, bis der 17 Jahre alt ist und sich entschließt, diesen Fremden wiederzusehen, den er nur einmal, an jenem verhängnisvollen Abend, getroffen hat.

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Regie: Wim Wenders
Schauspieler: Charlotte Gainsbourg, James Franco, Peter Stormare, Patrick Bauchau, Marie-Josée Croze, Rachel McAdams, Robert Naylor, Julia Sarah Stone, Lilah Fitzgerald, Jack Fulton
Produktionsland: Deutschland, Kanada, Schweden, Frankreich, Norwegen
Produktionsjahr: 2015
Gerne: Drama

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One Response to “Every Thing Will Be Fine | Charlotte Gainsbourg | James Franco | Wim Wenders | BlitzKritik”

  1. franziska-t says:

    Mir erging es mit James Franco anders. Hier liefert er nach sehr langer Durststrecke, hauptsächlich bestehend aus Seth-Rogen-Quatschkomödien, eine ordentliche Leistung ab. Der 3D-Effekt ist dagegen völlig sinnlos. Die Idee, nämlich 3D nicht nur dem Actiongenre zu überlassen, ist aber grundsätzlich ganz löblich.

    https://filmkompass.wordpress.com/2015/05/06/every-thing-will-be-fine-3d-omu-2015/

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