Posted by herr.filmtanz on Jan 18, 2015

Kunsten å tenke negativt | Kritik

Die Kunst des negativen Denkens (Drama, Komödie, Norwegen, 2006)

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Du wirst es nie schaffen deine Probleme zu lösen, wenn du nicht die Kunst des negativen Denkens lernst.

Der norwegische Regisseur Brad Breien transportiert hier den Zuschauer in eine Feelbad-Komödie die wirklich einen sehr schwarzen Humor hat. Brad Breier benutzt diesen schwarzen Humor gerade im ersten Drittel intensiv, um die Protagonisten zu installieren. Hier wird gerade zu Anfang jede Regel gebrochen in Bezug auf schwerstbehinderte Menschen. Der Film braucht aber gerade genau diese Härte zu Anfang, um den Gegensatz des nur negativen und positiven Denkens klar und fühlbar zu machen.

Das Negative. Geirr (Fridjov Saheim) sitzt nach einem Unfall im Rollstuhl. Er ist ein saufendes, kiffendes Elend der den ganzen Tag nur Kriegsfilme schaut und Johnny Cash hört. Seine Frau Invild (Kirsti Eline Torhaug) kann das nicht länger ertragen und lädt eine Therapeutin Tori (Kjersti Holmen) mit ihrer Gruppe nach Hause ein, um Geirr das positive Denken zu lernen. In einer Gruppe geht das bestimmt besser, denkt sich seine Frau Invild, und Tori hat das bestimmt im Griff als Expertin des Positiven.

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Das Positive. Tori hat sich zur Aufgabe gemacht Menschen, wie die vom Hals abwärts gelähmte Marte (Marian Saastad Ottesen) das positive Denken zu vermitteln. Gerade Marte könnte man hier als das Positiv-Maskottchen der Gruppe bezeichnen. Ihr Dauergrinsen und ihre Heiterkeit, die von ihnen kommende Heiterkeit, kotzt einen echt schon fast an. Hier werden die Bilder bewust überzeichnet um sie später komplett zu zerleben. Aber auch andere Menschen sind in der Gruppe, auch zum Teil nicht behinderte. Sie sehen die Problem-Welt, durch die Therapie mit Tori, durch die positive Emily Erdbeer Brille. Aber hier wird sich für jeden der Protagonisten etwas verändern.

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Im Wohnzimmer von Geirr sitzen nun diese nur positiven Menschen, angeführt von Tori, die ihre Gruppe zunächst noch im Griff hat. Gedanklich, in einer eigentlich unbedeutenden Szene, sahen wir aber auch eine Tori, die ihre Gruppe sehr rassant über die Autobahn heizt, in einem Kleinbus. Im folgen wird der negative denkende Geirr zunächst erst einmal die gesamte Gruppe infiltrieren um dann im nächten Schritt die Therapeutin Tori komplett zu zerlegen und zu entfernen. Es beginnt ab diesem Moment eine Reise in der alle lernen werden, dass negative Denken nicht auszublenden. Sich auskotzen bis an den Rand des mit diesem schwarzen Humor möglichen ist hier die Ansage. Dieses gelingt dem Regisseur Brad Breien hier sehr galaktisch :-)

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Auch wenn der Film oft nur durch seinen sehr schwarzen Humor gelobt wird, ist es doch auch ein Film mit einem Tiefgang. Ein Tiefgang, bei dem ich, als die Menschen separiert in der Wohnung sind, auch echt einfach weinen musste. Es braucht diese harten Bilder und das sich auskotzen der Menschen in diesen Szenen. Endlich mal diese aufgestaute negative Energie, die so hübsch hinter dem lächerlichen Positiven versteckt ist, mit vollster Wucht rauslassen :-) Eine Gruppentherapie, bei der Geirr der Leiter war und er auch selbst den gesunden Mittelweg zwischen Negativ und Positiv gefunden hat.

Der Film hatte auf mich eine unglaubliche tiefgreifende Wirkung. Mich in die Gedanken von Geirr reinzuversetzen ist mir einfach sehr leicht gefallen. Ein toller Arthouse-Film aus Norwegen.  Menschen die zwar schwarzen Humor lieben, aber sich nicht reindenken können, sollten diesen Film auf keinen Fall anschauen.

Fazit, man muss auch das Negative tobend ausleben können, um das Positive wieder lieben zu lernen :-)

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Geirr ist seit einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt. Zuhause raucht er einen Joint nach dem anderen, schaut sich Kriegsfilme an und schikaniert seine Frau. Diese wendet sich in ihrer Verzweiflung an Gruppentherapeutin Tori. Doch auch die Therapie nutzt nichts. Er pocht darauf, dass es ihm trotz guter Versicherung, hübschem Häuschen und liebender Gattin dreckig geht, und nervt seine Leidensgenossen mit seinem Sarkasmus. Und es gelingt ihm, die anderen gegen die Therapeutin aufzubringen. Jetzt wird’s ernst.

Originaltitel: Kunsten å tenke negativt
Genre: Comedy, Drama
Regie: Bard Breien
Schauspieler: Fridtjov Såheim, Kjersti Holmen, Henrik Mestad, Marian Saastad Ottesen, Kari Simonsen
Produktionsland: Norwegen
Kinostart: 2008
Laufzeit: 79 Minuten
FSK: 12

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