Posted by herr.filmtanz on Feb 5, 2018

GARTEN DER STERNE | Stéphane Riethauser und Pasquale Plastino

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Denk(mal) positiv

Folgt man der Einladung des wunderschönen Tores, auf dem alten Sankt Mattäus Kirchhof (seit 1856) und lässt sich auf eine märchenhafte Zeitreise des Lebens ein (gesprochen von Zazi de Paris), wird man erleben, dass der Friedhof nicht nur “Toten” still und grau, sondern durchaus bunt, glitzernd und FEIERlich sein kann.

Hier fanden nicht nur die Gebrüder Grimm und viele jung gestorbene Männer der Schwulenszene eine letzte Ruhestätte, sondern auch sogenannte still geborene Kinder. Dank der besonderen Empathie von Bernd Boßmann alias Ichgola Androgyn wird IM GARTEN DER STERNE Eltern, Kindern und Freunden ein INDIVIDUELLER Raum zum Abschiednehmen gegeben.

Wie ein guter Engel wacht Ichgola über die Wünsche und Bedürfnisse der Friedhofseelen. Wenn er in seinem Seelenbaum sitzt, Kraft und Ruhe findet, durch seine Antennen, die bis ins Universum reichen, ist es ein inneres Streicheln der eigenen Seele und Dankbarkeit.

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Café Finovo

Aus ganz normalen Grundbedürfnissen, wie einer Toilette und einem Waschbecken, ist ein einzigartiges Projekt geworden. Das Café Finovo, das sich nicht nur das “N” im Namen teilt, sondern wo Ende-Fin und Neubeginn-Novo auf gelungene Weise miteinander kommunizieren.
Ein wunderbarer Ort, an dem “gemenschelt” wird. Bis in die kleinesten Kuchenkrümmel kann man das Herzblut spüren, welches Ichgola hier hinein gesteckt hat. Dank ihm geht Trauerbewältigung hier ganz bewusst nicht nur stille, einsame Wege, sondern durch Gemeinsamkeit wird Licht ins Dunkel der Trauer getragen.

Den Regisseuren Pasquale Plastino & Stéphane Riethauser ist ein wunderbares, fast schon poetisches Portrait eines ganz besonderen Friedhofs gelungen. Ein Ort nicht nur für die Toten, sondern auch ganz besonders für die Lebenden.

Denk(mal) positiv, ist nicht nur ein Denkmal, das an die an Aids verstorbenen Menschen erinnert. Es ist auch Bernd Boßmanns Lebensphilosophie. Lässt man sich von diesem ganz besonderen Menschen an die Hand nehmen und durch den Film führen, wird man unendlich dankbar sein, ihn und eins seiner Lebenswerke kennengelernt zu haben.

Ein sehr berührendes Werk, das die eigene Seele neu über das “Silvester des Lebens” philosophieren lässt.


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Es war einmal ein alter Berliner Friedhof, wo die Brüder Grimm ihre ewige Ruhe gefunden haben. In diesem verzauberten Garten betreibt Ichgola Androgyn Deutschlands erstes Friedhofscafé. Ichgola (alias Bernd Boßmann, Mann/Frau Kabarettist, langjähriger Schwulen- und HIV/AIDS-Aktivist) organisiert auch die Bestattungen jenseits von religiösen Zugehörigkeiten, mit Schwerpunkt totgeborene Babys. Denn auf diesem Friedhof gibt es eine besondere Gedenkstätte: den „Garten der Sternenkinder“.

Ein wunderschönes Feld, wo Eltern einen Platz für ihr verlorenes Kind finden. Daneben ruhen die vielen Männer, die an AIDS gestorben sind und ein Stück Geschichte der Berliner schwulen Bewegung geschrieben haben. Im buntesten Friedhof Deutschlands wird das Leben mit seinen Rätseln und seinen Schönheiten wie nirgendwo anders zelebriert. Zwischen den Jahreszeiten erzählt uns die legendäre Zazie de Paris mit ihrer einzigartigen Stimme das Märchen der Brüder Grimm “Der Gevatter Tod”.

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Regie: Stéphane Riethauser, Pasquale Plastino
Drehbuch: Stéphane Riethauser, Pasquale Plastino
Kamera: Stéphane Riethauser
Schnitt: Dalia Castel
Genre: Dokumentarfilm
Produktionsland: Deutschland, Schweiz
Produktionsjahr: 2016
Kinostart: 18.01.2017

(B.)

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