Posted by herr.filmtanz on Aug 14, 2013

Kitchen Stories – Salmer fra kjøkkenet

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1944 entsendet das schwedische Hauswirtschafts-Forschungs-Institut HFI seine vielen Beobachter in ein norwegisches Dorf, das Verhalten von Junggesellen in ihrer Küche zu beobachten. Der Beobachter Folke wird der anfänglich recht unzugängliche aber dann doch neugierige Isak zugeteilt. In einer sehr kurzen Szene am Anfang sieht man Isak aus dem Pferdestall kommen, kurz danach öffnet er ihm doch die Tür. Auf mich wirkt es bereits hier so, als würde er gerne über etwas reden wollen, verstehen wird man diese Szene aber erst ganz am Ende des Films.

Die Aufgabe von Folke ist in einem Hochstuhl in der Küche von Isak zu sitzen und Folke zu beobachten. Es ist nicht erlaubt mit Isak zur reden, die Küche zu verändern oder gar eine Freundschaft aufzubauen. Folke sitzt also jetzt in der Küche in seinem Hochstuhl und sollte eigentlich Isak beobachten. Das Problem ist nur das Isak das Experiment, das sich im Bild in einem fantastisch stillem und zum umwerfen komischen Humor darstellt, boykottiert wie er nur kann. Da lässt Isak in der Küche auch schon mal gerne den Wasserhahn tropfen, macht das Licht in der Küche aus und kocht dann eben oben im Schlafzimmer. Folke darf in der Zeit die dunkle menschenleere Küche beobachten. Wie gesagt, Folke darf in die Szene nicht eingreifen. Auf der anderen Seite scheint sich das Schlafzimmer von Isak, im ersten Stock, sich selbst so langsam zu einem Beobachtungszimmer zu entwickeln.

In einer weiteren Szene steht Isak wieder im Pferdestall und sagt “Warum willst du nicht gesund werden ?” Nachdem Folke zuvor den Versuchsaufbau in der Küche sehr empfindlich gestört hat, er hat einen Salzstreuer in Abwesenheit von Isak  verwendet. Ein kleiner Salzstreuer der hier ein Auslöser für den Beginn einer Freundschaft werden soll. Es ist auch die erste Szene in dem Film in der Isak überhaupt zu Folke spricht und sagt “Komm runter und trink einen Kaffee”.

Ab diesem Moment beginnt eine wunderbare Veränderung und Annäherung von Isak und Folke, die doch so verschieden sind. Isak hat es aber vom ersten Moment an verstanden, wie soll man etwas verändern ohne miteinander zu reden ? Und Isak hat sehr viel zu erzählen und auch beizutragen :-) Tiefgreifende Gespräche beginnen zwischen den Beiden, die aber immer mit einem Humor ausgestattet sind, wie es nur ein Regisseur aus skandinavischen  Ländern vermag zum Zuschauer zu transportieren.

Ich habe selten einen Arthouse Film gesehen der so gekonnt mit einem feinfühligen Humor daherkommt. Es ist ein gesellschaftlicher Humoranstrich, den hier der Regisseur Bent Hamer untermalt, mit im Grunde einer dramatischen Story die einen auch sehr traurig macht.  Das Ganze bleibt dabei aber zu jeder (fast) Zeit einfach unvergessen komisch, ohne dabei die Melancholie in den Vordergrund zu rücken. Es ist doch klar, wo Humor ist ist auch Schicksal. Sehr sicher bin ich nach dem lesen verschiedener Kommentare zu dem Film, die meisten Zuschauer haben den tragischen Aspekt in diesem Film nicht mal mitbekommen. Na dann schaut diesen tollen Film nach 100 weiteren Arthouse Filmen einfach nochmal :-)

Die Bilder haben mich seit dem ersten Anschauen vor vielen Jahren irgendwie nicht mehr losgelassen. Und es waren auch Bilder in meinem Kopf mit dem Hochstuhl von Folke in der Ecke in der Küche, die immer mehr mein Verhalten in Bezug auf diese leckere Kost, den Film verändert haben. Ich war vor sehr vielen Jahren alles andere als ein Arthouse Fan. Hauptsache es macht richtig Krach und Lärm, der Inhalt war da echt Nebensache.

LinaLuna, die liebe Arthousefrau, war dann auf einmal zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben. Und sie hatte es echt schwer mir diese fantastische Art von Film nahezubringen. Was war ich bockig und die meiste Zeit bin ich bei den Arthouse Filmen auch einfach eingepennt. “Zu langweilig, ich will das nicht.” Es brauchte aber leider noch weitere Jahre, bis es endlich bei mir “Klick” machte.  Heute bin ich LinaLuna sehr sehr dankbar, dass sie mir ein Tor zu dieser so tollen Filmwelt eröffnet hat. Vielen Dank LinaLuna :-) Auf der anderen Seite aber auch traurig über mich selbst, warum konnte der Blendentanz dieses Glück nicht teilen ? Ich denke, das ist in sich selbst eine Arthouse Geschichte.

Arthouse rockt :-) Eine ganz grosse Liebe.

Marktforscher sind ein Übel. Erst recht, wenn die Datensammler im eigenen Haus ihre Zelte aufschlagen. Für den kauzigen Single Isak wird dieser Alptraum wahr, als in seinem norwegischen Dorf das schwedische Forschungsinstitut für Heim und Haushalt einfällt. In einer Studie soll das Verhalten von Junggesellen in ihrer Küche untersucht werden und bei Isak wird dazu Folke als Beobachter auf einem Hochsitz postiert. Jeglicher Kontakt zwischen den beiden ist verboten, um die Ergebnisse nicht zu gefährden. Doch schon bald macht sich Isak einen Spaß daraus, das Experiment zu boykottieren. Nach und nach bricht die Versuchsanordnung zusammen.

Originaltitel: Salmer fra kjøkkenet
Genre: Comedy
Regie: Bent Hamer
Schauspieler: Joachim Calmeyer, Tomas Norström, Bjørn Floberg, Reine Brynolfsson
Produktionsland: Norwegen, Schweden
Kinostart: 2005
Laufzeit: 95 Minuten
FSK: 0

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One Response to “Kitchen Stories – Salmer fra kjøkkenet”

  1. LinaLuna says:

    Hach ja, den sollte ich mir auch mal wieder ansehen. Ist und bleibt einer meiner Lieblings-Arthouse-Filme. :)

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