Posted by herr.filmtanz on Feb 8, 2016

DER MARSIANER | Matt Damon | Ridley Scott | Kritik

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Matt Damon und das Fliewatüüt

“FUCK!”. Es ist das erste Wort welches Mark Watney (Matt Damon) ausspricht, und dazu hat er sichtlich jeden Grund. Bei einem schweren Sturm auf dem Mars, bei welchem Windgeschwindigkeiten von bis zu 400 Kilometern herrschen, bringt sich die restliche Crew mit einem Rettungsschiff in Sicherheit, während Mark – für Tod erklärt – verwundet im Marssand liegt. Nach einem selbst-invasiven Eingriff, bei welchem er sich ein Trümmerteil aus der Bauchdecke entfernt, ist er ab diesem Moment sicherlich mit der einsamste Mensch im Sonnensystem. Man sollte schon bei dem Sandsturm, bei welchem auch große Teile herumgeschleudert werden – was kompletter Unsinn ist, sich besser in den Robison-Crusoe-Modus schalten. Hier geht es um etwas sehr exis­ten­zi­elles, das Überleben in einer menschenfeindlichen Umgebung, ganz alleine auf sich selbst gestellt. Im Kern könnte der Film also genauso gut auf einer einsamen Insel spielen oder auch in einem Sarg, wie bei “Buried”. Uns Menschen faszinieren Geschichten über einsame Menschen in extrem Situationen, weil es zugegeben wirklich ein sehr spannendes Thema ist. Also Wissenschaft bei Seite legen und rein in dieses Unterhaltungskino von Ridley Scott (ALIEN).

Die meisten Menschen scheissen jeden Tag auf diesen Planeten, welchen wir mit Füssen treten und ausbeuten. Mark ist Biologe und wird seine eigenen Exkremente als Dünger verwenden, um damit der erste Kartoffel-Biobauer auf dem Mars zu sein. Auch auf die Frage, wie bekomme ich genügen Wasser für diese Kartoffelpflanzen, hat er eine Lösung. Er entwickelt aus dem Raketentreibstoff N2H4, mit Hilfe einer echt ziemlichen coolen Apparatur, einen chemischen Prozess, um H2O zu erzeugen. Ein sehr gefährliches Unterfangen, was hier aber wunderbar funktioniert und dem Zuschauer großen Spass macht 😀

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Überhaupt ist es dieser Nerd-Humor, wenn man Mark bei seinen Selbstgesprächen zuhört, während er die Dashcam vollquatscht, dazu in seinem Mars-Rover Disco-Musik hört, bei welchem man fast vom Kinosessel fliegt vor Lachen. Psychologisch gesehen ist das Selbstgespräch und die Selbstironie ein sehr wichtiges Werkzeug, um in scheinbar ausweglosen und einsamen Situationen nicht den Verstand zu verlieren. Richtig Freude in den Backen hat man dann auch, wenn Waterloo von ABBA gespielt wird – die erste Single mit welcher sich ABBA international in den Charts platzierte. Drei Dinge würde ich auf eine einsame Insel mitnehmen. Dazu gehört unbedingt auch eine Musik-Sammlung von ABBA, dazu natürlich Boney M, und auf jeden Fall der Film “Tausendschönchen”. Dieses ist aber ein anderes Thema.

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Klar ist auch, daß wir hier nicht in dem Film “Into the Wild” von Sean Penn sind. Der Zuschauer möchte unterhalten werden und irgendwie auch aus seiner Einsamkeit gerettet werden. Mir persönlich währe es viel lieber gewesen, diesem Kammerspiel auf dem Mars länger beizuwohnen, als wieder mal ein durchaus redundantes Hollywood-Blockbuster-Ende zu feiern.

Es ist schon ein Vergnügen, Matt Damon in dieser mit Nerd-Humor garnierten Robinsonade im MacGyver-Kostüm beizuwohnen. Für mich ein vergnügliches Psychogramm zum Nachdenken darüber, wo ich mich im Biotop-Menschheit am wohlsten fühle. Eigentlich ist es ein Wunder, daß wir Menschen, mit der Art und Weise wie wir mit diesem wunderbaren Planeten Erde umgehen, überhaupt so lange überlebt haben.

Sicherlich, MacGyver hätte eine Butterbrotdose, eine Hand voll Gewürze und ein Gaffa-Band genügt, um vom Mars zurück auf die Erde zu fliegen. DER MARSIANER fühlt sich an wie ein Fliewatüüt mit Nerd-Humor, und das meine ich nicht negativ. Auf den Zuschauer überträgt sich der Spass, welchen Matt Damon in seiner Rolle hat. Ein durchaus cooler und vergnüglicher Tripp 😀

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Während ein gewaltiger Sandsturm die Not-Evakuierung der NASA-Basisstation auf dem Mars erfordert, wird der Botaniker Mark Watney (Matt Damon) fortgerissen und man glaubt, er sei ums Leben gekommen. Da der immer stärker werdende Sturm die Landefähre zu zerstören droht, gibt Commander Melissa Lewis (Jessica Chastain) schweren Herzens den Befehl, die Suche nach Watney abzubrechen und mit den verbliebenen vier Crewmitglieder zu starten, bevor es zu spät ist. Aber Watney hat überlebt und versucht nun – vollkommen auf sich allein gestellt – auf dem unwirtlichen Planeten zu überleben. Mit seinem Einfallsreichtum, Überlebenswillen und dem Wenigen, das er hat, findet er einen Weg, der Erde zu signalisieren, dass er noch am Leben ist. Millionen Meilen entfernt arbeiten die NASA und ein Team von internationalen Wissenschaftlern unermüdlich daran, den ‘Marsianer’ heim zu holen, gleichzeitig planen seine Crewmitglieder eine waghalsige, wenn nicht gar aussichtslose Rettungsmission. Während dieses Vorhaben allen Beteiligten unglaublichen Mut abverlangt, rückt die Welt zusammen, um Watneys Rückkehr sicher zu stellen.

Meisterregisseur Ridley Scott konnte für sein neues Science-Fiction-Abenteuer ‘Der Marsianer’, das auf dem gleichnamigen Bestseller von Andy Weir basiert, ein hochkarätiges Starensemble gewinnen, darunter Matt Damon, Jessica Chastain, Kristen Wiig, Kate Mara, Michael Pena, Jeff Daniels, Chiwetel Ejiofor und Donald Glover.

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Regie: Ridley Scott
Hauptdarsteller: Matt Damon, Sean Bean, Kristen Wiig, Kate Mara, Jessica Chastain, Mackenzie Davis
Genre: Sci-Fi
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2015

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