Posted by herr.filmtanz on Jul 2, 2016

MIDNIGHT SPECIAL | Jaeden Lieberher | Jeff Nichols | Kritik

MIDNIGHT SPECIAL

Die Reise einer Lichtgestalt

Der Regisseur Jeff Nichols hat mit ‘Take Shelter’ und ‘Mud’ durchaus sehenswerte Werke geschaffen. Nach eigener Aussage hat er sich bei MIDNIGHT SPECIAL von dem Film ‘Starman (John Carpenter, 1984) inspirieren lassen. Auch wenn das Ganze hier nichts mit Feuer zu tun hat, musste ich beim Anschauen an das Werk ‘Der Feuerteufel (Mark L. Lester, 1984)’ und das kleine Mädchen mit den übernatürlichen Fähigkeiten denken. Gemein haben diese Werke, dass sie nicht nur einem Genre gehorchen. MIDNIGHT SPECIAL ist im Kern ein Drama und Roadmovie mit esoterischen SCI-FI-Elementen.

Warum hat Roy (Michael Shannon) seinen achtjährigen Sohn Alton (Jaeden Lieberher) aus den Fängen einer Sekte befreit, ihn zusammen mit seinem Freund Lucas (Joel Edgerton) entführt? Wo wird dieses Roadmovie enden? Neben der Sekte, welchen ihn aufgrund seiner Fähigkeiten als Auserwählten sieht, versetzt er, von FBI bis NSA, den Staat in größte Alarmbereitschaft. Sie sehen in ihm eine Gefahr, da er über Informationen verfügt, welche er unmöglich wissen kann. Hinzu kommt, dass sich im Laufe dieses Roadmovie unkontrolliert gebündelte Energie im sichtbaren Spektrum aus den Augen von Alton entladen wird.

MIDNIGHT SPECIAL

Interessant ist hierbei das Spiel der Gedanken in Bezug auf die Interpretation. Alton scheint im Stande zu sein, sämtliche Frequenzen, die Energie, dessen Informationen, zu absorbieren und zu verstehen. Dieses beinhaltet das Empfangen von Radiofrequenzen, aber auch Satellitendaten. Die Tatsache, dass er in dunklen Räumen gefangen gehalten wird, nur in der Nacht ins Freie darf, lässt auf die Fähigkeit der bidirektionalen Kommunikation mit Licht schließen – Licht senden. Nur mit wem oder was ist hier die Frage?

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Beginnt man esoterischer zu Denken, kommt einem sofort der Begriff Lichtgestalt in den Sinn. In der Lichtmetaphorik im frühen Mahāyāna-Buddhismus wird die Lichtgestalt des Denkorgans die Sonne zugeordnet. Es geht hierbei um die leuchtenden Eigenschaften des Menschen. Der Ansatz, den drohenden Verlust des Kindes mit Hilfe der Lichtarbeit zu deuten, zu bewältigen, scheint mir in Bezug auf das übersinnliche Finale dieses Werks zwar sehr weit hergeholt, aber dennoch durchaus plausibel. Die erwähnte Szene besitzt eine fühlbare energetische Aura, wunderschön.

MIDNIGHT SPECIAL

Die nicht offensichtlichen esoterischen Elemente der Lichtgestalt und der Lichtarbeit haben mich im Nachklang durchaus begeistert. Leider gelingt es dem Regisseur Jeff Nichols jedoch nicht, eine durchgängige Aura der Faszination des Übersinnlichen aufzuspannen. Dafür gibt es zu viele übertriebene Actionszenen, welche dem Werk deutlich die Energie nehmen. Zurück bleibt dennoch ein Werk mit beeindruckenden Elementen.

Ein Vater, Roy (Michael Shannon), flieht, um seinen kleinen Sohn Alton (Jaeden Lieberher) zu schützen und herauszufinden, was es mit den ungewöhnlichen Fähigkeiten des Jungen auf sich hat. Die Flucht vor religiösen Extremisten und der örtlichen Polizei eskaliert bald zu einer landesweiten Menschenjagd, an der auch die höchste Regierungsebene beteiligt ist. Letztlich muss der Vater alles riskieren, um Alton vor dem Schlimmsten zu bewahren und sein Schicksal zu erfüllen, das Auswirkungen auf die gesamte Welt haben könnte.

‘Midnight Special’, ein Film von Jeff Nichols (siehe ‘Take Shelter – Ein Sturm zieht auf’ 2011 und ‘Mud – Kein Ausweg’ 2012), der in kein Genre passen will, denn trotz der übernatürlichen Elemente entwickelt sich die Story auf einer sehr intim-menschlichen Ebene.

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Regie: Jeff Nichols
Hauptdarsteller: Kirsten Dunst, Sam Shepard, Michael Shannon, Joel Edgerton, Adam Driver, Jaeden Lieberher
Genre: Drama, Sci-Fi
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2015

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