Posted by herr.filmtanz on Mar 5, 2017

Eisenstein in Guanajuato | Elmer Bäck | Peter Greenaway | Kritik

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Eine virtuoses, frivoles Filmkunstwerk. Eine Hommage an Sergei Eisenstein.

Der sowjetische Regisseur Sergei Eisenstein gilt als einer der virtuosesten Regisseure, welcher je auf diesem Planeten Erde existiert hat. Es braucht nur ein Foto eines Kinderwagens, welcher auf einer 45 Grad Treppe steht, sofort spult sich dieser Teil der Filmgeschichte im Gehirn ab und man traut sich bei diesem Meisterwerk nicht mehr zu atmen. Wir reden von Panzerkreuzer Potemkin (UdSSR, 1925).

Ab der ersten Sekunde wird man in diesem Werk, von Peter Greenaway, auf eine Reise geschickt, bei der die eigene Filmseele, mit dieser visuell überwältigenden Fotografie, eine frivole und laute Party im Gehirn feiert. Der finnische Schauspieler Elmer Bäck verkörpert Sergei Eisenstein mit solch einer Intensität, fast möchte man sagen, er wirkt wie ein suchender und rastloser Flummi.

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“Eisenstein in Guanajuato” ist keine Grabrede, es ist eine universelle Liebeserklärung des Lebens. Es wirkt, als hätte der Regisseur Peter Greenaway die Leinwand von seinen Gitterstäben befreit, damit diese wieder tief in den Zuschauer eindringen kann.

Während die aktuelle Leinwand zunehmend nur noch eingeschlafene Füße zeigt, ist “Eisenstein in Guanajuato” eine fantastische und wahnsinnige Entdeckung. Ein grandios bestücktes Meisterwerk ohne Schüchternheit, welches zeigt, welche tollen Sachen man mit der Leinwand machen kann und sollte. Selten hat ein Liebesfilm so viel Schmerz und Spass bereitet. Mein Lob, aus tiefstem Herzen, geht an den finnischen Schauspieler Elmer Bäck – atemberaubend und großartig – er ist eine ganz große Entdeckung :-)

Großartig. Wild. Beflügelnd. Eindringlich. Inspirierend.

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Peter Greenaways Eisenstein in Guanajuato überraschte im Wettbewerb der Berlinale 2015 durch seine Komik, Freizügigkeit, filmische Dynamik und die Leichtigkeit der Inszenierung, mit der er eine der Ikonen der Filmgeschichte auf eine 10-tägige Entdeckungsreise schickt, die um die Wirk- und Fliehkräfte filmischen Schaffens und menschlicher Leidenschaften kreist.

1931, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, reist der sowjetische Filmemacher Sergej Eisenstein nach Mexiko, um dort einen neuen Film zu drehen: „Que viva México“. Und wie Mexiko lebt! Eine andere Kultur, andere Farben, eine andere Liebe, unverständliche Zeichen und Eindrücke und eine so andere Art mit dem Tod umzugehen. Unter der Obhut seines attraktiven Führers Palomino Cañedo beginnt für den unbeholfenen Meisterregisseur eine sinnenfrohe, alles in Frage stellende Entdeckungsreise.

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Regie: Peter Greenaway
Hauptdarsteller: Maya Zapata, Stelio Savante, Lisa Owen, Elmer Bäck, Luis Alberti
Gerne: Komödie, Biographie, Satire, Historienfilm, Romanze
Produktionsland: Frankreich, Niederlande, Belgien, Mexiko, Finnland
Produktionsjahr: 2015

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