Posted by herr.filmtanz on Dec 3, 2016

KILL BILLY | Bjørn Sundquist | Gunnar Vikene | Kritik

Scheiß Ikea

Großes Lob verdient der norwegische Regisseur Gunnar Vikene dafür, wie er das Leben von Harold (Bjørn Sundquist) und seiner Frau Marny (Grethe Selius) inszeniert. Wir lernen die beiden ab ihrer Kindheit kennen, bis dieses scheiß Ikea ihr gesamtes Leben zerstört.

Vikene und sein Kameramann Simon Pramsten vermag es, diese Tragik des Lebens ganz großartig zu transportieren. Die stillen Momente, wenn wir in das verzweifelte Gesicht von Harold schauen, im Hintergrund durch sein Schaufenster das gigantische Ikea-Logo die Nacht erleuchtet, machen den Schmerz bis tief in das eigene Herz und die Seele fühlbar.

Auf den Punkt perfekt platziert Vikene bis zu diesem Zeitpunkt den Humor in den dramatischen Situationen des Lebens, welches man so liebt am skandinavischen Kino. Quasi sich selbst in die Rolle von Harold transportiert, seine Wut verstehend, macht man sich zusammen mit ihm auf den Weg, einen der reichsten Männer der Welt zu kidnappen, den Ikea-Gründer Ingvar Kamprad.

Die zentrale Frage welche man sich stellt ist natürlich, wie bekommt man Harold’ Ingvar Kamprad in seine Gewalt. Es wird im gelingen, mehr sei dazu nicht verraten. Ein Zwischenstopp bei seinem Sohn Jan (Vidar Magnussen) offenbart uns dessen Leben mit seiner Familie. Ganz offenbar läuft es bei dem leicht heruntergekommenen Journalisten, welchen er in einer Kneipe sich prügelnd findet, auch nicht sonderlich gut. Schmerzlich hierbei ist, dass Harold seinen Sohn sehr lange nicht gesehen hat, bis er selbst in Not geraten ist.

Bei einer, zugegeben ungewollten Ruhepause, gesellt sich die 16-jährige Ebba (Fanny Ketter) zu Herold. Ihre Mutter ist Alkoholikerin. Harold und Ebba sind ab diesem Moment zwei verzweifelte Seelen, welche ein sympathisches Team ohne Plan abgeben, man sie aber dafür auch liebt.

Zunehmend nach der ersten Hälfte beginnt HIER IST HAROLD, der viel treffendere Original Titel von KILL BILLY, den anfänglichen Lob zu verspielen. Dem Regisseur Gunnar Vikene scheint es zusehends immer schwerer zu fallen, dieses Werk in seiner skandinavischen Handschrift fortzuführen.

Schneidet man im Geiste aus der zweiten Hälfte bestimmt 20 Minuten heraus, bleiben besonders Harold und Ebba in dankbarer Erinnerung. Besonders Bjørn Sundquists Schauspiel ist ein großer Gewinn. Zusammen mit Fanny Ketter, welche ihre Rolle zum Verlieben natürlich spielt, sind es die ruhigen Momente mit ihnen, in welcher man ihre Seele und ihren Schmerz fühlen kann.

Durch die Augen von Harold und Ebba sollte man KILL BILLY sehen und fühlen, dann bleibt etwas wertvolles zurück im Herzen. Gunnar Vikene komponiert hier nicht Bonnie und Clyde im Schnee, auch wenn mir für ein Drehbuch zu HARDOLD UND EBBA einige Gedanken durch den Kopf gehen. Wie ein nicht ganz so perfekter Tanz im Schnee – was eine großartige Szene- fühlt sich KILL BILLY an.

Seit mehr als 40 Jahren schuftet Harold (Bjørn Sundquist) gemeinsam mit seiner Frau Marny (Grethe Selius) in seinem Möbelgeschäft ‘Lunde Furniture’. Doch damit ist es nun vorbei. ‘IKEA’ eröffnet eine große Filiale direkt nebenan und zerstört dadurch sein Lebenswerk. Harold und Marny verlieren nicht nur das Geschäft, sondern auch ihr Haus an die Bank. In seiner Wut und Verzweiflung denkt Harold nur an eins: Rache. Er besorgt sich eine Pistole und setzt sich in seinen alten ‘Saab’. Er hat nur ein Ziel: Er will den IKEA-Gründer Ingvar Kamprad (Björn Granath) entführen. Entgegen allen Erwartungen gelingt der Plan, doch die Aktion nimmt schon bald eine unerwartet komische Wendung.

Regie: Gunnar Vikene
Drehbuch: Gunnar Vikene
Hauptdarsteller: Bjørn Sundquist, Lena-Pia Bernhardsson, Björn Granath, Olaf Heggdal, Samuel Hellström
Genre: Drama, Komödie
Produktionsland: Norwegen
Produktionsjahr: 2014
Originaltitel: Her er Harold

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