Posted by herr.filmtanz on Aug 12, 2016

Mülheim Texas – Helge Schneider hier und dort | Kritik

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“Ich rebeliere gegen die Normalität, gegen den Irrsinn der Normalität.” (Helge Schneider)

„Den grauen Alltag mache ich mir selber bunt“, schreibt Helge Schneider über sich. Musik, Filme, Konzerte, Bücher sind das in seiner Vielfalt kaum zu fassende kreative Ergebnis dieser selbst gestellten Aufgabe. In seiner Welt existiert das Fantastische neben dem Alltäglichen und es ist nur schwer auszumachen, wo die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion verläuft. Das gilt erst recht bei Schneiders Konzerten im direkten Dialog mit seinem Publikum.

Doch wie reagiert der Künstler Helge Schneider auf einen Filmemacher, der sich ihm nähert, um ihn zu portraitieren? Schnell wird deutlich, dass Helge seine Geheimnisse nicht auf dem Silbertablett darreichen wird. Er hat es nicht gerne, wenn einer zu viel über ihn weiß. Eine hochspannende Ausgangslage für Filmemacherin Andrea Roggon, die sich in ihrem Debüt-Film MÜLHEIM TEXAS – HELGE SCHNEIDER HIER UND DORT auf die Spur des Ausnahmekünstlers begeben hat.

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Direkt nach dem Film habe ich mich gefragt, wer ist denn diese Regisseurin Andrea Roggon, welche Helge Schneider so dicht an sich heran gelassen hat ? Ein bereicherndes Interview mit ihr, liefert ein Bild der Zusammenarbeit.
Im folgenden ein kleiner Auszug der Gedanken von Andrea Roggon, im Interview auf der Webseite zum Film.
MÜLHEIM TEXAS – INTERVIEW ANDREA ROGGON

Man hat den Eindruck, dass auch der reale Ort Mülheim für Helge Schneider sehr inspirierend sein kann.

Ich glaube, dass er sich sehr mit der Stadt identifiziert, dass er daraus schöpft. Viele Figuren in seinen Filmen und viele seiner Rollen sind an diese Mülheimer Typen angelehnt. Er hat, glaube ich, eine große Liebe zu den Menschen da. Und die behandeln ihn eben auch wie einen von ihnen. Der ist da schon auch ein bunter Vogel, und trotzdem kann er in einen Laden gehen, ohne dass jetzt alle ein Foto machen.

Wie kam der Kontakt zwischen Ihnen und Helge Schneider zustande?

Ich habe einen familiären Kontakt, weil meine Mutter ihn aus ihrer gemeinsamen Jugendzeit in Mülheim kennt. Es war eigentlich eher eine Eingebung, dass ich irgendwann gedacht habe, es würde mich interessieren, etwas mit Helge Schneider zu machen. Ich habe ihn dann einfach angerufen, und wir haben uns getroffen, als er in Stuttgart war. Ich hatte damals noch keine konkrete Idee, wie der Film aussehen könnte, und vielleicht fand er das gerade interessant, dass da etwas Offenes und Freies war. Am Anfang stand ganz einfach die Frage, ob es zwischen uns eine Möglichkeit gibt, diesen Film zu machen, ein Interesse, zusammen auf so eine Reise zu gehen. Und Helge Schneider hat gesagt: „Ja, schreib‘ doch mal was auf. Mach‘ doch mal.“

Sie haben über einen Zeitraum von fast vier Jahren gedreht. Wie haben Sie Drehorte und Drehtermine festgelegt? Wie genau war die Planung bzw. wie spontan waren die Drehzeiten?

Das war fast alles so spontan, wie es für einen Film eigentlich gar nicht geht. Die Pläne, die wir gemacht hatten, haben eigentlich nie geklappt, und alles, womit wir nicht gerechnet hatten, hat stattgefunden…
MÜLHEIM TEXAS – INTERVIEW ANDREA ROGGON

Die Regisseurin Andrea Roggon hat, in den fast vier Jahren der Zusammenarbeit zusammen mit Helge Schneider, eine Schwingung erschaffen, welche allen Fans das Herz hüpfen lässt. Es zeugt von einem großen Vertrauen zwischen den beiden, solch ein Werk zu erschaffen. Helge ist kein Clown zu dem man sagt “Der Clown, der Clown, ist immer lustig anzuschauen”. Vielmehr blickt man – soweit es Helge erlaubt, tiefer unter die spontan und geniale Oberfläche, und nach dem Film auch intensiv in sich selbst. Genial sind die Momente des inneren Gesprächs mit Helge Schneider, in einer von der Aussenwelt isolierten Interview-Studio-Szene. Ich habe wie angetakkert die Schwingung des Lebensraums der Leinwand veratmet, konzentriert der Mimik von Helge folgend.

Den eigenen Helge im Herzen zu fühlen und zu leben, ist die Botschaft für eine glückliche Lebensschwingung. Niemand sollte in seinem Leben nur eine Rolle spielen, sondern seine eigene Rolle aus tiefstem Herzen. Das eigene Leben ist eines dieser Instrumente, welches unglaublich schwer zu spielen ist. Mit den Gewürzen Ruhe, Konzentration und ungeschminkter Spontanität kann man auch seinen eigenen Lebens- und Klangraum farbenfroher gestallten.

So ein Werk habe ich mir schon immer gewünscht :-) Andrea Roggon und Helge Schneider haben es großartig gemacht. Mit solch einem Strahlen und Lächeln kommt man selten aus dem Kino. Vielen Dank an die beiden, für dieses lebendige Lebens-Roadmovie MÜLHEIM TEXAS  😀

Die Menschheit braucht mehr Helge im Herzen!

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Regie: Andrea Roggon
Kamera: Petra Lisson
Hauptdarsteller: Helge Schneider
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2015
Genre: Roadmovie, Dokumentation
DVD-Start: 23.10.2015

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