Posted by herr.filmtanz on Oct 17, 2013

Flickering Lights | Kritik

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“Wäre ein toller Road-Movie geworden, aber leider ist schon nach 20 Minuten das Auto kaputt!” :-)

Flickering Lights war der erste von drei Filmen (vor Dänische Delikatessen, Adams Äpfel) bei dem der dänische Regisseur und Drehbuchautor Anders Thomas Jensen auch selbst die Regie übernommen hat. In Zuge meiner immer mehr steigenden Begeisterung für skandinavische Filme, hatte ich seine beiden Meisterwerke ‘Dänische Delikatessen’ und ‘Adams Äpfel’ bereits gesehen und war von seiner Bildsprache und dem unglaublich tief schwarzen Humor total begeistert. Wie dieser Film auf mich gewirkt hat, im folgenden.

Torkild (Søren Pilmark), Arne (Mads Mikkelsen), Peter (Ulrich Thomsen) und Stefan (Nikolaj Lie Kaas) sind Kleinkriminelle. Torkild hat die Schnauze voll von seinem Leben und möchte etwas anderes machen als ein Krimineller zu sein. Eigentlich sollte er den Geldkoffer an seinen Boss übergeben, so war der Auftrag. Kurze Hand sitzen die vier in dem klapprigen Ford Transit Richtung nach Barcelona. Und los geht der Road-Movie, naja fast. Der Ford Transit geht mitten in der Einöde der dänischen Wälder kaputt. Sie beschliessen in einem runtergekommenen Gasthaus zu übernachten.

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Nach dem Road-Movie ist für Torkild schon das Ziel erreicht, wie es scheint. Ob das echt so ist ? Das Gasthaus steht seit 20 Jahren leer. Er kauft das Gasthaus aber und möchte es neu eröffnen. Das Gasthaus in dieser einsamen reduzierten Umgebung bietet im folgenden den Raum die vier harten Jungs wunderbar mit einer skandinavischen Feder geschrieben vorzustellen. Der Regisseur  Anders Thomas Jensen wird  jedem der vier Protagonisten intensiv beleuchten und wir werden als Zuschauer in die Kindheit dieser eintauchen, die uns zeigen wird was ihre Prägung war.

Ich möchte eigentlich nicht zu viel verraten von dem Film, ich reduziere mich auf Gedanken. Ein rundes Fenster mit einer Kreuzstrebe beinhaltet vier Scheiben. So ein Fenster aus vier Elementen kann nur funktionieren wenn alle Scheiben vorhanden sind. Ein Kreis als Symbol für den Zusammenhalt. Immer wenn dieses Symbol in unterschiedlichen Szenen erscheint, tauchen wir in die Vergangenheit eines der Vier ein. Wir erleben das Elternhaus. Da ist z.B. ein blauer Apfel am Baum. Bei einer andern Reflektion der Kindheit sehen wir wieder dieses Vierteil-Rundfenster, wir schauen als Kind aus dem Schrank durch dieses Fenster. Was macht das Kind da ? Auch sehen wir bei einer anderen Reflektion einen blauen Flur und was der Vater mit seinem Sohn macht (Die Farbe Blau). Die darauf folgende Szene hat eine unglaubliche Aussagekraft. Wieder das Vierteil-Rundfenster diesmal im Rücken-Blick lichtdurchflutet. Bei einem der Vier wird aber auch die Größe des Vierteil-Rundfenster eine wichtige Rolle spielen. Nur bei ihm sind es fünf Fenster und in der Mitte dieses Fenster was geradezu den Blick einsaugt beim hinschauen. Dieses sehr große Vierteil-Rundfenster wird sehr viel entscheiden.

