Posted by herr.filmtanz on May 14, 2017

MOMMY | Xavier Dolan

“Als ich I KILLED MY MOTHER gedreht habe, wollte ich – wahrscheinlich – meine Mutter bestrafen. Nur fünf Jahre sind seitdem vergangen, aber ich glaube, dass ich sie heute – mit MOMMY – rächen möchte. Das soll einer verstehen.” (Xavier Dolan)

Wie etwas unbeschreiblich magisches und virtuoses durchströmt die unbeschreibliche, ehrliche Schwingung der Werke von Xavier Dolan meinen gesamten Körper wie eine anhaltende Vibration. In MOMMY spürt man jede Sekunde, wie sehr sich die herausragenden Darsteller Suzanne Clément, Antoine-Olivier Pilon, Anne Dorval und Xavier Dolan in ihren Seelen lieben. Durchströmt und aufgewühlt hinterlässt MOMMY solch eine Intensität und Energie der Schwingung der Liebe, Hoffnung und Freiheit im eigenen Körper und im Herzen, dass es mich jedes mal wie elektrisch aufgeladen, wie ein Blitz trifft.

Thora Bjorg Helga in “Málmhaus”, Lotte Verbeek in “Nothing Personal” und Antoine-Olivier Pilon in “Mommy” haben solch eine energetische und empathische Wirkung auf meine Filmseele, dass ich hier eine umarmende Träne der Dankbarkeit aussprechen muss, von einer Seelenreise in mir selbst spreche.

Xavier Dolan hat mit MOMMY und im Besonderen durch Antoine-Olivier Pilon Erinnerungen der eigenen “komplizierten” Jugend erwachen lassen, dass dessen Wucht mir zu privat und schmerzlich ist, um sie hier weiter auszuführen!


KOMMENTAR DES REGISSEURS Xavier Dolan ZU MOMMY.
Seit meinem ersten Film habe ich viel über die Liebe gesprochen. Ich habe übers Erwachsenwerden, über Ausgrenzung und Transsexualität gesprochen. Ich habe über Jackson Pollock und die 1990er-Jahre gesprochen, über Entfremdung und Homophobie; über Internate und das Wort „speziell“, übers Kühe melken, über die Kristallisation der Liebe bei Stendhal und über das Stockholm-Syndrom. Ich habe in derbem kanadischem Dialekt und manchmal auch auf Englisch geredet. Ich habe geflucht wie ein Droschkenkutscher. Und wahrscheinlich habe ich auch ziemlich viel dumm daher geredet.

Wenn man über Dinge „redet“, läuft man wahrscheinlich immer Gefahr, Blödsinn zu reden. Deshalb habe ich Themen gewählt, die mit mir zu tun hatten – mehr oder weniger. Themen, von denen ich dachte, dass ich sie durch und durch oder zumindest ausreichend kennen würde – aus eigenen Erfahrungen oder aus Beobachtungen meines Umfelds. Weil ich die Lügen kenne, die wir uns selbst erzählen, wenn wir aus Angst etwas vor anderen verbergen. Oder die vergeudete Liebe, die wir dickköpfig an Zeitdiebe vergeben. Das sind Dinge, die ich gut genug kenne, um über sie erzählen zu können.

Aber sollte es ein Thema geben, das ich besser als alle anderen kenne, das mich unendlich inspiriert und das ich über alles liebe, wäre es sicher meine Mutter. Und wenn ich meine Mutter sage, dann meine ich DIE Mutter im Allgemeinen, ihre Rolle. Denn sie ist es, auf die ich immer wieder zurückkomme; sie, die ich gewinnen sehen will; sie, für die ich Probleme erfinde, damit sie das Lob für deren Lösung bekommt; sie, durch die ich mir Fragen stelle; sie, die ich laut schreien hören will, wenn keiner sonst was sagt; sie, die im Recht ist, wenn wir im Unrecht sind. Sie ist es, die – egal, was man tut – immer das letzte Wort haben wird.

Als ich I KILLED MY MOTHER gedreht habe, wollte ich – wahrscheinlich – meine Mutter bestrafen. Nur fünf Jahre sind seitdem vergangen, aber ich glaube, dass ich sie heute – mit MOMMY – rächen möchte. Das soll einer verstehen. (Xavier Dolan)

Von Xavier Dolan, mit Anne Dorval,
Antoine-Olivier Pilon und Suzanne Clément.
(Drama, Kanada, 2014)

Mit ungeheurer Wucht erzählt ‘Mommy’ von einer außergewöhnlichen Mutter-Sohn-Beziehung, in der Zärtlichkeit und Brutalität nur einen Herzschlag voneinander entfernt sind. Mit großem stilistischen Wagemut, mitreißender Musik und viel Liebe zu seinen Figuren feiert das kanadische Regiewunderkind Xavier Dolan die Möglichkeiten des Kinos. ‘Mommy’ ist so intensiv, dass er fast die Leinwand sprengt und direkt unter die Haut geht. In Cannes begeisterte der Film Kritiker und Publikum gleichermaßen und wurde mit dem Preis der Jury ausgezeichnet.

Die resolute Diane ‘Die’ Després (Anne Dorval) liebt ihren 15-jährigen Sohn Steve (Antoine-Olivier Pilon) über alles, obwohl er sie mit seinen extremen Wut- und Gewaltausbrüchen in den Wahnsinn und in den Ruin treibt. Seit dem Tod seines Vaters hat Steve eine Reihe von Heimen für schwer erziehbare Kinder durchlaufen. Nun kommt er zurück zu seiner Mutter, weil niemand sonst mit ihm fertig wird. Mit seinem fordernden Anspruch auf die Rolle des Mannes im Haus und seiner überbordenden Liebe zu ihr stellt er sie auf die Probe. Dabei ist Diane auch ohne ihren unbändigen Sohn längst überfordert mit sich und der Welt. In ihrem Bemühen, ihr Schicksal zu meistern, bekommt sie unverhofft Hilfe von der schweigsamen Nachbarin Kyla (Suzanne Clément), der es gelingt, eine Balance in der Mutter-Sohn-Beziehung zu schaffen und eine zarte Hoffnung auf eine vielleicht doch noch glückliche Zukunft aufkeimen zu lassen.

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Regie: Xavier Dolan
Drehbuch: Xavier Dolan
Kamera: André Turpin
Schnitt: Xavier Dolan
Musik: Eduardo Noya
Hauptdarsteller: Anne Dorval, Suzanne Clément, Antoine-Olivier Pilon
Genre: Drama
Produktionsland: Kanada
Produktionsjahr: 2014

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