Posted by herr.filmtanz on Aug 25, 2013

Adams Äpfel – Adams æbler | Kritik

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How Deep Is Your Love ?

Eröffnet wird der Film mit einer Szene, die ein Getreidefeld zeigt mit Wolken am hellen Himmel. Scheinbar eine idyllische Welt, könnte man glauben. Der idyllische Blick wird aber durchbrochen durch Hochspannungsmasten welche das Bild stören. Im nächsten Moment kommt ein Bus an. Es steigt ein glatzköpfiger Mann aus. Seinem Tattoo nach ist er ein Nazi. Er ist im Gesicht mimiklos und kalt. Im folgenden Moment durchbricht der Nazi die Idylle erneut, in dem er mit seinem Taschenmesser einen langen Kratzer in den abfahrenden Bus macht.

Abgeholt wir der Nazi, er trägt den Namen Adam (Ulrich Thomsen) von dem Landpfarrer Ivan (Mads Mikkelsen). Das Ziel für Adam ist eine Kirche mit angeschlossenem Haus in dem Dorf Horne Kirke bei Faaborg in Dänemark. Hier soll Adam eine Resozialisierungsmaßnahme erfahren. Angekommen in der Kirche befinden sich hier schon der Triebtäter Gunnar und der Tankstellenräuber Khalid. Khalid ist ausländischer Herkunft und eckt hier schon bei der Begrüßung von Adam an. Bei der Ankunft kommen Adam und Ivan auch an einem kirchlichem Apfelbaum vorbei, auf den alle sehr stolz sind, weil er dieses Jahr sehr viele Früchte trägt. Ivan nimmt Adam im folgenden mit in sein Büro. Ivan blickt in die Akte von Adam und sagt dann “Neonazi ? Darauf kommt man gar nicht wenn man dich ansieht”. Ein Zeichen das der Pfarrer ganz klar der Realität komplett entrückt ist. Der Pfarrer erkennt nicht mal das Bild von Hitler, als Adam dieses in seinem Zimmer aufhängt. Eine Szene in der sich dieser unglaubliche schwarze skandinavische Humor zeigt. Auch die Beschreibung des Fortschrittes in Bezug auf Gunnar und Khalid ist komplett der Realität entrückt, wie der Zuschauer in Kürze selbst sehen wird.

Adam soll sich eine Aufgabe stellen. Er entscheidet sich einen Apfelkuchen zu backen, aus den Äpfeln des Baumes vor der Kirche, es sind ab sofort Adams Äpfel. Ein einfaches Ziel wie ein Apfelkuchen, bei der er mit dem Teufel konfrontiert wird, wie Ivan es nennt. Eine Kampf um die Äpfel bei dem ein Gedanke an Alfred Hitchcock “Die Vögel” nicht ausbleibt.

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Der Inbegriff des nur Bösen Adams trifft hier auf den Pfarrer Ivan, der in allem das nur Gute sieht. Egal wie brutal eine Handlung ist, es ist immer das Gute. Ivan leidet unter Realitätsverlust, Fanatismus in Bezug auf Gott und das Gute, und auch unter einem Trauma. Ein Trauma das bewirkt das selbst eine Behinderung seines Sohns einfach ausgeblendet wird. Auch Ivan wird im folgenden auf eine sehr harte Probe gestellt.

Adam ist schwer genervt von dem Ivan, ein Ivan dem man scheinbar verprügeln kann wie man will, Ivan sieht immer nur das Gute. Es braucht erst Ijob aus dem alten Testament, welches der Neonazi Adam liest (Man sollte das durchlesen über Ijob), um scheinbar das Geschwür des Teufels in Ivan zu aktivieren. Über das Buch ‘Ijob’ sagt Ivan nur “Das mit dem kleinen Krokodil, das habe ich nicht geschafft (zu lesen)”. Ab diesem Zeitpunkt beginnt eine unglaubliche Entwicklung sowohl von Ivan, aber im besonderen auch von Adam :-)

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Der Humor den dieser sehr tiefgründige Film liefert ist sehr Schwarz. Er ist aber auch unvergessen und zum brüllen komisch :-) Ich bin immer sehr begeistert von dem Film. Ein Film mit dem man sich im Kopf nach dem Ansehen beschäftigen kann. Bilder die einfach liebevoll und hart im Arthouse Kopf gespeichert werden :-) Ein Film den man als Arthouse Fan einfach nur lieben muss :-)

Der Film ist eine Arthouse-Perle. Ein Film den man sofort anschauen sollte :-) Ich habe noch nie solche Momente erlebt. Momente bei denen man bei Szenen, die traurig sind, einfach nur loslachen muss. Ein Wechsel von Gut und Böse, Lachen und Weinen, der sich in Sekunden vollzieht. Genau so geht skandinavisches Arthouse, es bleibt in Erinnerung und einfach im Kopf gespeichert :-) Und das für eine sehr lange Zeit :-)

Der Film von ‘Anders Thomas Jensen’ ist genial und mit einer sehr überraschenden Wendung. Und denen die Mads Mikkelsen (Adam) mögen, empfehle ich ‘Jagten (Die Jagd)’, auch ein Arthouse Film der Extraklasse :-)

Und auch unvergessen, die zum brüllen tollen Gespräche mit dem Arzt Dr. Kolberg (Ole Thestrup) :-)

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‘Adams Äpfel’, so nennt Ivan (Mads Mikkelsen), Landpfarrer irgendwo im dänischen Nirgendwo, die Äpfel am kirchlichen Apfelbaum, seit Adam Pedersen (Ulrich Thomsen) sich die Aufgabe gestellt hat, aus ihnen einen Apfelkuchen zu backen. Adam ist der Neuzugang in Ivans Oase der Nächstenliebe, in der er Straffällige zu resozialisieren versucht. Seine derzeitigen Schäfchen sind neben dem gewalttätigen Neo-Nazi Adam der Trinker und Vergewaltiger Gunnar (Nicolas Bro) und der arabische Tankstellenräuber Khalid (Ali Kazim). Auf den ersten Blick ein überzeugter Gutmensch, begegnet Pfarrer Ivan Allem und Jedem mit unerschütterlichem Verständnis, auch dem rüden Verhalten seiner Schützlinge. Doch bald entpuppt sich seine Barmherzigkeit als Besessenheit, die keine Widerrede duldet. Während Gunnar und Khalid Auseinandersetzungen mit Ivan aus dem Weg gehen, stellt sich Adam der manischen Güte. Er beschließt, den Kampf aufzunehmen und Ivans positiver Sicht der Dinge einen Schuss böse Realität zu verpassen. An der sich zuspitzenden Auseinandersetzung zwischen den beiden scheint sich jedoch eine dritte Macht zu beteiligen, die beide einer Prüfung unterziehen will.

Originaltitel: Adams æbler
Genre: Drama, Comedy
Regie: Anders Thomas Jensen
Schauspieler: Mads Mikkelsen, Nicolas Bro, Ulrich Thomsen, Paprika Steen, Ali Kazim, Nikolaj Lie Kaas, Ole Thestrup, Tomas Villum Jensen
Produktionsland: Dänemark
Kinostart: 2006
Laufzeit: 94 Minuten
FSK: 16

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One Response to “Adams Äpfel – Adams æbler | Kritik”

  1. Lina Luna says:

    Den fand ich auch sehr gut. Und ganz schön schräg.

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