Posted by herr.filmtanz on Nov 19, 2016

SCHAU MICH NICHT SO AN | Uisenma Borchu | BlitzKritik

Energetisch. Virtuos. Radikal. Körperlich. Visionär. Meisterhaft.

Die Geschlechterrollen werden in Uisenma Borchus fulminantem Erstlingsfilm provokant in Frage gestellt. Fast möchte man nicht glauben, dass ihr großartiges Kunstwerk SCHAU MICH NICHT SO AN (nur) ein Abschlussfilm der Münchener Filmhochschule ist. Dieses Werk der mongolisch-deutschen Regisseurin Uisenma Borchus ist ein Rohdiamant. Ihre Energie und ihr selbstbewusstes Filmschaffen zeigt erneut, welches Potential in der Leinwand des NEUEN DEUTSCHEN KINO steckt.

Nach dem sehr starken Werk SCHAU MICH NICHT SO AN, dem Interview von Patrick Wellinski mit der mongolisch-deutschen Regisseurin Uisenma Borchu für DEUTSCHLANDRADIO KULTUR, fordere ich die sofortige Revolution der deutschen Kinoleinwand – am besten gestern!

Uisenma Borchu: Ich glaube, es ist ziemlich einfach, so einen Film zu machen, wenn man einfach sich freilässt, frei von Konventionen, frei von du musst jetzt noch ein Jahr warten, bis du die Filmförderung bekommst, vielleicht kannst du da noch mal… Ich meine, ich habe eine Absage bekommen. Ich meine, der Grund, warum sie mich nicht gefördert haben, lag daran, dass ich eine Frau bin – das ist ganz klar. Zu radikal, zu sexuell, 90 Minuten Frauen will ja kein Schwein sehen.

Uisenma Borchu hinterfragt Geschlechterrollen – Regisseurin Uisenma Borchu im Gespräch mit Patrick Wellinski. Interview für DEUTSCHLANDRADIO KULTUR

SCHAU MICH NICHT SO AN wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem FIPRESCI PREIS 2015 für den besten Film der Reihe NEUES DEUTSCHES KINO auf dem Münchner Filmfest, dem Bayerischen Filmpreis für Beste Nachwuchsregie 2015 und dem Most Promising Talent Award 2016 in Osaka.

Hedi (Uisenma Borchu) und Iva (Catrina Stemmer) sind Nachbarinnen. Sie begegnen sich durch Ivas Tochter Sofia (Anne-Marie Weisz). Die aufgeweckte Kleine ist das erste Bindeglied zwischen den beiden jungen Frauen, doch schon bald entwickelt sich aus der Freundschaft eine leidenschaftliche Beziehung. Iva ist von Hedis geheimnisvoller und exotischer Art fasziniert und lässt sich mit Leib und Seele auf die Beziehung zu ihr ein.

Als jedoch Ivas Vater (Josef Bierbichler) nach vielen Jahren wieder auftaucht, um das belastete Verhältnis zu seiner Tochter in Ordnung zu bringen, verändern sich schlagartig Hedis Gefühle gegenüber Iva. Sie beginnt ein seltsames Spiel und zieht Vater und Tochter immer weiter in ein Netz aus Begierde, Verrat und Schuld, bis die Situation schließlich eskaliert.

Als sich an einem bestimmten Punkt beim Schreiben der Geschichte herausstellte, dass ich Ivas (Catrina Stemmer) Gegenpart Hedi spielen würde, wurde mir bewusst, welche radikale Kraft der Film in sich hat. Ich schrieb das Buch mit steigender Erregung weiter. Meine Figuren tragen den unbewussten Wunsch der Entfremdung in sich.

Seit ich 5 Jahre alt bin, lebe ich zwischen den Kulturen. Mongolei in den Ferien, dann wieder zurück nach Deutschland. Es war schwer, gerade nach der Wende 1989, diese Welten miteinander zu verbinden, da die eine von der anderen nichts wusste und die Kontraste mich von Außen nach Innen betäubten. Es ließ mich stets über den Menschen, seine Rollen und Identitäten reflektieren. Meine bisherigen Dokumentarfilme sind über Frauen, ihre Erziehung und ihre Intimität. Ich bin jetzt aber eine andere Richtung gegangen und habe mit diesem Spielfilm das Feminine mit meinen eigenen Gedanken zu visualisieren versucht und die Identität des Menschen, der zur Frau gemacht wird, in Frage gestellt, egal, ob es mit dem Charakter einer Hedi oder einer Iva passiert.

Zwei Charaktere voller Kontraste, die suchen, finden und zerstören.

Der Film wird erzählt mit dem Element des Kontrastes. Ich wollte sie unbedingt im Film, weil ich sie brauche. Immer.

(Die Regisseurin Uisenma Borchu über ihren Film)

Regie: Uisenma Borchu
Drehbuch: Uisenma Borchu
Hauptdarsteller: Josef Bierbichler, Uisenma Borchu, Katja Brenner, Catrina Stemmer, Anne-Marie Weisz
Genre: Drama
Produktionsland: Deutschland, Mongolei
Produktionsjahr: 2015

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