Posted by herr.filmtanz on Jan 6, 2016

Southpaw | Jake Gyllenhaal | Kritik

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Trauerarbeit mit Jake Gyllenhaal

Ich habe mich gestern zunächst innerlich geweigert, den gefühlt Hundertsten Film über Boxen anzuschauen. In meiner Filmseele ist aber auch das sehr intensive Schauspiel von Jake Gyllenhaal in “Brokeback Mountain” und “Nightcrawler” unauslöschbar gespeichert im Herzen. Dazu kam, daß Marco von Duoscope zu SOUTHPAW einen sehr interessanten Beitrag geschrieben hat, bei dem ich mich dann gefragt habe “Wie meint er das?”, “Was gibt es neben dem Boxen zu entdecken?”, “Was denkt er da?”.

“… Ja, SOUTHPAW hat von der ersten bis zu letzten Sekunde diese ganz gewisse Aura … Simpel und Unterhaltsam genug, um nicht in die Arthouse-Ecke zu rutschen, aber doch mit ausreichend Gehalt und Tiefsinn, um sich von den seelenlosen, auf Massentauglichkeit getrimmten Blockbustern abzuheben …” – Duoscope Southpaw 

Nachdem Billy Hope (Jake Gyllenhaal), in dem anfänglichen Boxkampf für das Wohl seiner Familie, dieses Luxusleben, richtig Prügel bezieht, bevor er die Show für sich entscheiden wird, folgte eine kleine Rede auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung. Es war genau der Moment, bei dem plötzlich eigene Erinnerungen erwachten, es intensiv wurde. Ich sagte dann zu mir “Blende jetzt einfach den Klischee-Baukasten aus, zusammen mit dem Boxen, und fühle die Aura welche Billy Hope in diesem Moment umgibt”. Als Billy Hope, mit seinem in diesem Moment sehr sensiblen Seelenkostüm von einem potenziellen Rivalen sehr hässlich provoziert wird, kracht es aus im heraus, es gibt verdiente Prügel – einen Moment bei welchem ich sehr gut mitfühlen konnte. In diesem Menschengemenge kommt es im Folgenden zu einem Schuss, zu einem tragischen Tod.

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Im Kern fand ich mich in SOUTHPOW, zusammen mit Billy Hope (Jake Gyllenhaal), plötzlich in den Phasen der Trauerarbeit wieder. Die “Schockphase”, “Die intensiv ausbrechenden Emotionen verbunden mit Hass, Zorn, Wut und unkontrollierten Aggressionen”. Nach diesem tiefen Tal, folgte das Suchen, das Finden, das Loslassen, um mit Akzeptanz einen Neuanfang schaffen zu können.

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Konzentriert man sich bei SOUTHPOW ausschließlich auf die intensive Verkörperung der Trauerarbeit in diesem Vater-Tochter-Drama, wird man von der Aura von Jake Gyllenhaal eingesaugt, wird belohnt. Was danach in Erinnerung bleibt ist das grandiose Schauspiel von Jake Gyllenhaal, zusammen mit Oona Laurence – sie spielt die Tochter. Manchmal schaut man einen Film mit einem weinenden Herzen, ist dankbar für ganz leise und emotionale Momente auf der Leinwand. Kein Boxfilm, ein Film über das (Über)Leben.


Den Titel des Boxweltmeisters hat sich Billy Hope (Jake Gyllenhaal) hart von ganz unten erarbeitet, nicht zuletzt dank der unermüdlichen Unterstützung seiner geliebten Frau Maureen (Rachel McAdams), die im Hintergrund die Fäden zieht. Doch ein Schicksalsschlag, durch den auch das Leben von Billys kleiner Tochter aus den Fugen gerät, zerstört jäh die Idylle. Als ihn dann auch noch sein langjähriger Freund und Manager (Curtis ’50 Cent’ Jackson) im Stich lässt, fällt Billy ins Bodenlose. Erst als Box-Coach Tick Wills (Forest Whitaker) ihn unter seine Fittiche nimmt, ist Billy bereit, sich wieder in den Ring zu wagen und sich dem härtesten Kampf seines Lebens zu stellen: dem Kampf gegen sich selbst…

Nach einer Story von ‘Sons of Anarchy’ Erfinder Kurt Sutter erzählt Regisseur Antoine Fuqua (u.a. ‘Training Day’ 2001 und ‘The Equalizer’ 2014) in einer explosiven Mischung aus Action und Emotion von einem sportlichen und persönlichen Comeback. Mehr als fünf Monate bereitete sich Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal mit intensivstem Training vor und fasziniert nicht nur mit einer unglaublichen körperlichen Verwandlung und boxerischem Talent, sondern auch durch sein sensibles und zugleich starkes Spiel in dieser facettenreichen Rolle. An seiner Seite glänzen Oscar-Preisträger Forest Whitaker, Rachel McAdams sowie Naomie Harris, Rita Ora und Curtis ’50 Cent’ Jackson. Neben der meisterhaften Filmmusik von Oscar-Preisträger James Horner produzierte niemand Geringeres als US-Rapper Eminem den pulsierenden Soundtrack zum Film.


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Regie: Antoine Fuqua
Hauptdarsteller: Tyrese Gibson, Jake Gyllenhaal, Forest Whitaker, Rachel McAdams, Naomie Harris, 50 Cent, Rita Ora
Gerne: Drama
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2015

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2 Responses to “Southpaw | Jake Gyllenhaal | Kritik”

  1. Marco says:

    Schöne Review, die ich leider erst jetzt entdecke! o.O (Wie kommt das?!?)
    Freue mich natürlich auch, dass ich dich ein bisschen ermuntern konnte, diesen wirklich schönen, kleinen Streifen gesehen zu haben!

  2. herr.filmtanz says:

    Danke Marco :-) Die vergangenen Wochen habe ich meine Gedanken weitestgehend mit meinem Blog besprochen. Gerne würde man sich die Zeit zurückwünschen, als das Bloggen die konzentrierte Form des Austausches darstellte. Das schnelle Monster FB hindert mich manchmal, mich selbst noch denken zu hören. Das könnte der Grund sein, warum viele Gedanken es nicht in die Social Communities geschafft haben.

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