Posted by herr.filmtanz on Nov 25, 2016

Madame Marguerite oder Die Kunst der schiefen Töne | Catherine Frot | Michel Fau | Kritik

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„Die Leute können vielleicht behaupten, dass ich nicht singen kann, aber niemand kann behaupten, dass ich nicht gesungen hätte.“ * Florence Foster Jenkins *

Das Leben der legendären Florence Foster Jenkins hat den Regisseur Xavier Giannoli zu diesem Werk inspiriert. Oft wurde sie verhöhnt, daß sie bei ihren Gesangsauftritten bei jedem Ton konsequent daneben liegt und wirklich kein Gespür für Rhythmus hat. Wir reden hier von Operngesang von Wolfgang Amadeus Mozart, Giuseppe Verdi und Richard Strauss. Ich selbst liebe klassische Musik und bin bestimmt im Stande, bei einem bekannten Werk auch nur eine leicht deplazierte Disharmonie zu hören und zu fühlen. Musik ist eine sehr komplexe Sprache, hier sollte es eine wunderbare (Lebens)Reise werden.

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Die Reise geht in das Jahr 1921, zu Beginn der Goldenen Zwanziger. Marguerite (Catherine Frot) verkörpert diese Florence Foster Jenkins. Wie bei einem Zeitsprung wird man sofort in die opulente und liebevoll inszenierte Szenerie eingesaugt. Autos, welche zu dieser Zeit noch eine Seele und einen eigenen Willen hatten und Menschen, welche kurz nach dem Ersten Weltkrieg, wohlfühlende Unterhaltung aufgesogen haben, wie ein Schwamm. Denkt man jetzt aber, Marguerite wird hier als Leid-Voyeurismus, zur Belustigung, vorgeführt, liegt man zum Glück komplett falsch. Vielmehr sind es im Laufe des Filmes die scheinbar normalen Menschen, welche irgendwann sehr unangenehm im Nachklang wirken, und man sich angehalten fühlt, auch über Menschen in unserer Zeit nachzudenken.

Madame Marguerite ist ein einzigartiger Mensch, welchen man immer mehr liebgewinnt im Laufe dieses Werks. Sie glaubt an sich, ist überzeugt von dem was sie tut, dazu gehört wirklich ungeheuer Mut. Es ist ein Hochgenuss, welche interessanten Menschen sie, bei ihrem Vorhaben, vor einer großen Menschenmenge zu singen, zur Seite gestellt bekommt, ganz großartig.

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Der Regisseur findet mit seinem Werk “Madame Marguerite” immer den richtigen Takt, niemals fällt ihm der Taktstock aus der Hand. Über Catherine Frot, sie verkörpert Madame Marguerite (Florence Foster Jenkins) mit einer unglaublichen Hingabe zur Figur, habe ich keine Sekunde gelacht, vielmehr möchte man sie umarmen. Man achtet sie, fiebert mit ihr mit, wenn sie die Kunst der schiefen Töne, des Lebens, zum mitfühlen greifbar macht und trifft. Ein besonderer Hochgenuss war es für mich, mit welcher Aura Michel Fau den gescheiterten Opernsänger spielt, ganz fantastisch, zum Niederknien :-)

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“Madame Marguerite”, ein ganz eigener Klangraum der Interpretation des Lebens, eine überraschende Reise mit Nachklang, eine kleine Entdeckung mit viel Herz :-)

1921, zu Beginn der Goldenen Zwanziger. Unweit von Paris findet wie jedes Jahr ein großes Fest auf Marguerite Dumonts (Catherine Frot) Schloss statt, auf dem sich eine Vielzahl von Musikliebhabern versammelt. Niemand weiß Genaueres über die Gastgeberin, außer dass sie reich ist, und dass sie ihr ganzes Leben ihrer großen Leidenschaft widmet: der Musik. Denn Madame Marguerite singt. Sie singt von ganzem Herzen, doch furchtbar schräg. Doch Marguerite lebt in ihrer eigenen Traumwelt und das heuchlerische Publikum, jederzeit bereit, sich auf Kosten anderer zu amüsieren, bejubelt sie als die Diva, die sie zu sein glaubt. Als eine junge, provokante Journalistin beschließt, einen überschwänglichen Artikel über ihren neuesten Auftritt zu schreiben, beginnt Marguerite umso mehr an ihr Talent glauben. Dies gibt ihr den Mut, den sie braucht, um ihrem großen Traum zu folgen. Trotz der Widerworte ihres Mannes Georges (André Marcon) und mit Hilfe eines sowohl humorvollen als auch gemeinen, abgehalfterten Stars probt sie für ihr erstes Konzert, welches vor einer Schar von wildfremden Menschen stattfinden soll.

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Regie: Xavier Giannoli
Hauptdarsteller: Catherine Frot, Christa Theret, Sylvain Dieuaide, André Marcon, Michel Fau, Aubert Fenoy
Gerne: Komödie, Drama
Produktionsland: Frankreich, Tschechische Republik, Belgien
Produktionsjahr: 2015

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