Posted by herr.filmtanz on Oct 27, 2016

ATTENBERG | Ariane Labed | Athina Rachel Tsangari | Kritik

ZUNGENKUSS GEGEN DIE DEPRESSION

Athina Rachel Tsangari hat aus der griechischen Depression heraus das GREEK NEW WAVE Werk und Arthouse-Kunstwerk ATTENBERG erschaffen. Yorgos Lanthimos mit seinen Werken DOGTOOTH und ALPEN gehört mit zu diesen bereichernden und wundervollen Filmwerken, welche den eigenen Denkraum öffnen.

Das Sir Richard Attenborough mit seinen Tierdokumentationen hier Pate steht für eine Coming-of-Age Geschichte, ist mehr als überwältigend. Die junge Protagonistin Mariana (Ariane Labed) saugt diese geradezu auf – ich kann sie so verstehen. Hier erlebt man eines der großartigsten Momente.

Ich habe selten so frische Menschen erlebt wie in diesem Werk. Aus der scheinbar lustigen Imitationen der Tierwelt entspringt hier aus der Seele Griechenlands eine Performance, welche tiefer nicht wirken könnte. Stellt euch einfach vor, jeder von uns würde seinem Leben, jeden Morgen, mit einem SILLY WALK aus der Tierwelt begegnen. Wäre das nicht eine wunderbare Welt, eine neue lebenswerte Welt! Vielleicht ist Griechenland auch die Rettung dieser Welt, um etwas mehr, über Genarationen hinaus, zu Denken. Der Kapitalismus und diese erschreckend, klinische Funktionswelt, sie führen nicht nur uns in den sicheren Tod!

ATTENBERG ist ein geniales Arthouse-Werk, über das man sehr lange nachdenken kann und sollte. Die griechische Regisseurin Athina Rachel Tsangari und die großartige Darstellerin Ariane Labed, welche die Misanthropie der Marina an die Menschheit so nachvollziehbar darlegt, verdienen zusammen mit Evangelina Radou eine Umarmung aus tiefstem Herzen.

Dieses Meisterwerk erstrahlt die eigene Seele mit einem tanzenden Arthouse-Leuchten. ATTENBERG ist der Zungenkuss gegen die Depression auf diesem wunderschönen Planeten Erde. Echtes und tiefgründiges Kino von Herzen kann so großartig sein. Ich habe so geweint vor Freude, bin so dankbar, dass es solche (Film)Menschen gibt.

Nachdem man dieses Werk ins Herz geschlossen hat, und erst dann(!), empfehle ich von Herzen dieses großartige Interview mit der Regisseurin Athina Rachel Tsangari, hier auf BERLIN-FILMFESTIVAL.

Alles, was Spätzünder Marina (Ariane Labed) über menschliches Verhalten und Sexualität weiß, kennt sie aus den Tierdokumentationen von Sir David Attenborough (“Attenberg”). Sie übt sich lieber in der Imitation von Affen als im Annähern an das andere Geschlecht. Ihre einzige Bezugsperson, abgesehen von ihrem krebskranken Vater, ist ihre Freundin Bella (Evangelina Radou). Bella bemüht sich, Marina aufzuklären, und weiht sie in ihre eigenen Erfahrungen und Phantasien ein. Aber erst als ein Fremder in die Stadt kommt, beginnt Marina die Mysterien der menschlichen Fauna auf eigene Faust zu untersuchen.

Neues, gefeiertes Kino aus Griechenland: Hier trifft schräge Anthropologie auf griechische Industrie-Tristesse, Silly Walks à la Monty Python und einen Soundtrack zwischen No-Wave und französischem Chanson. Regisseurin Athina Rachel Tsangari zeigt eine junge Frau, die die Absurditäten des Lebens mit der Neugier eines Kindes erkundet, und entwirft dabei das Bild einer abstrakten Spezies Mensch. Hauptdarstellerin Ariane Labed wurde 2010 bei den Filmfestspielen von Venedig als beste Darstellerin ausgezeichnet.

Regie: Athina Rachel Tsangari
Drehbuch: Athina Rachel Tsangari
Hauptdarsteller: Ariane Labed, Giorgos Lanthimos, Vangelis Mourikis, Evangelia Randou
Genre: Drama
Produktionsland: Griechenland
Produktionsjahr: 2010

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