Posted by herr.filmtanz on Sep 6, 2016

DAS TAGEBUCH DER ANNE FRANK | Lea van Acken | Hans Steinbichler | Kritik

Lea van Acken muss man, für ihre Verkörperung der Anne Frank, ein großes Lob aussprechen. Dietrich Brüggemann hat in seinem Werk KREUZWEG, mit seinen ruhigen Einstellungen und Plansequenzen verstanden, dass Lea van Acken ein Diamant ist. Als Zuschauer schaut man hier in ihr Gesicht, kann ihre Seele fühlen, geht eine Beziehung mit ihren Gedanken ein.

Lea van Acken bringt dieses großartige Potential mit in das Werk DAS TAGEBUCH DER ANNE FRANK, bekommt aber nur selten eine Gelegenheit, den Tagebucheintragungen von Anne Frank die erwartete Tiefe geben zu dürfen.

Der Regisseur Hans Steinbichler setzt hier, gerade zu Anfang, auf viel zu schnelle Schnitte, erlaubt es nicht, einen eigenen Gedankenraum der Situation aufzubauen, einen Zugang zu finden. Ergänzt wird dieses durch kitschiges Klaviergeklimper, welches ich bei einem historischen Zeitdokument wie Anne Frank nicht dulde!

Das ausgerechnet in der Szene im Konzentrationslager die Kamera zur Ruhe kommt, wenn die Prozedur der Rasur und der Eintätowierung einer Nummer auf den Arm gezeigt wird, empfinde ich als untragbare Demütigung gegenüber der Person Anne Frank.

Der ungarische Regisseur László Nemes hat in seinem Meisterwerk SON OF SAUL verstanden, wie man den Holocaust zeigt: Man zeigt ihn nicht! Er projiziert den Schmerz, die eigenen Bilder der historischen Überlieferungen, direkt und unauslöschbar in das Gehirn des Zuschauers.

Gegenüber Lea van Acken verbleibe ich in gespannter Hochachtung. Ihr würde ich einen Regisseur wie Michael Haneke von Herzen wünschen.

Mit ‘Das Tagebuch der Anne Frank’ hat Regisseur Hans Steinbichler die weltbekannte Geschichte neu verfilmt. Das Drehbuch orientiert sich sehr eng am Originaltagebuch und anderen persönlichen Aufzeichnungen von Anne Frank, ihrer Familie und anderen Zeitzeugen. Er kommt damit einem Mädchen sehr nah, das den Krieg erlebt, das aber auch Zukunftspläne schmiedet, mit den Eltern und der Schwester streitet und sich erstmals verliebt.
Trotz ihrer ausweglosen Situation und den damit verbundenen Ängsten hält sie an ihren Hoffnungen, Sehnsüchten und Träumen fest. ‘Das Tagebuch der Anne Frank’ ist ein außergewöhnliches, sehr persönliches, bewegendes und inspirierendes Porträt eines Mädchens, einer Familie, ihrer Begleiter und einer prägenden Zeit.

Nach der Emigration aus Frankfurt am Main ist Amsterdam die neue Heimat der Familie Frank geworden. Anne (Lea van Acken), ihr Vater Otto (Ulrich Noethen), Mutter Edith (Martina Gedeck) und Schwester Margot (Stella Kunkat) versuchen hier, ein ganz normales Leben zu führen – bis die Deutschen die Niederlande besetzen und sich auch in Amsterdam die Situation für Juden von Tag zu Tag verschlechtert. Als Margot einen Aufruf, zur Deportation ins Arbeitslager erhält, beschließt Otto Frank mit der Familie, das lange geplante Versteck aufzusuchen und unterzutauchen. Mit Hilfe seiner Sekretärin Miep Gies (Gerti Drassl) und anderen Mitarbeitern hat er hierfür schon seit Wochen das Hinterhaus seines Firmensitzes in der Prinsengracht 263 als Versteck vorbereitet. Etwas mehr als 50 Quadratmeter sind von nun an das Zuhause der Familie Frank und, kurze Zeit später, auch der Unterschlupf von Hans (André Jung), Petronella (Margarita Broich) und Peter van Daan (Leonard Carow) sowie Albert Dussel (Arthur Klemt). Die Hinterhausbewohner leben in ständiger Angst, nachts fliegen Bomber über die Häuser Amsterdams, tagsüber fürchten sie, entdeckt zu werden und dürfen sich kaum bewegen. Ihre einzige Verbindung zur Außenwelt sind das Radio, Miep Gies und die anderen Helfer. Und dennoch finden sie auch im Hinterhaus zu einem Alltag: Es wird gelacht, geweint, gestritten und sich versöhnt. Anne Frank, die Jüngste unter ihnen, entdeckt neugierig, was es bedeutet, erwachsen zu werden. In ihrem Tagebuch, das sie zum 13. Geburtstag von ihrem Vater geschenkt bekommt, hält sie ihre Gedanken, Ängste und Sehnsüchte fest. Eindringlich und analytisch kommentiert und dokumentiert sie Erlebnisse und Ereignisse ihrer Zeit.

Regie: Hans Steinbichler
Drehbuch: Fred Breinersdorfer
Kamera: Bella Halben
Schnitt: Wolfgang Weigl
Hauptdarsteller: Ulrich Noethen, Martina Gedeck, Stella Kunkat, Lea van Acken
Genre: Drama
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2016

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