Paris, Texas | Wim Wenders | Kritik | ARTHOUSE CINEMA
Posted by herr.filmtanz on Jul 27, 2015

Paris, Texas | Wim Wenders | Kritik

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Ich habe mich bei diesem Meisterwerk von Wim Wenders sehr bewusst dazu entschieden euch nur die ersten zwei Minuten Intro Szene zu zeigen. Ich hatte selbst auch, vor diesem Film, nur die Intro Szene gesehen. Eine Entscheidung für die ich heute noch sehr dankbar bin. Ich wusste einfach nicht wo die Reise in dem Film hingeht, eine Reise die sich in meinem Gehirn sehr intensiv angefühlt hat. Ich empfehle euch dieses mir gleichzutun.

Am Anfang sehen wir Travis (Harry Dean Stanton), der 4 Jahre verschollen war, wie er durch die texanische Wüste querfeldein läuft. Als Zuschauer fragt man sich in diesem Moment, was bedeutet seine Wanderung, wo kommt er her, was ist passiert, was ist sein Ziel. Es wirkt wie eine Reise mit einer unbekannten Vergangenheit und einem ebenso unbekanntem Ziel. Menschen lassen in ihrem Leben Dinge hinter sich und sind auf der Suche. Travis hat eine rote Mütze auf, eine Farbe die uns in dem Film durchgehen bis zum Schluss begegnet. Rot, die Farbe der Liebe, die bebildert ein Bettüberzug sein kann, eine Schrift auf einer Leuchtreklame, eine rote Hose einer Frau, ein rotes Auto, diese Farbe ist in diesem Film immer präsent. Aber auch die Farbe Grün, die Farbe der Hoffnung ist bereits nach 30 Minuten in dem Film schon oft im Bild gewesen, bei genauer Beobachtung. Eingesetzt wird die Farbe Grün aber nicht als Leitmotiv, man muss schon genau hinschauen.

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Travis wird ganz am Anfang nach einem körperlichem Zusammenbruch von seinem Bruder Walt abgeholt. Anfänglich redet Travis kein Wort was passiert ist in den vier Jahren, er scheint verstummt. Und bis zur Aufklärung hat Wim Winders noch sehr viel vor mit dem Zuschauer. Travis taut im Zuge des Films sehr sehr langsam auf, beginnt zu reden und man erlebt auch eine Szene die dem Zuschauer eine Ahnung liefert, um was es bei der Farbe Rot gehen könnte. Travis hat einen Sohn Hunter der seit seinem Verschwinden bei seinem Bruder Walt und dessen Frau aufwächst. Der Sohn Hunter sagt über Travis zu diesem Zeitpunkt noch “Das ist der Bruder Travis von meinem Vater Walt”. Man kann die Angst spüren der Beteiligten in dieser Situation.

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Travis und sein Sohn nähern sich in einer wunderschönen intensiven Weise einander an. Der Zuschauer hat zu diesem Zeitpunkt bereits die Familie Travis+Hunter und auch die Mutter gesehen. Auch die Reaktion auf das Familienvideo, das Travis von Walt präsentiert wurde, ist dem Zuschauer bekannt. Zu einer Familie gehören drei Personen.

Ab diesem Zeitpunkt beginnt eine intensive Entwicklung zwischen Travis und Hunter. Gemeinsam machen sich die beiden auf die Reise, eine Reise mit einem Ziel in der Farbe Rot. Eine gemeinsame Reise die für beide etwas bewegen und verändern wird, aber auch was Neues schaffen wird.

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Wim Wenders hat es hier für mich geschafft mein Gehirn mit unglaublichen Bildern aufzuladen, unvergessene Bilder. Er liefert Bilder die sich wie eine Fotografie sehr tief in das Gehirn eingraben. Ich hatte bei dem Film den Eindruck selbst durch diese texanische Wüste gelaufen zu sein und in diesem Moment des verdurstens den Kühlschrank am Anfang aufgemacht zu haben. Ein Weg durch eine Wüste die sich in einer nie wieder vergessenen Szene ergießt.

Zu einem Zeitpunkt in dem Film bekommt der Zuschauer Aufklärung. Eine Aufklärung die wirkt wie eine Entlastung. Ich habe nach dem Film eine Stunde in der Kälte auf dem Balkon gesessen und war entspannt und innerlich aufgeregt mit mir selbst. Intensiver kann die Wahrheit durch Travis im Gespräch mit Ihr nicht transportiert werden.

Virtuos komponiert Wim Wenders der Wunderbare dieses Lebens-Roadmovie ‘Paris, Texas’. ‘Paris, Texas’ ist ein atemberaubend fotografiertes Meisterwerk von Film.

Vier Jahre nach seinem Verschwinden taucht der tot geglaubte Travis Henderson (Harry Dean Stanton) in einer Steinwüste nahe der mexikanischen Grenze auf. Ein Arzt benachrichtigt seinen Bruder Walt (Dean Stockwell), der den erinnerungslosen Mann in seinem noblen Haus in L.A. aufnimmt. Bei Walt trifft Travis auch auf seinen siebenjährigen Sohn Hunter (Hunter Carson), der seit der Trennung seiner Eltern bei seinem Onkel lebt. Zögerlich kehren Travis’ Erinnerungen zurück und auch sein zurückhaltender Sohn fasst langsam Vertrauen. Gemeinsam mit Hunter begibt sich Travis auf die Suche nach seiner verschollenen Frau Jane (Nastassja Kinski). Der Beginn einer abenteuerlichen Odyssee durch den kargen Südwesten Amerikas.

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Genre: Drama
Regie: Wim Wenders
Schauspieler: Harry Dean Stanton, Nastassja Kinski, Hunter Carson
Produktionsland: Frankreich, Großbritannien, USA , BRD, Deutschland
Kinostart: 1984
Laufzeit: 147 Minuten
FSK: 12

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One Response to “Paris, Texas | Wim Wenders | Kritik”

  1. LinaLuna says:

    Von mir auch 5 Sterne! 😉 Einer meiner Lieblingsfilme. :-)

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