Der Arzt Carl (Frits Helmuth) und Alfred Jæger (Ole Thestruo) haben in dem Film eine sehr wichtige Rolle. Der Dauerbreite “Alkohol-heilt-alle-Wunden” Arzt Carl vergräbt sein Bier in der Erde. Er sagt es kommt auf die Tiefe an. Die Bildaussage wird sich für den Zuschauer als sehr tiefgreifend darstellen, denkt man an das erschossene Eichhörnchen. Carl und Ole werden zwei der vier Jungs verändern und zum Schluss dafür sorgen, dass … ups :-) Ein tolle Szene :-)

Anders Thomas Jensen ist hier ein Meisterwerk gelungen. Niemand sonst kann diese vielen Genres so gekonnt zusammenhalten und den Zuschauer begeistern :-) Der schwarze Humor wird hier auf den Punkt genau sehr gekonnt platziert. Es ist auch ein Film der Ruhe, bei dem man, wenn die Vier beleuchtet werden, sehr gespannt zuhört und das Gehirn auf Hochtouren rennt, was so einen Riesen Spass macht :-). Ich kenne sonst keinen Film bei dem ein Regisseur so gekonnt mit Hirn und einer unglaublichen Tiefen- und Nachwirkung Menschen so ausmalt. Doch, Adams Äpfel :-)

Hier gibt es 5 Sterne von ganzem Herzen für das skandinavische Kino. Einen für Torkild, einen für Arne, einen für Peter und einen für Stefan :-) Warum versteht ihr erst nach dem Film :-) Dazu einen Bonus Stern für den super klasse tollen Mads Mickelsen (Arne) und die galaktische Regie von Anders Thomas Jensen :-)

Ein Gedicht aus dem Film was mich sehr bewegt hat :-) Eine bewegende Szene wenn das vorgelesen wird im Film :-)

Aus der Kindheit langer dunkler Nacht
da flackern wieder kleine Lichter auf, ganz sacht.
Wie in Spuren der Erinnerung
sind sie in dein vereistes Herz gedrungen.
Einem hast du mal deine Nähe erlaubt
das es dich versteht, hast du nie geglaubt,
denn du hast dein Leben dem Schein der Lichter geweiht
und niemand ist da, der dich davon befreit.

Hier leuchtet deine verirrte Liebe
verloren in nebligen Nächten,
und alles was du bisher geliebt und gesucht hast,
hat Grenzen, die der Wille setzt.

Die erste Sorge hat einen zarten Schein,
der wie eine Träne, den Raum erbeben läßt,
nur der wird deinem Herzen nahe sein,
wenn alle anderen Sorgen verstummen.

Hoch wie ein Stern in der Frühlingsnacht
leuchtet dein kindliches Glück,
du suchst ihn seither, aber bekamst nur zu fassen,
deren umherschweifenden Herbstschatten.

Dein Glaube den du bei Dir hast so lange du suchst,
weil es das erste und das letzte ist,
nun steht er und brennt in der Dunkelheit an einer Stelle,
und mehr wird nicht vermisst.

Und der eine oder andere kommt Dir nahe,
aber kann dich nie verstehen,
denn dein Leben hast du unter den Schein der Lichter gelegt,
und keiner soll dich bisher erreichen.

(von Tove Ditlevsen)

Originaltitel: Blinkende lygter
Genre: Comedy, Drama, Action, Krimi
Regie: Anders Thomas Jensen
Schauspieler: Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas, Ulrich Thomsen, Soren Pilmark, Sofie Grabol, Iben Hjejle, Frits Helmuth
Produktionsland: Dänemark
Kinostart: 2002
Laufzeit: 109 Minuten
FSK:16

Pünktlich zu seinem 40. Geburtstag fasst der Kleingauner Torkild (Søren Pilmark) einen folgenschweren Entschluss: Sein Leben soll sich ändern – und zwar gründlich. Da kommt ihm ein geheimnisvoller Koffer, in dem sich vier Millionen Kronen befinden, gerade recht. Anstatt die Kohle bei seinem Auftraggeber, dem er selbst noch viel Geld schuldet, abzuliefern, bricht Torkild mit drei Freunden und der unverhofften Beute in seinem klapprigen Ford Transit Richtung Spanien auf. Keine Frage, dass sich schon bald Polizei, konkurrierende Banden und zu allem Überfluss auch noch diverse Ex-Freundinnen an ihre Fährte heften.

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