Posted by herr.filmtanz on Apr 7, 2016

Anderland | Trond Fausa Aurvaag | Jens Lien | BlitzKritik

Der norwegische Regisseur Jens Lien projiziert sein Meisterwerk nicht auf eine Leinwand, sondern direkt in das Gehirn des Zuschauers.

Eine gefühlsentleerte Gesellschaft, in der Menschen nur noch Funktionsapparat sind. Die Farbe des Blutes oder das blinkende Rot einer Warnleuchte auf einem Reinigungsfahrzeug, sie wirken wie in einem Endzeitszenario der Menschheit. Oft bin ich schon aufgewacht, hatte dieses Werk vor Augen, mich selbst. Eines dieser besonderen skandinavischen Werke, welcher einen ein Leben lang begleitet und die Dimension des eigenen Denkens erweitert. Großes Lob an Jens Lien für dieses skandinavische Denkgebäude. Ein Tipp für Liebhaber des Arthouse-Kinos :-)

Joachim beschreibt es ganz wunderbar in seiner Kritik auf KinoZeit:

“Und mit der Zeit weicht das milde Grauen über dieses Leben, das sich vor unseren Augen abspielt, der Erkenntnis, dass unser eigenes Leben so viel besser nicht ist. Abstumpfung, Gefühlskälte, deprimierende Langeweile und das dumpfe Gefühl, dass da noch mehr sein muss – all das gibt es nicht nur in “Anderland / Den Brysomme Mannen”, sondern auch in unserem Leben …”.

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Inmitten einer kargen Landschaft hält ein Bus und spuckt seinen einzigen Passagier in eine neue Welt aus. Andreas (Trond Fausa Aurvaag) hat keine Ahnung, wie er hierher gekommen ist und was er tun soll, doch das braucht er auch nicht. Er wird in ein vorgefertigtes und anonymes Leben gesteckt, erhält Wohnung, einen Job, Kleider und Nahrung. Die Umgebung ist schön und die Arbeitskollegen sind nett. Andreas, der nun täglich Zahlen in einen Computer eintippt, ohne dass er weiß wozu, macht das Spiel mit und findet auch bald eine Freundin, Anne-Britt (Petronella Barker). Wie die meisten anderen Menschen in dieser kinderlosen Stadt interessiert auch sie sich ausschließlich für Innendekoration. Nach mehreren Nächten mit mechanischem Sex kommen Andreas erste Zweifel. Ist dies tatsächlich ein Leben, das er führen will? Denn etwas läuft falsch, etwas fehlt. Er vermisst den Geschmack der Speisen, die Wirkung von Alkohol, es gibt keine Kinder und keine Emotionen. Eine Affäre mit der blonden Ingeborg (Birgitte Larsen) scheint ein wenig Abwechslung in der allgemein gepflegten Oberflächlichkeit zu bieten. Doch als Andreas seinen Sinnen für das wahre Leben folgt, kommt er dabei in Schwierigkeiten, denn einen Ausweg aus dieser gespenstisch netten Welt mit seiner blitzsauberen Fassade scheint es nicht mehr zu geben.


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Regie: Jens Lien
Hauptdarsteller: Per Schaaning, Petronella Barker, Trond Fausa Aurvåg, Birgitte Larsen, Johannes Joner
Gerne: Drama
Produktionsland: Norwegen
Produktionsjahr: 2006
Originaltitel: Den Brysomme Mannen

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