Posted by herr.filmtanz on Mar 5, 2016

Ich und Kaminski | Daniel Brühl | Jesper Christensen | BlitzKritik

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Wäre fast ein tolles Roadmovie geworden

Deutschland kurz vor der Jahrtausendwende. Sebastian Zöllner (Daniel Brühl), Kunstjournalist und Meister der Selbstüberschätzung, plant seinen großen Coup: ein Enthüllungsbuch über den legendären, aber fast vergessenen Maler Manuel Kaminski (Jesper Christensen), Schüler von Matisse und Freund von Picasso, der einst als blinder Maler Berühmtheit erlangte.

Der skrupellose und ehrgeizige Karrierist macht sich auf den Weg zu dem entlegenen Chalet hoch oben in den Alpen, wo der greise Künstler zurückgezogen und von Vertrauten abgeschirmt lebt. Er dringt in Kaminskis Haus, Leben und Vergangenheit ein und nimmt ihn kurzerhand mit auf eine halsbrecherische und irrwitzige Reise zu dessen tot geglaubter Jugendliebe. Unterwegs will er ihm mit List und Dreistigkeit seine Geheimnisse entlocken. Aber bald muss er feststellen, dass er dem Alten, ob blind oder nicht, in keiner Weise gewachsen ist.

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Wolfgang Becker (“Good Bye Lenin”) verfilmt hier den Roman “Ich und Kaminski” von Daniel Kehlmann, welchen ich leider nicht kenne. Dieses macht die Bewertung dahingehend schwierig oder vielleicht auch einfach, weil ich mich nur auf die Wirkung des Films beschränken kann.

Nach “Ich und Kaminski” habe ich mich dann selbst gefragt, was hast du aus dem Film mitgenommen, was wird dir in Erinnerung bleiben? Gut unterhalten wird man von Daniel Brühl in seiner Rolle als Kunstkritiker Sebastian Zöllner sicherlich. Irgendwann beschleicht einem dann aber das Gefühl, daß er zu sympathisch auf der Leinwand wirkt, in seiner Rolle als rücksichtsloser und selbstverliebter Kotzbrocken.

Denkt man an die durchaus großartigen Dialoge und an einzelne Szenen in “Ich und Kaminski”, fühlt man sich in diesen Momenten gut unterhalten, ist aber leider meilenweit davon entfernt, sie als durchgängig großartig zu bezeichnen – leider.
Auch als Roadmovie, ab der Mitte des Films, funktioniert “Ich und Kaminski” nur stellenweise und wirkt wie mit angezogener Handbremse fahren, bis auf den großartigen Gastauftritt von Denis Lavant (Holy Motors). Ebenfalls großartig, und in diesem Moment beginnt die Leinwand erneut zu Schwingen, ist die Szene mit Geraldine Chaplin.

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Insgesamt ist “Ich und Kaminski” von Wolfgang Becker (“Good Bye Lenin”) durchaus ansprechend und unterhaltsam, wirkt aber im Nachhall, als Gesamtwerk, doch zu träge. Meine Lieblingsszene ist ganz klar die mit dem alles überragenden Denis Lavant (Holy Motors). Dafür, und für den grandios kunstvollen Abspann, hat es sich dann doch gelohnt :-)

 

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Regie: Wolfgang Becker
Hauptdarsteller: Bruno Cathomas, Daniel Brühl, Jan Decleir, Jesper Christensen, Amira Casar, Geraldine Chaplin, Jördis Triebel, Denis Lavant
Genre: Drama, Komödie
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2015

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