Posted by herr.filmtanz on Feb 7, 2016

The Visit | Deanna Dunagan | M. Night Shyamalan | Kritik

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Ich sehe das adrige, deformierte Ant­litz der Welt

Man sollte denken, es gibt nichts schöneres auf der Welt, als eine Woche Urlaub bei den Großeltern auf einer entlegenen Farm zu verbringen ? Die 15-jährige Becca (Olivia DeJonge) und ihr 8-jähriger Bruder Tyler (Ed Oxenbould) begeben sich auf solch eine Reise, nachdem sich ihre Mutter (Kathryn Hahn) vor vielen Jahren mit ihnen verworfen hat. Die Großeltern möchten ihre Enkelkinder endlich mal kennenlernen. Ausgestattet sind die beiden Geschwister mit einem umfangreichen Kameraequipment, schliesslich soll alles, angelehnt an das Found-Footage-Format, dokumentarisch festgehalten werden.

Zunächst verläuft bei den Großeltern Nana (Deanna Dunagan) und Pop Pop (Peter McRobbie) alles so harmonisch, wie man sich einen Empfang als Kind so vorstellt. Im Hinterkopf hat man als Zuschauer in diesem Moment aber auch die Worte der Mutter, welche nicht darüber reden wollte, warum es zu einem Streit gekommen ist. Sie sagt, meine Großeltern sind gute Menschen, wenn sie möchten, erzählen sie es euch. Vor der ersten Nacht tritt dann der Großvater ins Zimmer der beiden Enkel und verkündet die Regeln: Nicht die Zimmertür nach 21:30 öffnen und nicht in den Keller gehen, dort befindet sich Schimmel. Sicherlich ist natürlich bekannt, dass Kinder die Verhaltensweisen von Großeltern etwas merkwürdig und sonderbar finden. Was die Enkel hier – durch ihre Neugier angetrieben – angefangen mit komischen Geräuschen in der Nacht, bis zu schauderhaft mysteriösen Ereignissen erleben, stellt einem die Nackenhaare auf und zieht die Muskulatur hinter den Ohren zusammen.

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Köstlich sind die Erklärungen des Opas, wenn er das mysteriöse Verhalten der Oma den Kindern erklärt. Hat man sich Sekunden später noch perfekt verjagt (erschrocken) gefühlt, bricht man genau so schnell in Lachen aus und denkt sich “Kind im Ofen? Die Oma macht jetzt nicht die Klappe zu?”. Aber lassen wir einfach mal das Kind im Ofen, man sollte möglichst wenig über den Film wissen, so macht er am meisten Spass.

Besonders Loben möchte ich die Schauspielerin Deanna Dunagan, welche hier die Rolle der Großmutter spielt. Es ist großartig und überzeugend, wie sie zwischen den Charterzeichnungen ihrer Rolle wechselt, mit einer Reichweite von Wahnsinn über Glück bis zu traurig berührend und Mitgefühl durch den Zuschauer.

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M. Night Shyamalan (THE SIXTH SENSE 1999) hat nach seiner Schussfahrt ins Tal der goldenen Himbeeren offenbar seinen neuen Regie-Drehbuch-Taktstock gefunden. Es ist ein Taktstock, welcher mit deftigem Humor dirigiert, dem Zuschauer einen düsteren und grandiosen Horror in den Nacken treibt, daß alles mit einem Wechsel des Genres innerhalb von Sekunden. Was die Leinwand dringend wieder braucht, ist ein erfrischender und verrückter Wind. Großes Lob und vielen Dank, M. Night Shyamalan 😀

Für mich ist dieses Werk von M. Night Shyamalan auch ein leiser Protest gegen dieses anhaltend keimfrei Kino, bei dem man sich genau so gut vor eine leere Wand setzen kann, um dabei bestimmt mehr Spass im Geiste zu haben.

“Ich sehe das adrige, deformierte Ant­litz der Leinwand”. Auch diesen Gedanken kann man nach diesem Werk formen, wer sich gedanklich animiert fühlt. Man könnte sogar soweit gehen, hier über die Menschlichkeit und die Entfremdung der Menschen nachzudenken. In der Tiefe ist es ein sehr berührendes Werk.

Einfach mal die Tür freudig grunzend 20x laut auf und zu schlagen, es tut nach diesem Werk erfrischend gut 😀

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Die alleinerziehende Mutter Paula (Kathryn Hahn) denkt sich nichts Böses dabei, als sie ihre Kinder Becca (Olivia DeJonge) und Tyler (Ed Oxenbould) für einen einwöchigen Urlaub zu Oma und Opa schickt. Auf der abgelegenen Farm kommen die Kids schnell dahinter, dass die alten Leute ein verstörendes Geheimnis haben.
Doch was verbirgt sich hinter der Vorschrift, dass sie das Zimmer abends nach halb zehn nicht mehr verlassen zu dürfen? Als sie es herauszufinden versuchen, nimmt das Unheil seinen Lauf, und die Chancen, noch einmal nach Hause zurückzukehren, schwinden rapide.

‘The Visit’ ist der neue Schocker aus der Feder von M. Night Shyamalan, der sich mit einer Mischung aus überraschendem Thriller und übersinnlichen Elementen an seinen großen Erfolgen ‘The Sixth Sense’ von 1999 und ‘Unbreakable – Unzerbrechlich’ von 2000 orientiert.

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Regie: M. Night Shyamalan
Hauptdarsteller: Kathryn Hahn, Ed Oxenbould, Peter McRobbie, Olivia DeJonge, Benjamin Kanes
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2015

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