Posted by herr.filmtanz on Sep 13, 2017

CODE BLUE | Bien de Moor | Urszula Antoniak | Kritik

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Der Tod ist Intim ?

Es geht in diesem Werk um die von mir sofort befürwortete Sterbehilfe. Marian (Bien De Moor) macht alles richtig. Der Film ist sehr sehr intensiv, ich warne ausdrücklich davor. Intensives Arthouse-Kino aus den Niederlanden!

Fast könnte man denken, dass die niederländische Regisseurin Urszula Antoniak hier die Fortsetzung ihres Films ‘Nothing Personal’ verfilmt hat. Zumindest gedanklich würde das Sinn machen und man fragt sich in diesem Moment immer wieder was geht in dem Kopf von Urszula Antoniak vor ? Was hat sie erlebt ? In der Essenz handeln beide Filme von Frauen welche auf der Suche nach etwas sind. Die Suche nach dem farbigen Leben oder auch dem grau-schwarzen Scheitern, in Bezug auf sich selbst.

‘Code Blue’ ist ein ‘Hospital Emergency Code’ der folgendes ausdrückt: “Ein Patient braucht sofortige Reanimation”. Marian (Bien de Moor) arbeitet als Krankenschwester auf einer Station die man am besten als Palliativstation bezeichnen kann. Mit einer unglaublichen Ruhe und auch Liebe begleitet sie die Menschen, welche an ihrer schweren Krankheit verrecken werden. Aus dieser Station kommt niemand mehr lebend herraus. Der letze Moment, der Tod, wird kommen. Und Intim wird er bei den meisten Menschen nicht sein.

Wir streifen mit Marian durch die Krankenhaus-Gänge. Diese Bilder, wortlos verabreicht, haben eine unglaubliche Gewalt. Es wird hier nicht viel geredet auf der Palliativstation. Wir schauen in das ein oder andere Zimmer und erleben das zerschmetternde Elend des würdelosen Todes. “Sterbe doch endlich!” hört man aus den Krankenzimmern”. Momente die nicht bebildert werden und sie doch so brutal im Kopf sind. Marian ist an ihrer Seite, sie nimmt diese Menschen in den Arm. Doch erleben wir hier auch, wie sie aktiv Sterbehilfe leistet. Oft war es absolut Richtig doch dann …

Kommen wir jetzt mal zu Marian und ihrem Leben nach dem sie im Krankmachhaus/Todeshaus gearbeitet hat. Schaut man in ihre Wohnung, ist es der farbloseste und bedrückendste Ort auf Erden. Wie lange die Umzugskisten schon unausgepackt in der Wohnung stehen, wird nicht klar. Klar ist aber die Kisten wirken wie Särge hinter ihrer schwarzen Gardine, durch welche sie wie ein Voyeur durch ein kleines Loch in die Welt schaut. Das hat in diesem Moment etwas von Leichenkammer und Tod, wie man es intensiver nicht bebildern kann. Ist die Wohnung eine Leichenkammer einer einsamen Seele ?

Durch die aktive Sterbehilfe von Marian könnte man sie hier auch als Todes-Voyeur bezeichnen. Sie steht aber auch wie ein Voyeur in der Strassenbahn und sieht sich das bunte Leben der Menschen an. Mit eines der besten Szenen in “Code Blue” ist, als sie den Reissverschluss eines Mannes in der Strassenbahn riechbar auf Nasenhöhe hat. Intensive wortlose Bilder welche man sein Leben lang nie wieder vergessen wird. Der Geruch des mänlichen Gliedes gehört einem Nachbarn, den sie schon von Anfang an voyeuristisch verfolgt hat. “Code Blue” mündet in ein Finale, welches zu den extremsten und intensivsten Filmmomenten zählt.

Großes Lob an die Schauspielerin Bien De Moor für diese atemberaubende und überwältigende schauspielerische Leistung.  Intensiver geht es nicht in Bezug auf Leben und Tod und die Verarbeitung schmerzhafter Erfahrungen! Danke Urszula Antoniak!

Marian (Bien de Moor), eine Krankenschwester um die 40, kümmert sich aufopferungsvoll um ihre Patienten. Ihre Hingabe geht so weit, dass sie glaubt, das Leiden Schwerkranker und Alter durch Sterbehilfe verkürzen zu müssen. Der Tod ist für sie der Moment der absoluten Intimität. Außerhalb des Krankenhauses lebt sie ein einsames und isoliertes Leben, das durch Kontrollsucht und Perfektion getrieben ist. Gelegentlich jedoch brechen ihre unterdrückten Gefühle durch. So auch an dem Tag, als sie einen Fremden (Lars Eidinger) im Bus beobachtet und ihm in eine Videothek folgt. Marian fantasiert über den Mann und geht mit ihm über einen Akt des gegenseitigen Voyeurismus eine Art Verbindung ein. Die plötzliche Intimität verwirrt, fasziniert und ängstigt sie. Sie erkennt, dass sie ihren Bedürfnissen nachgeben muss, selbst wenn menschliche Nähe ihren Preis hat.

Genre: Drama
Regie: Urszula Antoniak
Schauspieler: Lars Eidinger, Bien de Moor, Annemarie Prins, Sophie van Winden, Christine Bijvanck
Produktionsland: Niederlande
Kinostart: 2012
Laufzeit: 78 Minuten
FSK: 18

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  1. Nothing Personal (2009) | FILMTANZ - [...] Personal (2009) und Code Blue (2011) sind zwei Filme die mir sehr viel bedeuten, dafür bin ich Urszula Antoniak…

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