Posted by herr.filmtanz on Jun 18, 2018

BRIMSTONE | Dakota Fanning | Guy Pearce| Martin Koolhoven

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Biblischer Schwefelgeruch. Die feministische Hölle.

Im Mittelpunkt von BRIMSTONE steht der Leidensweg der stummen Hebamme Liz (Dakota Fanning), welche Ende des 19. Jahrhunderts mit ihrem Mann (William Houston), ihrer Tochter (Ivy Georgeg) und ihrem Stiefsohn (Jack Hollington) ein einfaches Leben im amerikanischen Westen führt. Ein Ende findet dieses beschauliche Leben, als ein neuer Prediger (Guy Pearce) in der Stadt auftaucht, welchen Liz augenscheinlich zu kennen scheint. Nach der brutalen Ermordung ihres Ehemannes flieht sie zusammen mit ihren Kindern aus der Stadt. Nach dem ersten Kapitel Revelation (Offenbarung), schließen sich in diesem nicht chronologisch erzählten Neo-Western die Kapitel Exodus, Genesis (Genese) and Retribution (Vergeltung) an.

Folgt man im ersten Kapitel der Leidensgeschichte der Liz noch konzentriert, welche von Dakota Fanning großartig verkörpert wird, spürt den feministischen Unterbau, wird schnell klar, dass es dem niederländischen Regisseur Martin Koolhoven um etwas anderes geht? Mit Hochgenuss weidet sich der Regisseur in seinen Gewaltexzessen und fügt seinem Werk Elemente aus Splatter- und Horrorfilmen hinzu, auf welchen die Kamera nur zu gerne sehr lange verweilt.

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Sehr überzeugen kann Guy Pearce in der Rolle als dämonischer Prediger mit seiner auffälligen Narbe im Gesicht. Es ist schaurig und furchteinflößend, mit welcher Kaltblütigkeit er diese Rolle verkörpert. An Abartigkeit kaum zu übertreffen ist es, wenn ein Mann Gottes seine sadistischen Quälereien an den Frauen durch Zitate aus der Bibel rechtfertigt. Mit welcher Eindimensionalität Koolhoven dagegen die weiteren Nebenfiguren ausstellt, führt nicht selten zu ungewollt komischen Szenen, welche BRIMESTONE in Richtung Trash abrutschen lassen.

Martin Koolhovens Drehbuch zu BRIMSTONE hat stellenweise durchaus Potential, denkt man an die grausame Überraschung in Bezug auf das Leiden von Liz.
Mit welcher Kaltblütigkeit Guy Pearce die Rolle des dämonischen Predigers spielt, wird einem noch lange einen Schauer über den Rücken jagen. Weiterhin lobend hervorzuheben ist die farbentsättigte Bildsprache, welche wie geschaffen ist, für die große Leinwand.

Es ist sehr traurig, dass Koolhoven die zu Anfang aufgebaute Schwingung, dieses Potential der Geschichte und der Schauspieler (mit einer nicht erwähnten schauspielerischen Überraschung), mit seinen Trash und Horror Elementen zusehends zerstört. Auf der anderen Seite sind es die Höllenqualen der Liz, welche in jeder Zelle des Zuschauers noch sehr lange, schmerzlich nachwirken. Viel zu gerne weidet sich Koolhoven in der expliziten Bebilderung der gequälten und missbrauchten Frauen. Von dem feministischen Unterbau ist leider fast nichts mehr zu spüren.

Was zurückbleibt von BRIMSTONE, ist ein zwiespältiges Gefühl. Ein von Schwefelgeruch durchtränktes, boshaftes und dennoch faszinierendes Werk. Ein Werk von biblischer Destruktivität. Armen.

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Regie: Martin Koolhoven
Drehbuch: Martin Koolhoven
Kamera: Rogier Stoffers
Schnitt: Job ter Burg
Musik: Junkie XL
Hauptdarsteller: Dakota Fanning, Carice van Houten, Guy Pearce, Carla Juri, Kit Harington
Genre: Thriller, Western, Mystery, Horror, Drama
Produktionsland: Deutschland, USA
Produktionsjahr: 2016
Kinostart: 30.11.2017

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