Posted by herr.filmtanz on Apr 10, 2016

Am Ende ein Fest | Tal Granit | Sharon Maymon | Kritik

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Am Ende ein Kuss

“Leben heißt Leiden”, besagt ein buddistisches Sprichwort. Viele schöne Erinnerungen und Momente hat man in seinem Inneren gespeichert. Irgendwann kommt für jeden der Tag, an dem wir die Erde verlassen. Die israelischen Filmemacher Tal Granit und Sharon Maymon haben sich dem ernsten Thema Sterbehilfe angenommen; erzählt mit Humor und einer wohltuenden Leichtigkeit.

Würdevoll aus dem Leben zu scheiden, zu sterben, wenn schwere Krankheit jeden Tag zu einer Qual machen, ist ein Luxus. Jeder Mensch sollte die Freiheit haben selbst zu entscheiden, wann für ihn der Zeitpunkt gekommen ist. Keine menschliche Seele darf derart vergewaltigt werden und zum Zerrbild des eigenen Inneren werden, wie es von Ärzten jeden Tag praktiziert wird. Längst ist der Mensch in Momenten tiefster Verzweiflung und unheilbarer Krankheit zu einem wertvollen Wirtschaftsgut geworden. In der Sackgasse einer Palliativstation angekommen, sollte jeder Mensch selbstverständlich die Option des assistierten Todes wählen können. Das Hoheitsrecht über den Entscheid des eigenen Körpers obliegt ausschließlich jedem Menschen selbst. Es ist mein Körper, mein Leben, ich entscheide darüber, niemand sonst!

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“Am Ende ein Fest” schaut sich zunächst mit einer heiteren Leichtigkeit. Im Verlauf wird man als Zuschauer leiser und kehrt in sich. Eine Sterbemaschine zu bauen, für andere Menschen im Leiden, ist zunächst ein emotional distanzierter Vorgang. Was aber passiert, wenn ein geliebter Mensch den Knopf der Erlösung drücken möchte, er so in Erinnerung bleiben möchte wie er war? Man sollte diese Entscheidung achten und akzeptieren, diesen Menschen unterstützen, ohne zu hinterfragen. Nur wer liebt kann Leiden erlösen, bis zum letzten Kuss.

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Die israelischen Filmemacher haben mit “Am Ende ein Fest” ein beachtliches Werk komponiert, welches noch lange nachwirkt. Es regt zum Nachdanken über das Thema Sterbehilfe und die eigene Endlichkeit an. Anfänglich flott und heiter ist die sozialkritische Schwingung, mit einem deutlich hörbaren Nachklang in der eigenen Seele.

Wie eine leise lächelnde Träne, ein großes Geschenk im Herzen. Eine Umarmung von ganzem Herzen an die großartigen Schauspieler und die israelischen Filmemacher Tal Granit und Sharon Maymon. Ein heiteres Werk über den Herbst des Lebens – wundervoll, schelmisch und berührend :-)

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Eine Gruppe von Senioren hat sich im Altersheim um den 72-jährigen Yehezkel (Ze’ev Revach), einen Tüftler und Erfinder, zusammengeschlossen. Sie wollen Max (Shmuel Wolf), einem schwerkranken Freund, helfen das Sterben zu erleichtern. Zusammen mit einem pensionierten Tierarzt, der die Beruhigungsmittel besorgt, und einem ehemaligen Polizisten, der die Beweise verwischen soll, suchen sie nach dem besten Weg, um Max’ Wunsch zu erfüllen. Da keiner sich tatsächlich dazu überwinden kann, Max zu töten, baut Yehezkel eine Maschine, mit der der Sterbende sich selbst töten kann. Bald schon ist diese Maschine in aller Munde und Menschen aus ganz Jerusalem strömen zu dem Altersheim, um ihre Liebsten von ihren Leiden zu befreien. Anfangs noch zögernd, geben Yehezkel, seine Frau Levana (Levana Finkelstein) und Dr. Daniel (Ilan Dar) bald dem Andrang der Sterbewilligen nach und die eingeschworene Truppe macht sich auf, um letzte Wünsche zu erfüllen. Währenddessen verschlechtert sich der Zustand von Levana, Yehezkels Frau, die an Alzheimer leidet, und bald muss Yehezkel selbst eine Entscheidung treffen.

Regie: Sharon Maymon, Tal Granit
Hauptdarsteller: Ze’ev Revach, Levana Finkelshtein, Aliza Rosen, Iian Dar, Rafi Tabor
Genre: Komödie, Drama
Produktionsland: Deutschland, Israel
Produktionsjahr: 2014
Originaltitel: Mita Tova

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